19.09.2019 - 16:29 Uhr
NürnbergOTon

So grün geht Yoga

Die Idee ist so naheliegend wie (öko-)logisch: Zwei Frauen erfinden 2016 eine Yoga-Matte, die aus Müll hergestellt wird. Das war völlig neu in der Szene. Jetzt fehlt den hejhej-Mats-Gründerinnen Sophie und Anna nur noch die recycelte Tasche.

Sophie Zepnik (links) und Anna Souvignier hatten Ende 2016 die Idee zu einer nachhaltig produzierten Yogamatte. Jetzt gehen die beiden jungen Firmengründerinnen von hejhej-Mats einen weiteren Schritt: Sie wollen die dazu passende Tasche in Serie bringen - natürlich auch aus recyceltem Material.
von Stephanie Wilcke Kontakt Profil

Nach und nach verschwinden Plastiktüten aus den Supermärkten. Die junge Umweltaktivistin Greta Thunberg ist zur Primetime im Fernsehen präsent. Plastik- und Pappbecher für Cafe-to-go werden immer häufiger durch wiederverwendbare Keramikbecher ersetzt. Grün ist Trend – nicht nur bei den Bundestags- oder Kommunalwahlen.

In Nürnberg leben zwei junge Frauen, die sich mit dem Thema Nachhaltigkeit schon auseinandergesetzt haben, bevor freitags junge Menschen auf die Straße gegangen sind, um für einen Wandel in der Klima- und Umweltpolitik zu demonstrieren: Anna Souvignier (27) und Sophie Zepnik (26). „Endlich ist das Thema auch in Deutschland angekommen. Politik und Gesellschaft sprechen darüber“, sagt Anna. „Das macht uns Mut“, ergänzt Sophie.

Master für Nachhaltigkeitsmanagement in Schweden

Souvignier und Zepnik freundeten sich bei einem Austauschsemester während ihres Bachelorstudiums in Spanien an. Die gebürtige Allgäuerin Sophie und die Hamburgerin Anna gingen anschließend für ihr Masterstudium ins schwedische Malmö. Um Nachhaltigkeitsmanagement zu studieren, mussten sie ins Ausland, weil es in Deutschland nur eine Handvoll Unis gab, die das damals anbot. „In Schweden kann man das fast an jeder Hochschule studieren“, erinnert sich Souvignier. Generell hatten die beiden den Eindruck, dass in Skandinavien der Lebensstil schon lange darauf ausgerichtet ist, umweltschonender zu leben.

Bei einer Kunstausstellung in Göteborg, welche die beiden im November 2016 besucht hatten, fiel schließlich der Groschen. In einer Halle waren Hunderte Yogamatten ausgerollt – alle aus Plastik. Es fühlte sich wie ein Schlag an: „Ich dachte, uns sagt jemand: Ihr denkt, ihr Yogis seid so nachhaltig. Zu den Übungsstunden fahren wir mit dem Fahrrad, haben immer unsere eigene Trinkflasche dabei. Aber in Wirklichkeit üben wir auf einer Plastikmatte“, sagt Sophie. „Wir gingen mit dem Gefühl nach Hause: Lass uns recherchieren. Das muss man doch besser machen können.“ Die Idee war geboren. Die Erfolgsgeschichte von hejhej-Mats – schwedisch für „hallo“-Matten – nahm ihren Lauf.

Kostenlos zurückschicken

Ein Gründerstipendium der schwedischen Uni ermöglichte es den beiden nach dem Master, der Idee langsam Leben einzuhauchen. „Wir konnten Vollzeit an dem Projekt arbeiten“, sagt Anna. Mithilfe einer Crowdfunding-Aktion entstanden schließlich 2017 die ersten Matten.

Fünf Millimeter dick sind die Matten, erhältlich in den Farben schwarz und weiß. Auf der Matte selbst ist eine medizinisch konforme Membran angebracht, damit sie rutschfest ist. Das Spannende an der Matte liegt aber im Kern: Etwa eineinhalb Kilogramm Reste eines Schaumstoffes, der in der Industrie als Abfall gilt, ist zerkleinert und verpresst. Bis zu fünf Jahre lang kann man die Matte problemlos benutzen. Dann können sie die Kunden kostenlos zurückschicken. Aus dem wiederum zerkleinerten Material entstehen wieder neue Yoga-Unterlagen. „Wir verwenden 100 Prozent wieder“, garantiert Anna. So entsteht ein endloser Kreislauf, bei dem kein zusätzlicher Müll entsteht und „wir verbrauchen keine neuen Ressourcen“. Sophies Vision ist es, eine nachhaltige Zukunft mitzugestalten, in der die Gesellschaft in Einklang mit der Umwelt lebt.

Yogamatte online und offline

Hauptsächlich kann man die Yogamatten für 129 Euro das Stück im Online-Shop der beiden Frauen (www.hejhej-mats.com) kaufen. Seit einigen Monaten gibt es die Produkte auch offline bei „Kauf Dich glücklich“ (unter anderem in Nürnberg und Berlin). Von dort holen sich die beiden Firmengründerinnen auch Rückmeldungen, wie die Matten ankommen. Da stellte sich zum Beispiel heraus, dass eine passende Tasche noch ganz praktisch wäre.

Souvignier und Zepnik tüftelten in den vergangenen Monaten. Denn wie auch bei den Matten sollte das neue Produkt aus recycelten Stoffen stammen. Die Recherche sei gar nicht so leicht, denn irgendwann stoße auch Google an seine Grenzen. „Es läuft viel über Mundpropaganda“, erklärt Anna. Zum Glück treiben sich auf dem ehemaligen Quelle-Areal in Nürnberg viele Textildesigner herum, die ebenfalls mit nachhaltigen Produkten arbeiten. Anna und Sophie haben einen Stoff aufgetrieben, der aus recycelten PET-Flaschen besteht. Der Reißverschluss wird aus alten Fischernetzen gefertigt. Der Tragegurt ist aus Hanf. „Den kann man nahezu überall anpflanzen und er braucht beim Anbau wesentlich weniger Wasser als Baumwolle.“ Übrigens lässt sich der Gurt auch bei den Yoga-Übungen benutzen. Genäht wird die Tasche in der Region von Menschen mit Behinderung.

Bis 13. Oktober kann die Netzgemeinde auf der Crowdfunding-Plattform Startnext ihren Beitrag dazu leisten, dass die beiden Nürnbergerinnen nach dem Prototyp auch in die Produktion der passenden Tasche investieren können.

https://www.startnext.com/hejhej-bags-closed-loop-yoga-bags

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