21.03.2019 - 16:47 Uhr
OTon

Forever Young: Der Fluch des jugendlichen Aussehens

Unser Autor wird oft für jünger gehalten, als er ist. Das war kein Problem, bis eine Verkäuferin beim Kauf eines Films ab 16 seinen Ausweis sehen wollte. Im neuen OTon sinniert Julian Trager übers Alter - und was ihm helfen könnte.

Der Schnauzer macht's nicht wirklich besser: Joshua Kimmich, deutscher Fußball-Nationalspieler, wird ständig für jünger gehalten, als er ist. Unserem Autor geht das genauso, nur auf den Bart verzichtet er - aus Gründen.
von Julian Trager Kontakt Profil

Ich habe das, was sich viele Hollywood-Stars wünschen: jugendliches Aussehen. Cool? Geht so. In einem Jahr werde ich 30. Manche Menschen meinen aber, dass ich deutlich jünger bin. Deutlich. Letztens, beim Kauf einer Blu-Ray, FSK 16: „Ausweis, bitte.“ Ein Satz, den ich früher öfter gehört habe. Früher, aber heute? Ich, 15 Jahre alt? Echt jetzt? „Nehmen Sie‘s als Kompliment“, sagte die Verkäuferin als sie meinen Perso begutachtete. Ich grinste, insgeheim verfluchte ich die gute Frau. Ohne weiteren Kommentar verschwand ich – da ich keine Lust hatte, so zu reagieren wie eine 20-Jährige aus Augsburg, die ausrastete und Polizisten beschimpfte, weil sie beim Kauf einer Dose Bier ihren Ausweis herzeigen musste.

Ja, das Alter kann eine gefährliche Sache sein, ein Reizthema. Die Frage „Wie alt schätzt du mich?“ kann einen bis dahin gut laufenden Flirt schnell beenden. Schnell zur Lachnummer machen sich die, die seit Jahren ihren „29.“ Geburtstag feiern – weil ja jeder Gast weiß, dass das Geburtstagskind 38 geworden ist. Auch nicht besser: Die Botox-Fraktion, die sich jung und schön spritzen lässt – und danach vor allem fürs Gruselkabinett gebucht werden kann.

Zurück zu mir. Was kann ich gegen mein Problem tun? Einen Bart wachsen lassen bringt wenig. Ich soll ja älter wirken, nicht lächerlicher (siehe Joshua Kimmich). Wenn ich mich mehrere Tage nicht rasiere, erinnern die Stoppel eher an ein abgeerntetes Maisfeld als an einen Bart. Dann vielleicht doch lieber übertrieben über die eigene Jugend reden. „Mann, war der Film ‚Flubber‘ lustig! Und erst die tollen Lieder von Tic Tac Toe!“ Da höre ich allerdings schon mein inneres Ich rebellieren: „Du tickst ja wohl nicht richtig!“ Bleibt nur das Outfit der Alte-Lehrer-Generation: Cordhose und Sakko mit Lederflicken auf den Ellenbogen. Schmarrn, macht mich zu alt. Also: Cool bleiben und abwarten. Meine Friseurin hat bereits die ersten grauen Haare auf meinem Kopf entdeckt.

OTon:

Wir sind junge Mitarbeiter der Oberpfalz-Medien. In unserer Kolumne „OTon“ schreiben wir einmal in der Woche über das, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen. Alle Teile dieser Kolumne sind zu finden unter onetz.de/oton.

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