28.01.2021 - 06:52 Uhr
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Facebook oder das böse Lachen

Wer möchte, der kann Facebook nutzen, um informiert zu bleiben. Für Florian Bindl ist die Seite eine wichtige Nachrichtenquelle. Wären da nicht die Horden an Lachsmileys, die manch böswilliger Nutzer unter Beiträge platziert.

Lachen ist gesund, allerdings taucht auf Facebook immer häufiger das böse Lachen auf.
von Florian Bindl Kontakt Profil

Ich lache gerne. Lachen ist gesund. Und wer fröhlich ist, dessen Weg zum Glück ist eben. Auch gegen Soziale Medien habe ich ganz persönlich nichts einzuwenden. Facebook nutze ich seit 2010, WhatsApp seit 2013, Instagram seit 2016. Alle drei machen mir Spaß, wenn ich auch sicher nicht zu den aktivsten Nutzern zähle. Posts setze ich höchstens einmal pro Monat ab. Für mich geht es gerade auf Facebook in erster Linie um Information. Ich lese und scrolle und lese und scrolle. Was mich in letzter Zeit aber immer wieder stört, ja schon fast zornig macht: dieser vermaledeite Lach-Smiley.

Für all diejenigen, die Facebook nicht nutzen: Die Seite bietet eine begrenzte Anzahl an Emojis (Smileys, ob sie nun lächeln oder nicht) an. Mit ihnen kann der Leser auf Beiträge reagieren. Nutzer können also ausdrücken, welches Gefühl ein bestimmter Post in ihnen auslöst. Das ist ja auch in Ordnung. Vom Daumen hoch über ein Herz bis zum zornesroten Wüterich ist alles dabei. Am schlimmsten aber ist eben dieses unscheinbare, gelbe, Tränen lachende Ekel. Der Lach-Smiley. Er wird missbraucht. Ständig. Völlig egal um welches Thema es geht. Ein paar Beispiele: Ein Bericht über die Corona-Infektionszahlen in einem Landkreis. Es geht auch um Todesfälle in Krankenhäusern und Pflegeheimen. 13 Lachsmileys. Eine Analyse zu den Folgen des Klimawandels. 47 Lachsmileys. Ein Kommentar zur Krise des FC Schalke 04. 106 Lachsmileys. Gut, beim letzten Text musste ich auch etwas schmunzeln, aber darum geht es nicht. Es geht um das böse Lachen.

Wer dreist genug ist, der kann mit einem einzigen faulen Klick eine ganze Partei, Bewegung, einen Verein oder eine Minderheit lächerlich machen. Der kann ohne auch nur ein Wort zu sagen, ohne das geringste zu sagen zu haben, aufstacheln und hetzen. Es vergeht kein Tag mehr für mich, an dem ich nicht durch Facebook scrolle und mir dieses hämische Gesicht entgegengrinst. Ich schaue mir dann manchmal die Profile der Lach-Klicker an und frage mich, ob ihnen wirklich zum Lachen zumute ist. Oder ob sie sich das Lachen nicht vielmehr wie einen Schleier vors Gesicht schieben, um unangenehme Wahrheiten nicht sehen zu müssen.

Tatsächlich verbringe ich seit der Corona-Pandemie mehr und mehr Zeit auf Instagram. Dort gibt es nur eine mögliche Reaktion. Ein Herz. Klar, wer will, der kann auf Instagram genauso bösartige und feindselige Kommentare schreiben. Aber den meisten Lachsäcken ist das ohnehin zu viel Aufwand.

Miriam Wittich berichtet von ihrer Lauf-Leidenschaft

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Hintergrund :

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In der Kolumne „OTon“ schreiben junge Mitarbeiter von Oberpfalz-Medien über das, was ihnen im Alltag begegnet. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie sie die jungen Leute tagtäglich für die Leser aufbereiten, sondern um ganz persönliche Geschichten und Meinungen.

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