02.11.2021 - 17:05 Uhr
Wildenau bei PlößbergSport

Schiedsrichter pfeift Spiel in der B-Klasse im Sitzen

Ein Hexenschuss ist für Betroffene eine Qual. Gehen oder Laufen – ein Ding der Unmöglichkeit. Aber was ist mit Sitzen? Ein Fußball-Schiri hat's ausprobiert. Trotz heftiger Schmerzen leitete er ein B-Klassen-Spiel – von der Seitenlinie aus.

Das Derby zwischen dem SV Wildenau und der SG PüchersreuthII/Floß II ging es kurios zu. Hier ein Bild aus dem vergangenen Jahr.
von Alfred Schwarzmeier Kontakt Profil

Hubert Sternkopf ist seit Jahren auf den Sportplätzen im Fußballkreis Amberg/Weiden als Schiedsrichter unterwegs. Vor drei Jahren wurde der Referee für 15 Jahre im Schiedsrichteramt geehrt. Jetzt müsste eigentlich die nächste Auszeichnung fällig sein. Trotz eines plötzlich auftretenden, quälenden Hexenschusses leitete der Unparteiische der TSG Weiherhammer am Sonntag die B-Klassenpartie zwischen dem SV Wildenau und der SG Püchersreuth II/Floß II. Über die vollen 90 Minuten. Und, was das Kuriose ist, sitzend vom Spielfeldrand.

Dabei schien beim Eintreffen des Schiedsrichters am Sonntag auf dem Sportgelände in Wildenau alles in bester Ordnung. "Er hat uns noch gefragt, in welcher Farbe wir spielen", erzählt Andreas Niemann, Trainer der Gästeelf. Befremdlich wurde es erst, als beide Mannschaften pünktlich auf dem Platz standen und auf den Mann in Schwarz warteten. Just, als man nach dem Rechten sehen wollte, kam der Unparteiische aus der Kabine, langsam, in gebückter Haltung und mit mühsamen Schritten. Er habe in der Umkleide einen Hexenschuss erlitten, so die Erklärung des Betroffenen.

Trotz Schmerzen durchgehalten

Das Spiel zu pfeifen, stehend, über 90 Minuten – keine Chance. Und da unter den Zuschauern kein Ersatz zur Verfügung stand, schien alles auf eine Spielabsage hinauszulaufen. "Jemand ist dann auf den Gedanken kommen, ob er nicht sitzend pfeifen könnte", berichtet Niemann. Gesagt, getan. Zwischen den beiden Spielerbänken wurde genau auf Höhe der Mittellinie eine Bierbank aufgestellt, auf der Sternkopf Platz nahm. Von dort aus nahm er – trotz des Elends mit dem Kreuz – pflichtbewusst seine Aufgabe wahr. "Für diese Verhältnisse hat er das Derby wirklich anständig über die Bühne gebracht", lobt Josef Zeitler den leidensfähigen Referee. Der Vorsitzende des SV Wildenau ist noch zwei Tage später verwundert, wie Sternkopf die gesamte Spielzeit überhaupt überstanden hat: "Ich bin jetzt 65 Jahre alt und habe selbst über 30 Jahre lang Fußball gespielt. Aber so eine Situation habe ich noch nie erlebt."

Fünf Gelbe Karten verteilt

Beim Stand von 2:1 für die SG Püchersreuth II/Floß II – und nach fünf Gelben Karten – erfolgte der Abpfiff. Doch damit war das Leiden des Unparteiischen nicht beendet. Mehr schlecht als recht schleppte sich der Schiri in Richtung Kabine, gestützt von fürsorgenden Helfern des SV Wildenau. Letztlich blieb nichts anderes übrig, als den Notarzt zu holen und den von starken Schmerzen Gepeinigten per Sanka abzutransportieren. "Für mich ist es ein Wunder, wie er das durchgehalten hat", zollt Niemann dem tapferen Schiri seine Anerkennung. Und wie Zeitler schickt auch er anerkennende Worte hinterher: "Wir haben schon mehrere Schiedsrichter gehabt, die, obwohl sie laufen konnten, schlechter gepfiffen haben." Vielleicht trägt das Lob ein Stück weit zur schnelleren Genesung des Leidgeplagten bei.

Ehrung bei der Schiedsrichtergruppe Weiden

Weiden in der Oberpfalz

"Für diese Verhältnisse hat er das Derby wirklich anständig über die Bühne gebracht."

Josef Zeitler, Vorsitzender des SV Wildenau

 

 

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