01.09.2021 - 23:59 Uhr
OTon

Geprägt vom Wir-Gefühl

Mehr als die Hälfte ihres Lebens hat Kollegin Miriam Wittich Fußball gespielt, das ist nun vorbei. Neben Traurigkeit verspürt sie auch große Dankbarkeit. Denn der Mannschaftssport hat großen Anteil daran, wer sie heute ist.

Autorin Miriam Wittich ist froh, dass sie als Teenagerin mit Mannschaftssport begonnen hat. Aus der von Zusammenhalt geprägten Zeit nimmt sie viele Erlebnisse und Freunde mit.
von Miriam Wittich Kontakt Profil

OTöne hab ich schon einige geschrieben. Ich erinnere mich gar nicht mehr an alle Themen. An eine meiner Kolumnen aber musste ich nun denken. „Nie ohne mein Team“ – diesen Titel trug der Text. Erschienen ist er im Dezember 2018. Ich hatte zum Jahreswechsel darüber nachgedacht, wie viele Menschen mit dem Vorsatz starten, mehr Sport zu machen. Und wie viele schnell wieder aufgeben. Und darüber, wie sehr ich den Sport in der Gruppe liebe, wie glücklich mich meine Fußballmannschaft macht.

„Nie ohne mein Team“. Niemals – ein großes Wort. Klar, da hatte ich den Refrain eines Liedes im Kopf, und natürlich wusste ich, dass es diese Ewigkeit nicht gibt. Doch jetzt, zweieinhalb Jahre später, ist das tatsächlich vorbei. Die Mannschaft abgemeldet, zu wenige Spielerinnen.

17 Jahre lang war der Fußball Teil von mir, mehr als die Hälfte meines Lebens. Und immer war es diese Mannschaft, in meinem Heimatverein. Natürlich sind Spielerinnen gewechselt, neue aufgetaucht. Von manchen weiß ich nicht mal mehr den Namen, andere werde ich nie vergessen. Trainer sind gekommen und gegangen. Doch das war immer mein Team. Und dem habe ich mich zugehörig gefühlt, egal ob ich 90 Minuten gespielt habe, 88 Minuten auf der Bank war oder an der Seitenlinie stand. Ob zu zweit oder mit 20 Leuten im Training.

Und dann hatten wir am Mittwoch unsere letzte Einheit. Wohl zum letzten Mal einen Ball mit Luft gesucht, ein stinkendes Leibchen angezogen und das Gras aus den Schuhen geklopft. Zeit, sie doch wieder zu verwenden: große Worte. Denn nirgends riecht frisch gemähter Rasen so gut wie auf dem Spielfeld, es gibt keine bessere Luft als im Training an einem Spätsommerabend und nix schmeckt so gut wie ein kaltes Radler nach dem Spiel unter der Dusche. Und sicher habe ich zu niemandem als meinen Mitspielerinnen öfter diese Worte gesagt: „Schaut’s den schönen Himmel an!“

Der Mannschaftssport hat meine Jugend und meinen Charakter geprägt. Denn wenn ein bunt gemischter Haufen aufeinander trifft, dann geht das mit viel Sozialkompetenz, Verantwortung und Teamgeist einher. Ich weiß, dass ich weniger Fußball an sich vermissen werde, als das Drumherum. Und trotz Tränen bin ich gerade dankbar. Für die Erinnerungen an wilde Kabinenpartys, lustige Gedichte bei Weihnachtsfeiern und Auswärtsfahrten. Für die Menschen, die ich kennenlernte. Besonders für die zwei Teamkameradinnen, die von Anfang bis Ende da waren. Dankbar dafür, dass ich mit meiner besten Freundin in unser allererstes Fußballtraining geradelt bin und wir auch im letzten zusammen vom Platz sind.

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Miriam Wittichs OTon aus dem Dezember 2018

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Hintergrund :

OTon

Wir sind junge Mitarbeiter der Oberpfalz-Medien. In unserer Kolumne „OTon“ schreiben wir einmal in der Woche über das, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen. Alle Teile dieser Kolumne sind zu finden unter onetz.de/oton.

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