Kinder haben ja oftmals berufliche Vorbilder, die sie aus dem Fernsehen kennen. Klar, Bob den Baumeister, eine unbestrittene Koryphäe seines Fachs. Auch an Prinzessinnen und Piraten mangelte es – zumindest in meiner Kindheit – nicht. Und für all die, denen der Beruf des Journalisten spannend erscheint, ist Carla Columna, die rasende Reporterin aus Benjamin Blümchen und Bibi Blocksberg, eine prägende Figur. Jetzt arbeite ich zwar als Journalist, mit der Reporterin auf ihrem Mofa habe ich trotzdem wenig gemein. Ein Carlo Columno wird wohl nicht mehr aus mir. Denn: Ich habe keinen Führerschein. Hatte noch nie einen und werde auch nie auf einem Fahrersitz Platz nehmen dürfen.
Seit meiner Geburt leide ich an einer Sehbehinderung mit dem kryptischen Namen Nystagmus. Kurz gefasst bedeutet das, dass meine Augen wegen eines Zitterns der Pupillen nie gelernt haben, richtig scharf zu stellen. Man könnte sagen, der Autofokus ist defekt, irreparabel. Daraus folgt eine Sehschwäche, die keine Brille korrigieren kann. Für eine Fahrerlaubnis reicht das nicht, nicht einmal Radfahren darf ich, heißt es.
Als Kind war das für mich eher nebensächlich, höchstens eine dumpfe Vorahnung, deren Konsequenzen ich nicht einschätzen konnte. Heute ist es freilich anders. Die Oberpfalz ist nun wahrlich kein Paradies für diejenigen, die auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sind. Wenn andere dieselbe Strecke in zehn Minuten zurücklegen, bin ich eine halbe Stunde (ohne den Fußweg zur Haltestelle) mit dem Bus unterwegs – vorausgesetzt es fährt einer. An Wochenenden? Ausgeschlossen. Auf Schienen sieht es nicht eben besser aus. Tief im Oberpfälzer Wald ist der nächste Bahnhof ohne Auto kaum zu erreichen. Immerhin: „Fahrer machen“ muss ich nie. Wenn es um Abendveranstaltungen geht, bin ich auf meine Freunde angewiesen. Wer nimmt mich mit? Wer macht den Umweg? Meistens muss ich aber gar nicht mehr selbst fragen, sondern werde zum Mitfahren eingeladen. Das ist nicht selbstverständlich. An dieser schmalen Stelle meinen ehrlichen und tief empfundenen Dank, Jungs!
Für den täglichen Weg zur Arbeit hilft mir das wenig. Ohne Wohnung am Arbeitsort wäre ich aufgeschmissen. Aber: Ein Mofa Modell „Carla“ wäre gar nicht zweckdienlich. Meinen Fußweg von zwei Minuten zwischen Verlag und Wohnung kann ich gerade noch per pedes zurücklegen. Zu Fuß gehen darf ich übrigens. Vielleicht sollten wir mit den Dingen zufrieden sein, die wir können und haben, und uns weniger ob derer grämen, die uns fehlen. Eine Binsenweisheit, deren Wahrheitsgehalt ich Schritt für Schritt erkenne.
OTon
Wir sind junge Mitarbeiter der Oberpfalz-Medien. In unserer Kolumne "OTon" schreiben wir einmal in der Woche über das, was uns im Alltag begegnet - was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen.















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