02.06.2021 - 07:54 Uhr
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Durch Corona auf den Geschmack gekommen

Hat es ihn früher beim Whisyk-Trinken regelrecht geschüttelt, ist Tobias Gräf in der Pandemie zum Liebhaber der Spirituosen geworden. Seine überstandene Corona-Infektion hat ihm dabei geholfen, wieder bewusst zu genießen.

Jahrelang gereifter Whisky besitzt eine enorme Geschmacksvielfalt - um sie voll genießen zu können, ist aber etwas Erfahrung nötig.
von Tobias Gräf Kontakt Profil

In der Corona-Pandemie wird langsam Licht am Ende des Tunnels sichtbar. Klar, Zeit wird´s auch. Doch selbst wenn wir das Virus demnächst weitgehend überstanden haben dürften – manches aus dieser Zeit wird bleiben. Und das muss gar nicht immer schlecht sein. In meinem Fall ist es die neu gewonnenen Wertschätzung für einen edlen Tropfen – nämlich Whisky.

In 15 Monaten Pandemie mit Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen, geschlossenen Restaurants und ausgefallenen Festen ist mir das klassische Feierabend-Seidl schnell zum Hals herausgehangen. Wenn es sonst schon keine Abwechslung gab, sollten zumindest kulinarische Alternativen her. Die habe ich im Whisky-Regal gefunden. Hat es mich früher beim Konsum der Spirituose regelrecht geschüttelt, weiß ich den feinen Schluck inzwischen sehr zu schätzen. Natürlich geht es dabei nicht um besinnungsloses Besaufen, sondern um bewusstes Genießen.

Milder Whisky aus der Speyside

Die Wintermonate habe ich genutzt, um mich intensiver mit Whisky zu beschäftigen. Zu sagen, dass ich mittlerweile zum Sommelier aufgestiegen bin, wäre gewaltig übertrieben. Aber den Unterschied zwischen einem Blended Whisky und einem Single Malt habe ich mittlerweile drauf. Youtube-Kanäle aller wichtigen Whisky-Verkoster kenne ich längst. Und dass aus der schottischen Speyside-Region die feinen, eher milden Tropfen kommen und die Atlantik-Insel Islay für ihre Produkte mit besonders kräftigem Rauch- und Torf-Aroma bekannt ist, weiß ich ebenfalls. Die Unterschiede sind oft ähnlich gewaltig wie zwischen irischen, kanadischen und schottischen Whiskys – letztere sind eindeutig die besten. Sage zumindest ich.

Enorme Geschmacksvielfalt

Das „Wasser des Lebens“, wie die hochprozentigen Getränke auch genannt werden, ist natürlich nur was für besondere Anlässe oder zum Genießen mit guten Freunden. Gut sollten sie auch sein, denn bei Preisen zwischen 60 und 120 Euro für einen 18-jährigen Whisky schenke ich die meist schön bernsteinfarben schimmernden Spirituosen nicht jedem Gast ein. Doch der Preis zahlt sich aus: Schon kleinste Tropfen entfalten eine enorme Geschmacksvielfalt. Das weiß gerade ich, der im Januar eine Corona-Infektion überstanden hat, inzwischen sehr zu schätzen. Zwei Wochen lang habe ich in dieser Zeit gar nichts mehr geschmeckt. Mein Bewusstsein für besondere Getränke hat diese Erfahrung deshalb nur gestärkt. Anders ausgedrückt könnte man sagen: Durch Corona bin ich auf den Geschmack gekommen.

Kollege Wolfgang Ruppert ist immer auf der Suche nach einem neuen Instrument

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In der Kolumne "OTon" schreiben junge Mitarbeiter von Oberpfalz-Medien über das, was ihnen im Alltag begegnet. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie sie die jungen Leute tagtäglich für die Leser aufbereiten, sondern um ganz persönliche Geschichten und Meinungen.

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