18.03.2021 - 18:06 Uhr
WinklarnSport

Happy birthday - Bastian Steger ein Vierziger: "Ein paar Jährchen will ich schon noch machen"

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Er ist der Rekord-Olympionike der Oberpfalz. An drei Olympischen Spielen hat Bastian Steger aus Winklarn (Kreis Schwandorf) teilgenommen. Eine vierte wäre möglich. Denn der Tischtennisprofi, der am Freitag 40 wird, will noch lange spielen.

Rio, August 2016: Bastian Steger kämpft bei den Olympischen Spielen in Brasilien um eine Medaille. Wie schon vier Jahre zuvor in London holt er zusammen mit Timo Boll und Dimitrij Ovtcharov die Bronzemedaille. Steger feiert am Freitag seinen 40. Geburtstag.
von Josef Maier Kontakt Profil

ONETZ: Hallo Bastian, jetzt steht ein Vierer vorne. Mal ehrlich, wo zwickts und zwackts schon?

Bastian Steger: (lacht) Da kann ich zum Glück sagen, dass es relativ wenig zwickt. Selbst nach 21 Jahren Profisport. Ich bin gut durchgekommen durch die Jahre und hatte wenig Verletzungen. Da bin ich schon sehr froh, wenn man andere Kollegen sieht, die in besten Jahren mit dem Sport aufhören mussten. Ich fühle mich nicht wie 40, was sich ja schon ein bisschen alt anhört.

ONETZ: Was ist der Vorteil dieses Alters für einen Profisportler?

Bastian Steger: Ein Vorteil ist, ich muss jetzt nicht mehr so viel und intensiv trainieren wie früher. Mit 20 muss man schon viel knüppeln. Ich kann mir jetzt schon mehr Freiraum nehmen. Ich mache da auch mal weniger, wenn ich müde bin.

ONETZ: Und gelassener wird man sicherlich auch, oder?

Bastian Steger: Der Druck ist immer da. Und den macht man sich weiter selber. Aber man ist weniger beunruhigt, wenn es im Training nicht so läuft. Das kann man besser einordnen. Da ist schon eine gewisse Routine da.

ONETZ: Sie sind seit 21 Jahren Tischtennisprofi. Was waren in der Zeit die gravierendsten Veränderungen?

Bastian Steger: Wir hatten schon viele Veränderungen: Größere Bälle etwa, und dann wurden auch mal Materialien verboten. Und dann die Zählweise. Ich habe ja damals noch bis 21 gespielt. Das war die beste Änderung. Das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen, bis 21 zu spielen. Und jetzt die Weltrangliste ...

ONETZ: Was ist damit?

Bastian Steger: Früher war die fair. Wenn man sich früher die Weltrangliste angeschaut hat, dann hat das die Leistungsstärke wirklich widergespiegelt. Das ist heute nicht mehr der Fall. Die Vielspieler werden bevorzugt. Es sind mittlerweile eigentlich Top-20-Spieler jenseits der 100 platziert. Ich will doch wissen, wie gut einer ist, und nicht, wie viele Turniere er spielt.

Bastian Steger und der Auftritt in der Oberpfalz

Maxhütte-Haidhof

ONETZ: Drei Mal waren Sie bei Olympia. Wie schaut es mit Nummer vier aus?

Bastian Steger: Ich würde schon gern, aber das ist total schwierig, fast unmöglich. Ich bin ja seit Januar nicht mehr im Nationalkader. Da sollen jetzt die Jungen nachrücken und die Plätze einnehmen. Die Ältere sollen da zurückstehen, außer man ist ein Medaillenkandidat bei Olympia wie etwa Timo Boll. Timo ist ja genauso alt wie ich. Der Verband wird sicher keinen nominieren, der nicht im Kader ist.

ONETZ: Tischtennisprofis jetten kreuz und quer durch die Welt. Gibts ein Fleckchen, das sie noch nicht gesehen haben?

Bastian Steger: Wir sind und waren natürlich viel in Asien. Was ich glaube ist, dass der amerikanische Kontinent, die USA, stärker kommen werden. Da war bisher fast nichts. Ich war mal vor 20 Jahren dort bei einem Turnier. In zwei Jahren ist die jetzt die Weltmeisterschaft in Houston. Ich glaube, in Amerika ist noch viel möglich.

ONETZ: Zurück nach Bayern, ins beschauliche Bad Königshofen, wo sie Bundesliga spielen. War es die richtige Entscheidung, in die Provinz zu gehen?

Bastian Steger: Definitv ja, das war eine sehr gute Entscheidung. Es war auch die einmalige Gelegenheit, für einen bayerischen Verein zu spielen. Da haben auch meine Eltern eher die Chance, mal ein paar Spiele anzuschauen. In Bad Königshofen herrscht richtige Euphorie, da dreht sich alles um Tischtennis.

ONETZ: Nochmal zu den 40. Wie lange gehts noch? Jan Ove Waldner, der schwedische Tischtennis-Gott, hat bis 50 gespielt ...

Bastian Steger: Oh ja, das würde ich unterschreiben. 50? Warum nicht? Ich fühle mich körperlich gut. Stand heute würde ich sagen, das geht. Mir macht es noch immer noch richtig Spaß, ich muss mich nicht quälen. Es läuft auch gut, ich spiele eine sehr gute Saison. Ich gewinne auch gegen die Stärksten der Liga.

ONETZ: Gegen Waldner müssten Sie noch gespielt haben?

Bastian Steger: Wir haben öfter gegeneinander gespielt. Er war schon von klein auf mein Idol. Es ist unheimlich toll, mit ihm über Tischtennis zu reden. Sein Wissen ... sensationell.

ONETZ: Wie wird der Geburtstag gefeiert?

Bastian Steger: In Coronazeiten kann man ohnehin nicht viel machen. Wir haben am Sonntag auch ein Spiel in Neu-Ulm. Da werden wir am Freitag auch trainieren. Das wird ganz ruhig werden, ich werde mit meiner Frau mal anstoßen. Das wäre auch normal keine Riesenparty gewesen. Ich hätt' mit ein paar Freunden gefeiert. Aber das kann man nachholen.

ONETZ: Sagt Ihre Frau nicht mal, jetzt ist Schluss mit Profisport?

Bastian Steger: Sie sagt da wenig. Natalia weiß, dass ich das am besten weiß, wann dann genug ist.

ONETZ: Aber was nach der Karriere kommt, wissen Sie schon?

Bastian Steger: Wahrscheinlich werde ich im Tischtennis bleiben. Ich habe ja schon die Trainer-A-Lizenz. Ich denke der Tischtennisverband wäre nicht abgeneigt, wenn ich da was mache. Aber das ist momentan noch weit weg. Ein paar Jährchen will ich ja noch spielen.

Bastian Steger mit seiner Frau Natalia.
Info:

Das ist Bastian Steger

  • Geboren am 19. März 1981 in Oberviechtach; aufgewachsen in Winklarn (Kreis Schwandorf); Abitur in Oberviechtach
    verheiratet mit Natalia; wohnt in Düsseldorf; eine Schwester
  • seit 2000 Tischtennisprofi
  • Erste Vereine: ASV Fronberg und TSV Kareth. Mit 11 Jahren für die 1. Herren-Bezirksliga freigestellt.
  • Mit 14 Jahren jüngster Herren-Oberpfalzmeister, mit 17 Jahren jüngster Bayerischer Meister bei den Herren
  • Seine Bundesligavereine: Borussia Düsseldorf, TTC Frickenhausen, 1. FC Saarbrücken, Werder Bremen, aktuell TSV Bad Königshofen
  • Bronze mit der Mannschaft bei Olympia 2012 in London und 2016 in Rio; Ersatzmann Olympia 2008 in Peking
  • WM-Bronze mit der Mannschaft 2006; WM-Silber 2010 und 2012
  • EM-Gold mit der Mannschaft 2007, 2008, 2009, 2011 und 2013
  • Deutscher Meister 2003 mit Düsseldorf und 2007 mit Frickenhausen; Europapokalsieger 2014 mit Saarbrücken
  • Einzel: EM-Bronze 2012, 2013; Deutscher Meister 2011, 2012
  • Doppel: Deutscher Meister 2003, 2006, 2011, 2012, 2014
  • 2008 Platz drei bei Wahl zu Deutschlands Mannschaft des Jahres
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