29.04.2021 - 14:08 Uhr
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Pandemie wie im Film

Schon früh entdeckt Kathrin Moch ihre Leidenschaft für Filme und Medizin: Filme über Pandemien faszinierten und gruselten sie deshalb schon immer gleichermaßen. Bis Corona kam und der Film zur Wirklichkeit wurde.

Autorin Kathrin Moch entwickelte eine Hass-Liebe zu Filmen über Seuchen: Mit Corona wurde der Film dann plötzlich Wirklichkeit.
von Kathrin Moch Kontakt Profil

Menschen in Schutzanzügen. Grüne Gummihandschuhe und Masken. Keuchen, Husten, Schweiß und Blut. Angstverzerrte Gesichter von Dustin Hofman und Morgan Freeman. Damals, 1995, war das nur ein Film: „Outbreak – Lautlose Killer“. Wer deshalb einige Jahre später trotzdem an einem Samstagabend keuchend und schweißgebadet auf der Couch saß? Ich. Noch recht gut erinnere ich mich, wie aufgewühlt ich an dem Abend war, als der Film im Fernsehen lief. Zu viel für mein 12-Jähriges Ich. Meine Gedanken kreisten, ich hatte Angst: Was, wenn so etwas wirklich passiert? Nach einer schlaflosen Nacht, hatte mein kindlicher Kopf das wieder vergessen. Es war ja schließlich nur ein Film.

Trotzdem blieb mir ein komisches Gefühl im Bauch, wann immer es um Viren ging. Gleichzeitig wollte ich mehr darüber wissen, meine Neugier war geweckt. Wie breiten sie sich aus? Wie werden sie übertragen? Ich entdeckte mit dem Erwachsenwerden meine Liebe für die Medizin – und Filme. So kam ich auch um einen weiteren Pandemie Thriller im Jahr 2011 nicht herum: Ein paar Jahre älter, aber mit der gleichen Gänsehaut sah ich Matt Damon beim Kampf um sein Leben und der blassen Gwyneth Paltrow beim Sterben zu in „Contagion“ (Ansteckung).

Meine Beziehung zu Endzeit-Filmen, die sich mit dem Ausbruch einer Seuche beschäftigten, entwickelte sich zu einer Hass-Liebe: Immer wieder lösten diese Filme ein ganz besonders gruseliges Gefühl in mir aus – und trotzdem (oder genau deswegen) konnte ich nicht weggucken. Egal, ob Mark Wahlberg und ein über die Luft übertragbares Nervengift (The Happening, 2008) oder Will Smith als einzig überlebender Wissenschaftler nachdem ein mutiertes Virus die Menschheit auslöschte (I am Legend, 2007). Zuletzt zog mich „The Rain“ (2018) auf Netflix in den Bann: Regen, der ein tödliches Virus überträgt. Spannender geht es kaum. Dachte ich.

Dann kam Corona (2020) – also in der Wirklichkeit und nicht nur im Film. Das war wie Outbreak, Contagion – alles in einem, nur eben real. Das flaue Gefühl, dass sich sonst nach 90 Minuten Film langsam wieder verabschiedet hatte, war auf einmal immer da. Quarantäne, kein Kontakt, Masken und nicht zuletzt Massengräber und Menschen, die sich über Klopapier streiten. Eine Pandemie wie im Film. Einziger Hoffnungsschimmer: In vielen Filmen gibt es ein Happy End und ein Leben nach dem Virus – ich hoffe, das gilt auch für die Realität.

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In der Kolumne "OTon" schreiben junge Mitarbeiter von Oberpfalz-Medien über das, was ihnen im Alltag begegnet. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie sie die jungen Leute tagtäglich für die Leser aufbereiten, sondern um ganz persönliche Geschichten und Meinungen.

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