30.07.2020 - 14:21 Uhr
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Hydro Solution: Mit schlauer Technik zu sauberem Wasser

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Der Regensburger Verein „Hydro Solution“ sorgt mit Biosandfiltern für sauberes Trinkwasser im südlichen Kenia. Gründungsmitglied Maximilian Dötterl aus Poppenreuth (Kreis Tirschenreuth) sorgt sich wegen Corona um die Zukunft Afrikas.

Dank der Biosandfilter kann dieser Junge sauberes Wasser zapfen.
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

Eine Gruppe engagierter Studenten und eine gute Idee: Diese Verbindung verhilft mittlerweile über 8600 Menschen im südlichen Kenia zu sauberem Trinkwasser. Der Regensburger Verein "Hydro Solution" hat sich der Hilfe zur Selbsthilfe verschrieben. Mit selbst gebauten Biosandfiltern können die Einheimischen nun selbst ihr Wasser reinigen.

Ein Junge holt mit einem kleinen Kanister schmutziges Wasser aus einem bräunlichen Bach. Das Wasser wird er den Tag über in der Schule trinken. Es ist eines der Bilder, das dem Maximilian Dötterl in Erinnerung geblieben ist, nachdem er im März 2017 erstmals nach Kenia gereist war. Ein Freund von ihm setzt sich vor Ort für Waisenkinder ein, er war immer wieder auf ein Problem gestoßen: Viele Kinder konnten wegen Magen-Darm-Erkrankungen nicht am Unterricht teilnehmen und mussten medizinisch behandelt werden. Hervorgerufen wurden die Probleme hauptsächlich durch verschmutztes Trinkwasser. In dem ländlichen Gebiet gibt schlicht es keine staatliche Infrastruktur für die Wasserversorgung.

Langfristige Hilfe

"Das hat uns berührt und animiert, zu helfen", erzählt Dötterl, der aus Poppenreuth (Kreis Tirschenreuth) stammt. "Wichtig war uns, dass wir langfristig und nachhaltig unterstützen." Zusammen mit Nina Auer, einer weiteren Studentin der OTH Regensburg, gründete Dötterl Ende 2017 den Verein "Hydro Solution". Ein Jahr lang forschte Dötterl in seinem Maschinenbau-Studium an der OTH Regensburg nach einer Lösung und schrieb auch seine Abschlussarbeit darüber. Die Idee: Mit Biosandfiltern können die Einheimischen ohne Strom und Chemikalien selbst sauberes Wasser herstellen - und sich zum Teil durch den Bau der Filter auch ihren Lebensunterhalt verdienen.

"Die Filtrationsart an sich gibt es schon fast 200 Jahre, wurde in Europa aber durch moderne Technologien ersetzt", erzählt der 29-jährige Dötterl. Er passte das System auf die Bedingungen in der kenianischen Region an und nahm die Ideen der dortigen Bewohner auf. Der Filter sitzt in einem Betongehäuse, innen ist speziell aufbereiteter Filtrationssand. Das schmutzige Wasser wird hineingeschüttet, versickert ganz langsam und wird dabei gefiltert. Oben bildet sich eine Art Biofilm, der das Wasser zusätzlich reinigt.

Familien verdienen Geld

Neben der Vermittlung der Technik geht es dem Verein auch darum, dass die Menschen durch den Bau der Filter Geld verdienen können. "Sieben Familien finanzieren sich damit mittlerweile ihren Lebensunterhalt", berichtet Dötterl. Als dritte Säule ist es dem Verein wichtig, der Bevölkerung nahezubringen, wie wichtig sauberes Trinkwasser und Hygienemaßnahmen sind.

Um alle Themen abzudecken, ist viel Know-how gefragt. Und so ist es ein Glücksfall, dass sich dem Verein mittlerweile Studenten aus den verschiedensten Bereichen angeschlossen haben. Techniker, Biologen, Betriebswirtschaftler oder auch Sozialwissenschaftler arbeiten Hand in Hand. Bei den Einheimischen brauchte es nicht viel Überzeugungsarbeit. "Sie waren von Anfang an interessiert", erzählt Dötterl. "Und als sie gesehen haben, dass aus dieser braunen Brühe wirklich sauberes Wasser wird, das wir auch selbst getrunken haben, waren sie vollkommen überzeugt."

Der Empfang in Kenia ist überraschenderweise teils besser als in Deutschland.

Maximilian Dötterl

Maximilian Dötterl

Vier Mal war Dötterl bislang im Projekt-Einsatzgebiet. Neben über 280 Filtern für Familien wurden mittlerweile auch sechs große Filter für Schulen gefertigt. Gerade ist der siebte Schul-Filter im Bau - dafür wird einiges an Geld gebraucht, da die Materialkosten vor Ort teils teurer sind als in Deutschland, berichtet Dötterl. Da traf es sich für den bereits mehrfach ausgezeichneten Verein sehr gut, dass er jüngst vom Radiosender Bayern 2 aus 400 Bewerbungen zum "Guten Beispiel 2020" gewählt wurde. Das 4000-Euro-Preisgeld fließt nun in den Bau des neuen Schulfilters.

Einmal im Jahr nach Kenia

Mit den Einheimischen vor Ort ist der Verein regelmäßig über Telefon oder Whatsapp in Kontakt. "Der Empfang in Kenia ist überraschenderweise teils besser als in Deutschland", erzählt Dötterl. Einmal im Jahr reisen Vereinsmitglieder außerdem nach Kenia, das war auch in diesem Jahr geplant. Doch durch die Corona-Pandemie ist fraglich, ob das klappt.

Die Corona-Krise macht Dötterl auch in anderer Hinsicht Sorgen. In Kenia gebe es große Angst vor dem neuartigen Coronavirus, erzählt er. Auch dort seien die Schulen geschlossen. Es gebe vor Ort keine medizinische Versorgung, die mit Deutschland vergleichbar wäre. Intensivbetten seien genauso Mangelware wie Covid-19-Tests. In der Pandemie sei außerdem jedes Land vor allem auf sich selbst bedacht, so dass damit zu rechnen sei, dass Gelder für die Entwicklungshilfe wegfallen. "Wir hoffen wirklich sehr, dass es Afrika nicht schlimm erwischt."

Weitere Infos und die Möglichkeit zu spenden gibt es unter www.hydrosolution.org.

Auszeichnung für Hydro Solution

Regensburg

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Weiden in der Oberpfalz
So sah die Trinkwasserversorgung vor dem Hydro-Solution-Projekt aus: Ein Schulkind holt sich Wasser zum Trinken aus einem schmutzigen Bach.

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