09.09.2021 - 00:01 Uhr
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Achtung, Ihr Zug fällt leider aus!

Der Bahnstreik traf Kolumnist Florian Bindl im Ostsee-Urlaub. Einen Zug in die Oberpfälzer Heimat gab es nicht. Wie die Rückreise verlaufen ist, wieso Zynismus nicht immer hilft und was die Toilette eines Berliner ZOB damit zu tun hat.

Einzige Alternative, um zurück in die Oberpfalz zu kommen, war für Florian Bindl eine Nachtfahrt mit dem Flixbus. Schuld war der Bahnstreik.
von Florian Bindl Kontakt Profil

Bahnfahren ist ein bisschen wie Russisch Roulette auf Schienen. Kann gutgehen, kann aber auch ordentlich schiefgehen. Und je länger die Strecke, desto größer die Gefahr. Vor gut einer Woche habe ich mit drei Freunden den ersten Urlaub seit der Pandemie gewagt. Timmendorfer Strand, Ostsee, Trip nach Hamburg. 490 Kilometer Luftlinie von Weiden. Mit dem Zug. Ergo: hohes Gefahrenpotenzial. Die Deutsche Bahn ist nunmal die Deutsche Bahn. Züge pflegen zu spät, nur in halber Länge oder eben gar nicht zu fahren. Die Hinfahrt verlief für Bahn-Verhältnisse glänzend.

Damit wir uns nicht falsch verstehen, ich fahre sehr gern Bahn. Ich finde es sogar entspannend. Aber je mehr man diese Deutsche Bahn beansprucht, desto mehr flüchtet man sich in Zynismus, wenn sie ihr Klischee erfüllt. Natürlich hatten wir von den zwei Bahnstreiks Anfang und Mitte August gehört, hatten innerlich gejubelt, dem Chaos von der Schippe gesprungen zu sein, genau die richtige Zeit für die Reise erwischt zu haben. Glück im Russisch Roulette.

Leider nur vorerst. Wir waren gerade in Hamburg unterwegs, als mein Handy vibrierte. Bang! Bahnstreik! Fünf Tage lang. Unsere Rückfahrt würde zweifellos betroffen sein. Wir beschlossen, entspannt zu bleiben, und gönnten uns ein paar Bier auf der Reeperbahn. Bar-Abend statt Bahn-Ärger.

Am Freitag, dem Tag vor unserer Rückreise, war klar: Es würde keinen Zug geben, der uns zurück in die Oberpfalz bringt. Wir brauchten eine Alternative und zwar dringend. Fliegen? Extrem teuer. Und wie kämen wir ohne Zug nach Hamburg? Mietwagen bis Weiden? Möglich. Aber ehe wir unsere Buchung abschließen konnten, war das letzte Angebot weg. Die Optionen schmolzen dahin wie Eis am Strand. Also doch Flixbus. 14 Stunden Fahrt über Nacht von Lübeck nach Nürnberg mit Umstieg in Berlin. Schlafen mit Maske. Klingt nach jeder Menge guter Laune (Zynismus), Schweiß und Schlafmangel. Ist es auch.

Drei Erkenntnisse. Wer sich schonmal nachts auf der Toilette eines Großstadt-ZOB aufgehalten hat, der weiß, lieber ins Gebüsch. Zweitens: Kehliges Husten eines Mitfahrers im Zehn-Minuten-Takt ist nicht schlaffördernd. Drittens: Im Bus hinten zu sitzen ist tagsüber cool. Nachts fühlt sich selbst Flüsterasphalt an wie ein Schotterweg mit Schlaglöchern.

Die DB hat mir mittlerweile geschrieben. Sie sagt, unser Zug falle leider aus, man suche derzeit nach Alternativen. Auch die Bahn spricht fließend Zynismus.

Redakteurin Miriam Wittich sagt dem Fußball Adieu

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Hintergrund :

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Wir sind junge Mitarbeiter der Oberpfalz-Medien. In unserer Kolumne „OTon“ schreiben wir einmal in der Woche über das, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen. Alle Teile dieser Kolumne sind zu finden unter onetz.de/oton.

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