01.07.2021 - 14:27 Uhr
OberpfalzOTon

Natürlich ist das meine Meinung!

Vor allem viele junge Menschen fragen aktuell: "Wenn du deine Kommentare schreibst, wie viel darfst du da wirklich selbst bestimmen, was da am Ende steht?" Die Antwort ist klar: Meine Meinung gibt mir niemand vor, erklärt Sebastian Böhm.

Wenn ein Journalist einen Kommentar schreibt, sollte ihm niemand eine Meinung vorgeben.
von Sebastian Böhm Kontakt Profil

Sie fragen mich am Fußballplatz beim Bierchen nach dem Spiel, während sie die Würstchen am Grillabend wenden oder wenn wir zusammen im Auto sitzen - es sind diese typischen Smalltalk-Situationen mit Bekannten. "Wie gehts? Alles cool?" Relativ schnell spricht man auch über den Job. "Ach, du bist Redakteur, okay." Und relativ schnell kommt oft diese Frage: "Sag mal, wenn du deine Kommentare schreibst, wie viel darfst du da wirklich selbst bestimmen, was da am Ende steht?"

Es sind vor allem viele junge Menschen, dir mir diese Frage stellen und das in einer Häufigkeit, die mich wirklich nachdenklich stimmt. Deswegen dachte ich mir, dass es sicher nicht schadet, die Antwort, die ich am Grillabend gebe, nun einmal auch an dieser Stelle niederzuschreiben. Und mir ist völlig klar, dass ich jetzt nicht mit abstrakten Argumenten kommen kann wie "Es gibt bei uns eine Art Berufsehre, die besagt, dass sich in Kommentare inhaltlich nicht eingemischt wird". Nein, es muss schon etwas anschaulicher sein:

"Ich glaube, du kennst Journalisten schlecht. Diesen Beruf ergreifen zum Großteil neugierige Menschen, die gerne sprechen, schreiben und ein gewisses Mitteilungsbedürfnis haben - was für ein nicht gerade kleines Selbstbewusstsein spricht. Ob das auch immer gerechtfertigt ist? Bestimmt nicht. Aber darum geht es jetzt nicht. Journalisten sprechen mit Menschen und schwierige Themen an. Und alle haben sie ihre Meinung. Und die ist ihnen wichtig. Wenn die Meinung als Kommentar erscheint, stehen sie dafür sogar mit ihrem Namen, öffentlich. Redaktionsintern gibt es eher das Problem, dass es zu viele Meinungen zu einem Thema gibt, als zu wenige. Diskutieren gehört zum Berufsalltag. Jeder nimmt seine Meinung also zumindest so wichtig, dass er seinen Kolleginnen und Kollegen häufig widerspricht. Die eigene Meinung wird verteidigt. Journalisten sind also selten Ja-Sager. Das Misstrauen gehört zum Beruf. Glaubst du wirklich, dass wir uns unsere Meinung diktieren lassen und dann auch noch mit unserem Namen und meistens noch einem Bild von uns öffentlich dafür herhalten?"

"Ganz ehrlich: Ich wäre sogar enttäuscht, wenn ich bei zu vielen Themen die gleiche Meinung hätte wie meine älteren Kolleginnen und Kollegen. Es ist doch ganz normal, dass eine andere Generation oft auch eine andere Meinung bedeutet. Meinst du wirklich, dass die das nicht abkönnen und es dann verändern? Nein! Es kann aber gut sein, dass sie mit mir darüber diskutieren wollen."

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Hintergrund:

OTon

In der Kolumne „OTon“ schreiben junge Mitarbeiter von Oberpfalz-Medien über das, was ihnen im Alltag begegnet. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie sie die jungen Leute tagtäglich für die Leser aufbereiten, sondern um ganz persönliche Geschichten und Meinungen.

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