15.01.2021 - 13:21 Uhr
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Eine Ehe mit Gott: Warum geht eine junge Frau ins Kloster?

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Armut, Keuschheit und Gehorsam - Für Schwester Pauline ist ein Leben bei den Auerbacher Schulschwestern der wahre Weg und die Erfüllung. Doch dieser Weg war für sie nicht immer so klar.

Schwester Maria Pauline kann sich kein erfüllteres Leben als bei den Auerbacher Schulschwestern vorstellen. "Das Ordensleben ist so bunt und abwechslungsreich und voller Freude."
von Mareike Schwab Kontakt Profil

"Nur Frauen, die mit dem Leben nicht richtig klar kommen, frustriert sind, keinen Mann abbekommen oder anders keine Chancen haben, gehen ins triste, graue Kloster", mit diesem Vorurteil wurde Maxie Jacobi - wie Schwester Pauline damals noch hieß - öfter konfrontiert. Seit einem Jahr lebt die 31-Jährige nun bei den Auerbacher Schulschwestern. "Ich hätte mir kein erfüllteres Leben vorstellen können," sagt Schwester Pauline. Doch bis sie ihre Erfüllung gefunden hat, war es ein langer Weg.

Ihre weltliche Vergangenheit

Die gebürtige Tübingerin ist in einem evangelischen Elternhaus aufgewachsen. "Meine Familie war eher kirchenfern", erinnert sich die 31-Jährige. Geändert hat sich ihre Beziehung zu Gott nach einem Besuch in Taizé, einer ökumenischen Gemeinschaft in Frankreich. Danach befasste sie sich mehr mit Gott und beschloss, nach dem Abitur evangelische Theologie zu studieren. "Am Anfang war da vor allem das Interesse für die alten Sprachen," sagt Schwester Pauline. "Ich wusste noch nicht, was ich machen will. Während des Studiums habe ich die Berufung gespürt, das Evangelium zu verkünden und Menschen zu Gott zu führen." Sie begann nach dem Studium ein Vikariat, eine zweieinhalbjährige Ausbildung zur Pfarrerin.

Dann geriet sie ins Wanken. "Ich hab' gemerkt, dass das, was ich als meine Berufung erkannt hatte, Pfarrerin zu werden, nicht mehr so ganz stimmte." Durch verschiedene Begegnungen mit der katholischen Kirche ist sie Gott noch mal neu begegnet.

Schwester Pauline im Interview mit Oberpfalz Medien

Sie hatte aber gerade ihr Studium beendet, eine eigene Wohnung und einen Job. Erst nach vielen Überlegungen und viel Unterstützung im Gebet und von ihrer Familie gab sie noch mal alles auf und wagte einen Neuanfang. Schwester Pauline ist zum katholischen Glauben konvertiert, empfing die Erstkommunion, wurde gefirmt und studierte katholische Theologie. Ihr neuer Berufswunsch: Als Pastoralassistentin oder Pastoralreferentin den Priester unterstützen und die Menschen zu Gott führen.

Der Ruf Gottes

Für Schwester Pauline begann ein sehr intensives Gebetsleben. Nach und nach kam ihr dann der Gedanke ans Ordensleben. Wie bei ihrer Konversion zum katholischen Glauben, wollte sie diese Sehnsucht anfangs nicht wahrhaben. Damals war sie eine junge Frau, die mit Freunden feiern ging und bereits eine langjährige Beziehung hinter sich hatte. "Ich habe mich wie an einer Wegkreuzung gefühlt. Entweder Familie und einen Beruf wie Pastoralassistentin. Oder doch die andere Richtung, ins Ordensleben." Sie wendete sich an Gott: "Bitte sag mir, in welche Richtung, ich bin bereit den Weg einzuschlagen, den du für mich wählst." Kurze Zeit später gab es einen Tag, an dem sie seine Antwort ganz tief in ihrem Herzen spürte. In der Ordenssprache heißt das Berufung.

Damals war sie in der österreichischen Gemeinde Maria Schutz. "Es waren Gespräche, Begegnungen und Kontakte zu Priestern und Ordensleuten, durch die Gott an diesem Tag gesprochen hat. Deren Worte haben mich im Herzen berührt", erinnert sich Schwester Pauline. Auch alle Gebete und die Heilige Messe sprachen an diesem Tag zu ihr. "Wie Mosaiksteine, die sich zu einem großen schönen Bild zusammenfügen."

Wie ein Heiratsantrag

Schwester Pauline vergleicht den Ruf Gottes ins Ordensleben mit einem Heiratsantrag. "Da ist man wahrscheinlich überwältigt und voll Freude. Vielleicht hat man auch Angst davor, was die anderen sagen und was die Folgen sind. Aber tief im Herzen spürt man, das ist der Mann meines Lebens. Diese Sicherheit kann man keinem erklären." So hat sich Schwester Pauline am Tag ihrer Berufung gefühlt. "Es war so eine Erleichterung zu wissen, Gott will mich als Ordensschwester. Endlich wusste ich, wo mein Leben hingeht."

Sie hätte sich die Ehe und Kinder auch sehr gut vorstellen können. Während ihres zweiten Studiums war sie in einen Mann verliebt, der eine Beziehung mit ihr wollte. Etwas hat sie aber zurückgehalten, das sie nicht erklären kann. Damals wunderte sie sich: "Da ist jemand, der mich liebt, der offen für mich ist und mit dem ich mich verstehe. Und ich sage nein?" Im Nachhinein weiß sie, dass dieses Gefühl ein weiterer Mosaikstein war auf ihrem Weg zu Gott. Der Mann respektierte damals ihre Entscheidung.

Einkleidung im Kloster Auerbach

Auerbach

Auch Familie und Freunde haben ihre Berufung zur Ordensschwester gut angenommen. "Natürlich war es nicht leicht für sie. Es bedeutet auch eine Trennung und weniger Kontakt. Jetzt bin ich weiter weg und habe meinen eigenen Alltag", sagt Schwester Pauline. Sie ist sehr dankbar dafür, dass sich alle für sie freuen. "Das ist nicht selbstverständlich."

Ihr Weg ins Kloster

Über die Filiale, eine Niederlassung des Mutterhauses, in Maria Schutz ist Schwester Pauline mit den Auerbacher Schulschwestern in Kontakt gekommen. Im Januar 2019 bat sie um Aufnahme im Kloster Auerbach. Bis Februar war sie in der Kandidatur. Im anschließenden Postulat wurde sie ein halbes Jahr in die Gemeinschaft des Mutterhauses eingeführt.

Ihre anschließende Einkleidung im August war für Schwester Pauline sehr bewegend: "Für das Auge verändert sich so viel". Im weißen Brautkleid durfte sie in die Kirche einziehen. Während der Festmesse empfing sie vom Bischof das Ordenskleid, ihren weißen Schleier und ihren neuen Namen - Schwester Pauline. Der Heilige Paulus ist für sie ein großer Fürsprecher und ein gutes Vorbild. Als Schulschwester von unserer lieben Frau zog Schwester Pauline wieder aus der Kirche aus. Dann begann für sie das zweijährige Noviziat - das Einüben in das Ordensleben.

Das Klosterleben

"Ein Leben im Kloster ist eine große Umstellung. Als Ordensfrau führt man ein klar strukturiertes Gebetsleben", sagt Schwester Pauline. "Das kann einem auch helfen. So bekommen weltliche Dinge wie Ausgehen und Freunde treffen eine andere Wichtigkeit." Auch den Kontakt zu Familie und Freunden musste sie nach dem Eintritt ins Kloster viel mehr einschränken. Zwar dürfe sie Besuch empfangen oder Heimaturlaub machen, aber jede Begegnung soll auch tiefer führen.

Im Noviziat ist es auch wichtig, die Rekreation, die Erholungszeit, wahrzunehmen. Die Novizinnen treffen sich jeden Abend, reden oder schauen gemeinsam einen Film. "Wir sind wie eine Familie, die zusammenhält. Wir haben ja auch die gleichen Ziele. Das vereint und hilft", sagt die Novizin.

Wie eine Ehe mit Gott

"Das Gebet steht bei uns an oberster Stelle. Es bedeutet, die Beziehung mit Gott zu pflegen", sagt die Novizin. Sie vergleicht es mit einer Ehe. "Wie man mit dem Ehepartner redet, sollte ich mich auch Gott mitteilen. Dazu ist bei uns das Gebet da." Wie die Ehe ist es eine Lebensentscheidung. "Manchmal gibt es trockene Zeiten, das ist in der Ehe genauso. Aber man hat sich das Versprechen gegeben, auch schwere Zeiten durchzustehen und aneinander festzuhalten." Das Klosterleben aufgeben, wenn mal eine Krise kommt, ist für Schwester Pauline deshalb keine Option.

Markus Bäumler hat sich zu einem Leben im Kloster entschieden

Erbendorf
Hintergrund:

Die Ordensausbildung

  • Während der Kandidatur darf die Kandidatin das Kloster und die Gemeinschaft unverbindlich kennenlernen.
  • Das Postulat beginnt mindestens ein halbes Jahr vor der Einkleidung und dem Noviziat. In dieser Zeit wohnen die Frauen im Mutterhaus und lernen die Gemeinschaft kennen.
  • Das zweijährige Noviziat ist die Einübung ins Ordensleben. Die Novizinnen haben täglich Lesungen bei der Novizenmeisterin, extra Zeit für das Gebet und eine Lernstunde, um die Themen zu vertiefen.
  • Am Ende des Noviziats versprechen die Schwestern bei der Ewigen Profess Armut, Keuschheit und Gehorsam für drei Jahre und erhalten den schwarzen Schleier. Diese Zeitspanne wird auch Juniorat genannt.
  • Nach drei Jahren legt die Jungprofessin das ewige Gelübde ab. Dabei bekommt die Ordensschwester dann einen Ring, der wie der Ehering ein Zeichen der ewigen Treue sein soll.

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