03.09.2020 - 14:42 Uhr
OTon

Erinnerungen aus 13 Jahren in einer Schachtel

13 Jahre lang war Eva-Maria Hinterberger in ihrem Auto auf den Straßen unterwegs. Eine lange Zeit, in der sich in diesem Auto viel ansammeln kann. Was genau sie alles beim Ausräumen gefunden hat, erzählt sie im neuen OTon.

So schlimm sah es im Auto von Eva-Maria Hinterberger zwar nicht aus, längst vergessene Dinge hat sie dort trotzdem gefunden.
von Eva-Maria Hinterberger Kontakt Profil

Es ist so weit. Nach 13 Jahren und 122 000 gemeinsam gefahrenen Kilometern gehen wir getrennte Wege. Tschüss Michi, Tschüss graue A-Klasse, die von hinten aussieht, wie ein Elefantenarsch. Danke, dass du mich (fast) immer sicher von einem Ort zum anderen gebracht hast. Bevor aber jeder seinen Weg geht, muss ich die Karre ausräumen. Und das ist wie eine Reise in die Vergangenheit. Am Ende stehe ich vor einer Schachtel voll mit Erinnerungen.

Ganz oben liegt die grellbunt gestreifte Decke. WM 2006. Public Viewing. Alle Plätze in der Beachbar waren besetzt. Um nicht im Sand zu sitzen, haben wir spontan diese Decke gekauft. Seitdem wohnt sie in meinem Auto - ist von einem Kofferraum in den nächsten gezogen. Brandlöcher zeugen von zahlreichen Festivals und Lagerfeuerabenden. Ich spendiere ihr eine Runde in der Waschmaschine und dann kommt sie ins neue Auto.

Darunter liegt die Hawaiikette in Deutschland-Farben. Ich tippe auf die EM 2008. Nach Wochen am Innenspiegel hat das Ding wohl viele Jahre im hintersten Eck des Handschuhfaches verbracht. Weg damit. Ebenfalls im Müll landet der Einweg-Alkoholtest, der längst abgelaufen ist. Herbst 2016. Ich musste dringend raus. Raus aus dem Alltag, raus aus der Oberpfalz. Mit Freundinnen ging es spontan nach Paris ins Disneyland. Es war ein wunderschöner Urlaub, der mit sofort ins Gedächtnis kommt, als ich den Alkoholtest finde, der in Frankreich im Auto Pflicht ist. Gebraucht haben wir ihn natürlich nicht.

Und dann ganz unten in der Kiste liegt er. Der Backstage-Pass vom Geburstagsfest des österreichischen Radiosenders FM5 in Baumgartenberg im Januar 2010. Es war der 22. Geburtstag einer meiner engsten Freundinnen. Gespielt hat die Augsburger Indiepop-Band Anajo, die wir schon einige Jahre von zahlreichen Konzerten kannten. Gefeiert haben wir erst vor der Bühne, dann dahinter. Damit wir nicht jedes Mal, wenn wir aufs Klo mussten, wieder mit der Security diskutieren mussten, dass wir zurück dürfen, haben uns die Bandmitglieder ihre Pässe gegeben. Ab diesem Tag hing einer davon am Rückspiegel meines Autos. Die Schrift ist längst verblasst. Aber das ist egal. Jedes Mal, wenn ich in den Spiegel geschaut habe, musste ich an viele Jahre mit tollen Konzerten, wunderbaren Menschen und tausenden gefahrenen Kilometern denken.

Aber das ist Vergangenheit. Trotzdem bringe ich es nicht übers Herz, den Pass wegzuwerfen. Er landet in der Kiste mit meinen Konzertkarten.

Das Auto ist leer. Tschüss Michi, Ich hoffe, du findest einen neuen Besitzer und wirst kein Metallwürfel. Hallo neues Auto. Hallo neue Abenteuer.

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Weiden in der Oberpfalz
Info:

OTon

Wir sind junge Mitarbeiter der Oberpfalz-Medien. In unserer Kolumne "OTon" schreiben wir einmal in der Woche über das, was uns im Alltag begegnet - was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen.

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