26.03.2020 - 18:13 Uhr
WeiherhammerSport

Daniel Scheil: Geduld bis zur Titelverteidigung

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Gold in Rio 2016 war sein größter Erfolg: Para-Leichtathlet Daniel Scheil aus Weiherhammer hatte sich auf den letzten Drücker auch für die Paralympics in Tokio 2020 qualifiziert – ehe die "völlig richtige" Verschiebung offiziell wurde.

Der bislang größte Erfolg für Daniel Scheil: Bei den Paralympics 2016 in Rio den Janeiro gewann er die Goldmedaille im Kugelstoßen.
von Fabian Leeb Kontakt Profil

Daniel Scheil hat die Ausbreitung des Coronavirus aus seinem Wohnort Weiherhammer (Kreis Neustadt/WN) verfolgt. "Ich habe täglich in den Nachrichten mitbekommen, was deswegen so abgeht. Dass daraus so etwas Riesiges wird, hätte ich nicht gedacht", sagte der 47-jährige Behindertensportler im Gespräch mit Oberpfalz-Medien. Deswegen kam für ihn das Aus für die Olympischen und Paralympischen Spiele in Tokio 2020 am Dienstagmittag wenig überraschend. "Die Verschiebung um ein Jahr ist absolut in Ordnung. Das wäre nach dieser Entwicklung in den letzten Tagen und Wochen einfach nicht mehr gerecht gewesen", sagte der Goldmedaillengewinner im Para-Kugelstoßen 2016 in Rio de Janeiro. So seien die Voraussetzungen für alle Athleten grundverschieden gewesen. "Unser Trainingslager in Südafrika im Januar ging noch normal über die Bühne, auch wenn es da bereits Meldungen über die ersten Fälle gab." Die Camps in Dubai und auf Lanzarote fielen aber bereits dem Coronavirus zum Opfer. Hinzu kommen für Scheil die schwierigeren Dopingkontrollen beim Training. "Die wurden mittlerweile komplett eingestellt. So wäre es nicht mehr fair zugegangen."

Dabei erlebte Scheil noch vor wenigen Tagen einen Moment "riesiger Freude", als er fast auf den letzten Drücker die Qualifikation für Tokio, wo die Titelverteidigung gelingen soll, geschafft hatte. Bei einem eigens von Bundestrainerin Marion Peters initiierten Qualifikationswettkampf am 20. März in Erfurt wuchtete der mittlerweile für den HSC Erfurt startende Scheil die Drei-Kilo-Kugel auf 10,64 Meter. Die Quali-Weite hatte der Weltverband auf 10,58 Meter fixiert. "Ich durfte mit einer Sondergenehmigung anreisen und an den Start gehen", sagte Scheil der zuvor für den BVS Weiden aktiv war. Wegen einer Handverletzung hatte Scheil die WM 2019 und somit die vorzeitige Paralympics-Quali verpasst. "Im Januar war wieder alles bestens und ich hatte sogar bessere Kraftwerte als bei meiner Goldmedaille 2016", sagte Scheil.

Kommentar zur Verschiebung von Tokio 2020

Deutschland und die Welt

Aktuell trainiert der Rollstuhlfahrer sehr eingeschränkt, vor allem Krafttraining in den eigenen vier Wänden steht auf dem Programm. "Ich versuche so gut es geht zu trainieren, aber als Vorerkrankter muss ich mich aktuell auch sehr zügeln, weswegen ich mein Leben ziemlich weit runtergefahren habe." Zur Vorbereitung hatte das Land Thüringen für die Olympia-Starter Ausnahmegenehmigungen erlassen. Daher durfte Scheil mit Olympia-Medaillenkandidaten wie Speerwerfer Thomas Röhler oder Sprinter Julian Reus trotz gesperrter Sportstätten weitertrainieren. "Mein Heimtrainer Christian Balke hatte auch bei der Stadt Weiden eine Sondergenehmigung beantragt, aber mit der Verschiebung der Tokio-Spiele könnte die nun ausgesetzt werden."

Und so richtet sich der Blick nicht nur von Scheil bereits in Richtung 2021, wenn die Paralympischen Spiele in Tokio nachgeholt werden sollen. "Wenn wir bis dahin alle gesund bleiben, greife ich eben nächstes Jahr an und hoffe, dass die Quali-Ergebnisse für Tokio 2020 auch ein Jahr später noch Bestand haben", hoffte Scheil, der aber sogleich hinterherschob: "Wenn nicht, wuchte ich die Kugel eben nochmal über die Qualifikationsweite."

Zur Person:

Das ist Daniel Scheil

Daniel Scheil wurde 1973 in Freiberg (Sachsen) geboren und leidet an Spastischer Tetraparese und Myopathie. Im Rollstuhl betrieb er für den BSV Weiden Kugelstoßen, Speer- und Diskuswerfen. Mittlerweile startet Scheil für den HSC Erfurt. Als Mitglied der Deutschen Behindertensport-Nationalmannschaft absolvierte er 2014 bei der EM seinen ersten internationalen Wettbewerb (2x Gold, 1x Bronze). Neben weiteren EM- und WM-Medaillen stellt die Goldmedaille im Kugelstoßen bei den Paralympics 2016 in Rio de Janeiro seinen bislang größten Erfolg dar. Wegen dieses Erfolgs erhielt Scheil aus den Händen des ehemaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck das Silberne Lorbeerblatt. Über Altensteinreuth bei Kulmain (Kreis Tirschenreuth) kam Scheil nach Weiherhammer (Kreis Neustadt/WN), wo er aktuell lebt.

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