16.09.2021 - 11:59 Uhr
OTon

Mach's gut, "kleiner Blauer"

Veränderungen sind nie leicht. Im aktuellen OTon nimmt Wolfgang Ruppert Abschied von seinem ersten Auto. Ein bisschen Wehmut, auch wenn es längst überfällig war.

Ein Unfall, und vorbei war es mit dem ersten Auto von Wolfgang Ruppert.
von Wolfgang Ruppert Kontakt Profil

Mein erstes Auto war ein VW Golf. Ich habe ihn geliebt. Blau, unscheinbar, ein Fahrzeug, auf das ich mich einfach immer verlassen konnte, ohne dass er groß Aufmerksamkeit erregt hätte. Zehn Jahre habe ich nur vor die Türe gehen müssen, um Sachen zu erledigen, die mich zu Fuß Stunden gekostet hätten. Einsteigen, hinfahren, zack, fertig. Ein blöder und wirklich unnötiger Unfall vor ein paar Wochen hat dazu geführt, dass mein "kleiner Blauer" nun Geschichte ist, auch wenn er erst jungfräuliche 300.000 Kilometer auf dem Buckel hatte. Wirtschaftlicher Totalschaden, das war das erste, was mir gesagt wurde, als ich in die Werkstatt gefahren bin, um den Schaden begutachten zu lassen. Glücklicherweise war ich nicht schuld an dem Missgeschick und habe so zumindest noch ein bisschen Geld für den alten, aber heißgeliebten Karren bekommen.

So nebenbei: Wie das immer so ist, geht nicht nur eine Sache kaputt, wenn es mal anfängt. Kurz nach dem Unfall: Laptop im Eimer, Handy auch. Aber sei es drum.

Mittlerweile haben wir ein neues Auto, das wirklich großartig ist. Modern, groß, verbrauchsarm und eigentlich einfach cool - plus Neuwagengeruch. Trotzdem fehlt mir mein kleines blaues Auto. Zugegeben, es war echt fertig. Hinten war ein Rostloch drin, das so groß war, dass man durchlangen konnte. Innen war es dreckig, abgenutzt und der Geruch war ungefähr so, als wäre was unter der doch recht durchgewetzten Fußmatte gestorben.

Aber manchmal ist es halt einfach so, dass man Erinnerungen mit Gegenständen verbindet, mit denen sie eigentlich gar nichts zu tun haben. Für mich stand das alte Auto für die unzähligen Fahrten an die Uni - mit oder ohne Freunde im Gepäck. Von Fahrten auf Konzerte ganz zu schweigen. Es hat mich an das Gefühl erinnert, das erste Mal im Leben überall schnell hinkommen zu können, ohne jemanden bitten zu müssen, mich dort hinzubringen. Manchmal habe ich mich gewundert, was die Fußmatte im Beifahrerraum alles mitgemacht hat. Bier, Blut, Schweiß, Kotze und Tränen - da wirkt die angebliche Saugkraft mancher namhafter Küchenpapierhersteller wie ein schlechter Scherz dagegen.

Dass ich das Auto aber letztendlich zu Schrott gefahren habe, hat auch seine positiven Seiten. Ich habe sehr schnell festgestellt, dass die Erinnerungen, die ich an früher habe, nicht mit dem Fahrzeug in die Metallpresse gewandert sind. Es ist sogar ziemlich lächerlich, so was an Materiellem festhalten zu wollen. Und trotzdem: Sie wird mir schon sehr fehlen, meine abgerockte, stinkige, rostige Schrottkarre.

Lesen Sie hier den OTon von Florian Bindl, der auch Probleme mit dem Verkehr hat

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Hintergrund:

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Wir sind junge Mitarbeiter der Oberpfalz-Medien. In unserer Kolumne „OTon“ schreiben wir einmal in der Woche über das, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen. Alle Teile dieser Kolumne sind zu finden unter onetz.de/oton.

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