26.08.2021 - 16:00 Uhr
OTon

Neuer Name, neues Glück?

Bei einer Hochzeit fällt die Wahl des Familiennamens häufig auf den Nachnamen des Mannes. Ein bisschen zu oft für heutige Verhältnisse, findet Autorin Kathrin Moch in ihrem OTon.

Viele Paare stehen bei der Hochzeit vor einer schwierigen Entscheidung: Seiner oder ihr Nachname?
von Kathrin Moch Kontakt Profil

In den vergangenen Jahren kam eine typische Aktivität der "um die 30-Jährigen" in meinem Umfeld immer häufiger vor: heiraten. Dabei fiel mir eine Sache besonders auf: Fast alle Frauen nehmen den Nachnamen ihres Mannes an. Ein Blick in eine Studie der Gesellschaft für deutsche Sprache aus dem Jahr 2018 bestätigte meine Wahrnehmung. 75 Prozent der Paare nahmen den Namen des Mannes an, nur sechs Prozent den der Frau.

Jetzt könnte man mir vorwerfen, dass ich nicht verheiratet bin und keine Ahnung von dem Thema habe. Ob ich jemals meinen Namen aufgebe? Ich weiß es nicht. Niemals würde ich schwören, es nicht zu tun. Aber ich würde es nicht gedankenlos tun, "weil man es schon immer so macht". Deshalb – und weil ich schließlich ein Thema für die Kolumne brauche – möchte ich ein paar Gedanken zu dem Thema teilen. Zunächst: Ich verstehe die romantische Idee eines gemeinsamen Familiennamens. Und das mit dem Klingelschild ist auch irgendwie leichter.

Von Ehereform und Namensketten

In Deutschland gehört es fast zur Norm, dass der Name des Mannes angenommen wird. Schließlich war es jahrzehntelang Gesetz. Erst ab 1976 seit der Ehereform ist es überhaupt möglich als gemeinsamen Familiennamen auch den der Frau zu bestimmen. Seit 1994 können Ehepartner bei ihren bisherigen Nachnamen bleiben. Immerhin: Namensketten, wie sie zum Beispiel die Forscherin Elisabeth Noelle-Neumann – die einst Noelle-Neumann-Maier-Leibnitz hieß – trug, sind nicht mehr möglich. Behält eine Frau ihren Namen, ist es aber auch heute noch sofort ein Gesprächsthema. Tut es der Mann, ist das nichts Besonderes.

An vielen Fronten, sei es solche mit den klangvollen Namen "MeToo" oder "Gender-Pay-Gap", kämpfen Frauen bis heute für Gleichberechtigung und gegen Unterdrückung. Nur um dann bei der Heirat einen Teil ihrer Identität in Form ihres Namens abzugeben? Vielleicht bewegt mich das Thema als Journalistin besonders, weil man uns sagt, wir müssten selbst ein Stück weit zur Marke werden. Eine Marke, mit der Leser (im Idealfall) Seriosität und verlässliche Informationen verbinden. Ändert sich der Name, verpufft möglicherweise aufgebautes Vertrauen.

Das trifft auch auf andere Berufe zu. Bei meiner Recherche für die Kolumne las ich den Kommentar einer Anwältin, die ihren Namen behalten hat. Ihre Begründung: "Hat mein Mann Jura studiert oder ich?" Auch Frauen feiern heutzutage Erfolge im Beruf, die Einfluss nehmen sollten auf die Entscheidung des Familiennamens. Es ist nicht mehr so wie 1976 in einem juristischen Kommentar stand, "dass der Frau ein Namenswechsel im Zweifel eher zumutbar wäre". Schließlich würden Frauen sowieso wegen der Kinder einige Jahre aus dem Beruf ausscheiden und im Durchschnitt weniger häufig hohe Positionen bekleiden.

Mehr Akzeptanz für die Vielfalt

Trotzdem sollte der berufliche Aspekt nicht der einzige sein, der entscheidet. Schließlich geht es hier um die Liebe. Um die Bindung zur Familie, um den Stammbaum, um den Klang des Namens, die Schreibweise und so weiter. Letztendlich ist es sowieso eine höchstpersönliche Entscheidung, die jedes Paar nur für sich treffen muss. Und genau darum geht es wohl: Auch bei der Namenswahl der Vielfalt mehr Akzeptanz zu schenken. Vielleicht würden dann auch mehr Frauen den Mut haben sich von alten Konventionen zu lösen.

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OTon

Wir sind junge Mitarbeiter der Oberpfalz-Medien. In unserer Kolumne „OTon“ schreiben wir einmal in der Woche über das, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen. Alle Teile dieser Kolumne sind zu finden unter onetz.de/oton.

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