11.07.2019 - 11:25 Uhr
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Model Anna Wilken schreibt Buch über ihr Leben mit der Diagnose Endometriose

"In der Regel bin ich stark" heißt das Buch von Model, Influencerin und Ex-Regensburgerin Anna Wilken. Die Freundin von Ex-Jahn-Spieler Sargis Adamyan erzählt, warum sie sich entschieden hat, offen mit der Krankheit Endometriose umzugehen.

Model und Influencerin Anna Wilken.
von Eva-Maria Hinterberger Kontakt Profil

Anna Wilken ist Model und Influencerin (aniybond auf Instagram). Kurz nach dem Start ihrer Model-Karriere erhielt die heute 23-Jährige die Diagnose Endometriose. Mittlerweile geht sie offen damit um. Im September erscheint ihr Buch „In der Regel bin ich stark“.

Im Interview erzählt Anna, warum sie sich dazu entschlossen hat, über ihre Endometriose zu sprechen und wie die Reaktionen darauf sind. Außerdem verrät sie, was sie nach ihrem Umzug nach Heidelberg an Regensburg vermisst. Dort hat sie bis zum Frühjahr mit ihrem Freund, dem ehemaligen Jahn-Spieler Sargis Adamyan, gelebt.

ONETZ: Du bist durch Germany’s Next Topmodel 2014 bekannt geworden. Wie wichtig war die Show für deine Karriere als Model?

Anna Wilken: Ich habe mich durch GNTM lediglich fürs Modeln entschieden, klar sind auch ein paar Agenturen aufmerksam auf mich geworden.

ONETZ: Du hast die Sendung dann freiwillig verlassen. Warum?

Anna Wilken: Das hatte viel Gründe, besonders einige private, die auch privat bleiben sollen. Generell habe ich gemerkt, dass ich so in der Art ungern im Mittelpunkt stehe.

ONETZ: Mit 19 Jahren – kurz nach Beginn deiner Modelkarriere – kam dann die Diagnose: Endometriose. Wie war das für dich?

Anna Wilken: Es war erleichternd und schrecklich zugleich. Wobei ich im ersten Moment eher erleichtert und froh war, endlich eine Diagnose zu haben. Einen Namen für dieses gewisse Etwas, was mich Tag für Tag gequält hat.

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ONETZ: Du hast dich dann dafür entschieden, offen mit deiner Krankheit umzugehen.

Anna Wilken: Es hilft mir selbst ungemein, mich nicht zu verstecken. Einfach offen darüber zu reden, mich auch bei Instagram zu zeigen, wenn ich mal äußerlich nicht dem „Ideal“ entspreche. Gleichzeitig hilft es auch anderen Frauen. Der Austausch ist super wichtig und kann sehr hilfreich sein. So können wir uns alle gegenseitig helfen, uns zuhören und Tipps geben.

ONETZ: Hattest du keine Angst, dass das negative Konsequenzen für deinen Job haben könnte? Dass du zum Beispiel nicht mehr zu Castings eingeladen wirst?

Anna Wilken: Doch schon, das war der Grund weshalb ich erst nach zwei Jahren öffentlich darüber gesprochen habe. Vor allem meine Mutter war sich unsicher, ob das der richtige Weg ist. Gerade weil ich sehr sensibel bin. Mein Herz hat aber gewonnen, denn ich wollte von Herzen gerne darüber reden, mich eben endlich nicht mehr verstecken.

"In der Regel bin ich stark" von Anna Wilken erscheint am 10. September.

ONETZ: Wie reagieren Fans und Follower auf deinen offenen Umgang mit deiner Krankheit?

Anna Wilken: Das Feedback ist Wahnsinn. Gleichzeitig ist aber auch erschreckend, wie viele keine Hilfe bekommen. Im Dunkeln tappen. Ich bekomme täglich unzählige Nachrichten zu dem Thema, ich bemühe mich sehr jedem einzelnen irgendwie zu antworten. Jedoch muss ich ehrlich sein, ich komme schon länger nicht mehr ganz so hinterher und es dauert oft lange. Endometriose ist kein Thema, auf das man zwischen Tür und Angel antwortet. Ich möchte mir dafür Zeit nehmen und jedem gerecht werden.

ONETZ: Wer dir auf Instagram folgt, weiß außerdem, dass du an einem Buch schreibst. Verrätst du, um was es geht?

Anna Wilken: Na, um Endometriose! Haha. Es ist eine Autobiografie, so wie ein Sachbuch. Die Leser werden anhand meiner Geschichte, meinem Weg, die unterschiedlichsten Dinge zur Endometriose erklärt bekommen. Es richtet sich so wohl an Betroffene, als auch deren Umfeld und Mädels, die noch im Dunkeln tappen.

ONETZ: Apropos Instagram. Neben Modeln hast du dir ein zweites Standbein als Influencerin aufgebaut.

Anna Wilken: Es kam einfach dazu, ich habe angefangen Bilder hochzuladen, Stories zu machen und die Leute an meinem Leben teilhaben zu lassen.

ONETZ: Du hast auch zwei Jahre in Regensburg gewohnt. War es für dich als Model und Influencerin dadurch schwerer, an Jobs zu kommen, als wenn du in einer Stadt mit Flughafen leben würdest?

Anna Wilken: Gewiss wäre es idealer in Hamburg zu wohnen, dort sind zum Beispiel mein Management „Fab4Media“ und meine Model-Agentur. Oder Berlin, Köln. Ich habe mich aber für mein Privatleben entschieden, für meinen Freund. Daher schaue ich immer, dass ich mit dem Zug anreise oder eben mit dem Flugzeug. Manchmal passt es von der Anreise nicht, das ist natürlich schade, aber dann soll es auch nicht so sein.

ONETZ: Auf deinen Fotos ist Regensburg oft gut zu erkennen. Was vermisst du nach deinem Umzug nach Heidelberg?

Anna Wilken: Mein Umfeld, all die tollen Menschen, die mich die zwei Jahre in Regensburg begleitet haben. Ich habe so geweint, als das letzte Heimspiel war und ich den meisten Adieu gesagt habe. Ein Glück gibt es Facetime, Whats-App usw, so dass ich all meine Lieben wenigstens digital bei mir habe. Dazu muss man sagen, dass Regensburg noch mal schöner ist als Heidelberg. Jeder sagt, dass Heidelberg die schönste Stadt Deutschlands sei. Gut: die haben Regensburg noch nicht gesehen.

ONETZ: Wenn du nicht unterwegs bist, Fotos machst oder an deinem Buch schreibst: Was machst du in deiner Freizeit?

Anna Wilken: Ich verbringe Zeit mit meinem Hund Oskar, mit meinem Freund, meiner Familie. Auch helfe ich ehrenamtlich im Seniorenheim. Ich hoffe eines in Heidelberg zu finden, in Regensburg hatte es nicht ganz so gut geklappt.

ONETZ: Wie stellst du dir deine Zukunft vor?

Anna Wilken: Ich mache mir darüber jetzt keine Gedanken. Zumindest versuche ich es, denn aktuell läuft als sehr gut und ich bin sehr zufrieden.

Endometriose:

Endometriose ist eine chronische Erkrankung bei Frauen. Dabei siedelt sich Gebärmutterschleimhaut-ähnliches Gewebe auch außerhalb der Gebärmutter an. Meist ist vor allem der untere Bauch oder Beckenraum betroffen – zum Beispiel das Gebärmutteräußere, die Eierstöcke oder auch der Darm und die Blase. Die Symptome sind ganz unterschiedlich. Betroffene Frauen klagen zum Beispiel über schwere, krampfartige Unterleibsschmerzen während der Periode, manche auch darüber hinaus. Andere Beschwerden sind zum Beispiel chronische Bauch- oder Rückenschmerzen. Endometriose kann zu Unfruchtbarkeit führen. Es kann Jahre dauern, bis sie diagnostiziert wird.

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