19.11.2020 - 13:22 Uhr
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Keine Drei im Weggla am Christkindlesmarkt

Eine liebgewonnene Tradition zu Heilig Abend droht in der Familie von Stephanie Wilcke zum ersten Mal gebrochen zu werden. Wegen des blöden Coronavirus. Jetzt heißt es, kreativ zu werden.

Heiliger Abend und der Nürnberger Christkindlesmarkt: Das gehört für die Autorin untrennbar zusammen. Dieses Jahr fällt der beliebte Weihnachtsmarkt den Coronabeschränkungen zum Opfer.
von Stephanie Wilcke Kontakt Profil

Bei manchen sind es Wienerle mit Kartoffelsalat am Abend, vielleicht der Waldspaziergang am Nachmittag und wieder bei anderen kommen Oma und Opa zum Punsch mit selbst gebackenem Gewürzkuchen vorbei: Jede Familie hat so ihre ganz eigenen Rituale, den Heiligen Abend zu verbringen. Das ist jedes Jahr so, und alle wissen genau, wie dieser besondere Tag verbracht wird.

Seit ich denken kann, besuche ich mit meiner Familie am Heiligabend vormittags den Nürnberger Christkindlesmarkt. Die Touristen aus Asien und den USA sind abgereist, der Markt ist deutlich leerer als sonst, die Händler haben jetzt Zeit, um ein bisschen zu plaudern. Sie schenken uns gern ein Lächeln, wenn sie langsam ihre Waren einpacken. Jedermann freut sich, nach den anstrengenden Adventswochen nach Hause zu fahren. Denn dann beginnt auch für sie das Weihnachtsfest.

Bratwurst-Semmel und Glühwein zum Männleinlaufen

Es liegt zum letzten Mal in diesem Jahr am Hauptmarkt ein Duft von gebrannten Mandeln in der Luft, zum letzten Mal tauchen die Süßwarenhändler ihre Obstspieße in flüssige Schokolade. Pünktlich um 12 Uhr genießen wir eine Bratwurst-Semmel und den heißen Glühwein von einem Punkt aus, wo sich das Männleinlaufen der Frauenkirche gut beobachten lässt. Die sieben Kurfürsten grüßen bei ihrem Rundgang in luftiger (Turm-)Höhe den Kaiser. Hunderte Male habe ich das schon gesehen, an Weihnachten ist es aber besonders schön.

Viele Freunde und Verwandte haben sich im Laufe der Jahre die Tradition abgeschaut. Daher tauscht man am Schönen Brunnen Geschenke und Weihnachtsgrüße aus - das spart Besuchsstress an den darauffolgenden Feiertagen.

Absage des weltberühmten Weihnachtsmarkts

Heuer steht alles Kopf. Der weltberühmte Weihnachtsmarkt fällt den Coronabeschränkungen zum Opfer. Es muss ein wirklich schwerer Entschluss für den Nürnberger Oberbürgermeister gewesen sein, den Christkindlesmarkt abzusagen.

Steigende Coronazahlen: Nürnberg sagt Christkindlesmarkt ade

Nürnberg

Und für mich erst. Diese Entscheidung hat mich richtig traurig gemacht. Wie verbringen wir jetzt Weihnachten? Schmeißen wir nun selbst draußen im Garten die Bratwürste auf den Grill und laufen im Kreis, um dem Kaiser zu huldigen? Während Papa die Knuspermandeln aus der Pfanne holt und Mama das Obst in weißer Schokolade schwimmen lässt? Es wird wohl so sein, denn wegen Corona pfeif ich bestimmt nicht auf eine liebgewonnene Weihnachtstradition. Nicht einmal, wenn alles Kopf steht.

Was Susanne Forster mit ihren Fotos vorhat, darüber schreibt sie im OTon

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Wir sind junge Mitarbeiter der Oberpfalz-Medien. In unserer Kolumne "OTon" schreiben wir einmal in der Woche über das, was uns im Alltag begegnet - was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen.

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