30.11.2021 - 17:08 Uhr
WindischeschenbachSport

Duell am Brett: Schachvereine aus der Oberpfalz haben einen Favoriten

Carlsen gegen "Nepo" heißt es bei der Schach-WM in Dubai. Der amtierende Weltmeister gibt sich siegessicher, sein Herausforderer selbstbewusst. Wie verfolgen die Oberpfälzer Schachvereine den Titelkampf und wer ist ihr Favorit?

Bei der Schach-WM in Dubai treffen Jan Nepomnjaschtschi (Russland) und Magnus Carlsen (Norwegen) (von links) aufeinander.
von Katrin Pasieka-Zapf Kontakt Profil

Seit einer Woche läuft in Dubai die FIDE Schach-WM. Am Brett sitzen sich Titelverteidiger Magnus Carlsen aus Norwegen und der Russe Ian Nepomniachtchi – kurz: "Nepo" – gegenüber. Carlsen, seit 2013 Weltmeister und seit über zehn Jahren die Nummer eins der Schach-Weltrangliste, gibt sich in diesen Tagen lässig, versucht mit unüblichen Zügen seinen Herausforderer zu Fehlern zu zwingen. Die Auswirkungen dieser neuen Varianten, zeigen sich erst im Laufe des Spiels – spannend auch für Schachbegeisterte aus der Oberpfalz. Zug um Zug wird analysiert. Der Favorit ist klar, einfach wird es für ihn aber nicht.

Manfred Oppel, Schachclub Windischeschenbach

"Hier treffen die Weltbesten aufeinander. Das ist sehr spannend und interessant", sagt Manfred Oppel, erster Vorsitzender des SC Windischeschenbach. Seit vergangenem Freitag treffen sich die Mitglieder für das wöchentliche Training nur noch online. Danach gibt es aber nur ein Thema: Die Schach-WM. "Wir sehen uns die Partien an und analysieren gemeinsamen die gespielten Züge". Für Oppel ist der aktuelle Weltmeister Magnus Carlsen der Favorit. "Er hat sich über Jahre hinweg eine Spielstärke aufgebaut die seinesgleichen sucht. Außerdem präsentiert er eine außergewöhnliche Genialität im Spiel." Auch die Wertungszahlen der Weltrangliste sprechen, laut Oppel ,für Carlsen. Dieser belegt mit 2855 Punkten Platz ein, Nepomniachtchi kommt mit 2782 Punkten auf Platz fünf. "Die Punktdifferenz ist sehr deutlich."

Josef Wiesend, Schachclub Weiden 1907

"Bei uns schaut jeder so viel wie möglich", sagt Josef Wiesend, erster Vorsitzender des SC Weiden. Es freut ihn, dass das Interesse am Schachsport wieder steigt. "Auch bei uns melden sich wieder vermehrt Menschen, die Schach im Verein spielen möchten." Allerdings werden derzeit keine Kurse für Kinder und Anfänger angeboten. Vor der Pandemie wurden solche Großereignisse beim nächsten Treffen besprochen, "jetzt telefonieren wir sehr viel". Er vermutet, dass Carlsen seinen Weltmeistertitel verteidigen wird. Allerdings trifft er mit "Nepo" auf einen Gegner, der "sehr gut vorbereitet ist". Viele Spielzüge, wie zuletzt bei der Spanischen Partie, seien bis zu einem gewissen Punkt von "Computern und Nepomniachtchis Team gut durchdacht und vorbereitet worden".

Gerhard Schindzielorz, Schachfreunde Haselmühl/Amberg

Gerhard Schindzielorz, 1. Vorsitzender SF Haselmühl/Amberg

Intensiv kann Gerhard Schindzielorz, erster Vorsitzender der Schachfreunde, die Schach-WM derzeit nicht verfolgen. Allerdings bekommt er über die Whatsapp-Gruppe des Vereins mit, dass die Partien bei den Mitgliedern "heiß diskutiert" werden. Auch sein persönlicher Favorit ist der Titelverteidiger Magnus Carlsen. "Er spielt gleichmäßiger, nicht so wie Nepomniachtchi." Der würde laut Schindzilorz entweder "genial oder genial daneben greifen", hat aber auch schon "eine Partie aus dem Feuer gerissen". Die spannende Frage wird sein, wie gut "Nepo" mit dem Druck eines fast drei Wochen dauernden Turnieres umgehen kann.

Paul Trapp, Schachclub Mitterteich

Paul Trapp (rechts) spielt täglich mit Herbert Baier eine Partie Schach über das Telefon.

Die vergangenen Partien verfolgte Paul Trapp live im Internet. "So wie vermutlich fast alle Schachfreunde", sagt der erste Vorsitzende des Schachclubs. Allerdings haben einige Mitglieder noch kein Internet. "Deshalb bringe ich die gespielten Züge der WM ausgedruckt zu unseren Treffen mit." Dort werden die Spielzüge nachgespielt und analysiert. Trapps Favorit ist Ian Nepomniachtchi. "Er hat Carlsen bereits in der Jugend und später auch beim London Chess Classic 2017 geschlagen. Und er hat in Partien mit klassischer Bedenkzeit als einziger Weltklassespieler eine positive Bilanz gegen Carlsen. Außerdem wünsche ich mir einen neuen Weltmeister", sagt er.

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Hintergrund:

So verläuft die FIDE-Schach-WM

  • 24. November bis 16. Dezember in Dubai
  • Magnus Carlsen (Norwegen) gegen Ian Nepomniachtchi (Russland)
  • Der Preisfonds beträgt zwei Millionen Euro, wobei 60 Prozent an den Sieger und 40 Prozent an den Zweitplatzierten gehen
  • Es werden bis zu 14 klassische Partien gespielt, wer zuerst 7.5 Punkte erreicht hat gewonnen
  • Es wird ausgelost, wer zuerst mit Weiß spielen darf
  • Die Bedenkzeit beträgt 120 Minuten für die ersten 40 Züge, gefolgt von 60 Minuten für die nächsten 20 Züge und weiteren 15 Minuten für den Rest der Partie, Ab dem 61. Zug erhält jeder Spieler eine Zeitgutschrift von 30 Sekunden für jeden gespielten Zug.
  • Sollte das Duell nach 14 Partien unentschieden stehen, werden 4 Schnellschach-Partien mit einer Bedenkzeit von 25+10 gespielt.

 

 

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