17.09.2020 - 08:00 Uhr
OTon

Lieber Ravioli auf dem Campingplatz

Reise-Schnäppchen aus dem Internet überfordern Volontärin Kathrin Moch manchmal. Warum sie lieber Dosenravioli auf dem Campingplatz isst und auf das Blogger-Dasein verzichtet, erzählt sie in der OTon-Kolumne.

Urlaubsbilder in sozialen Medien wecken bei Volontärin Kathrin Moch die Reiselust – und schüren manchmal auch ein wenig Frust.
von Kathrin Moch Kontakt Profil

Chalet in Südtirol. Teppich vor dem Kamin und Badefass auf dem Balkon. 190 Euro die Nacht. Super Schnäppchen. Steht zumindest drunter. Während ich mein Handy zur Seite lege, höre ich aus meiner Tasche meinen Geldbeutel lachen, der eher für den 19-Euro-Campingplatz am Gardasee plädiert. Warum ist das mit der Urlaubsplanung eigentlich manchmal so anstrengend? Ist es wirklich nur die Unvereinbarkeit zwischen finanziellen Möglichkeiten und meinem dringenden inneren Bedürfnis nach einem 24-Stunden-Buffet am Privatpool? Vielleicht. Immerhin: In diesem Jahr ist mein Entscheiungsproblem durch Corona geringer als sonst. Wenigstens eine gute Sache, die man dem Virus abgewinnen kann.

Flut an Möglichkeiten

Als ich weiter durch Instagram scrolle, dämmert es mir, dass meine anstrengende Urlaubsplanung auch an etwas anderem liegen könnte. An der Flut an Möglichkeiten, die mich dank oder wegen des ständigen Teilens aller Urlaubseindrücke in den sozialen Medien überrollt. Safari durch Südafrika, Bootsausflug in Thailand, Roadtrip durch Amerika. Meine Dosenravioli am Campingplatz erscheinen mir da doch sehr „basic“, um es im Social-Media-Jargon zu sagen. Vielleicht sollte ich mir das mit dem Travelblogger-Dasein nochmal überlegen. So ein Cocktail an der Cote d’Azur in der Mittagspause ist doch irgendwie verlockend – im Gegensatz zum Kaffee aus dem Automaten.

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Doch das Einzige, was ich mit einem Travelblogger gemeinsame habe, ist die Anzahl der Urlaubs-Schnäppchen-Jäger-Seiten, die ich abonniert habe. Ansonsten vergesse ich ständig Fotos von besonderen Dingen oder Momenten zu machen, verwackle die Bilder furchtbar, fokussiere nicht oder lasse mein Handy irgendwo liegen. Geschweige denn, dass ich Lust darauf hätte, mich im Internet von irgendwelchen Pappnasen bewerten zu lassen. Nicht gerade die besten Voraussetzungen für eine steile Karriere als Influencerin.

Erinnerungen mit den Lieblingsmenschen

Je länger ich darüber nachdenke, desto klarer wird mir, dass es wahrscheinlich gar nicht so toll ist, um die Welt zu reisen und dabei ständig „content“ produzieren zu müssen. Die schönsten Strände, Berge und Sonnenuntergänge dieser Welt immer nur durch die Linse einer Kamera oder den Bildschirm eines Handy zu sehen? Lebensgefährliche Verrenkungen an einer Klippe zu machen, nur um das beste Bild und die meisten Likes zu kriegen? Nein, danke. Manchmal verliert man in dem Meer an Möglichkeiten, das einem die sozialen Medien vorgaukeln den Blick fürs Wesentliche: Emotionen und Erinnerungen mit den Lieblingsmenschen. Dann nehme ich doch lieber die Ravioli auf dem Campingplatz.

INFO:

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Wir sind junge Mitarbeiter der Oberpfalz-Medien. In unserer Kolumne "OTon" schreiben wir einmal in der Woche über das, was uns im Alltag begegnet - was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen.

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