31.03.2021 - 17:08 Uhr
Weiden in der OberpfalzOTon

Countdown zum Corona-Abitur: Das sagen die Schüler

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Noch rund sechs Wochen trennen die Gymnasiasten in der Oberpfalz von ihren Abschlussprüfungen. Wie sieht die Abitur-Vorbereitung während Corona aus? Schüler erzählen von ihrem Alltag und welche Erfahrungen, ihnen die Pandemie nimmt.

Bald ist es wieder soweit: Für die Gymnasiasten in Bayern sollen am 12. Mai die Abiturprüfungen beginnen. Doch die Vorbereitung läuft in Coronazeiten anders ab als sonst.
von Kathrin Moch Kontakt Profil

Die Belastung für die diesjährigen Abiturienten ist groß: Pandemie, Lockdown und Distanzunterricht zogen sich durch das Abschlussjahr. Für Leon Kindl, Schülersprecher am Gymnasium in Neustadt, ist klar: "Wir haben Druck in der Schule und Druck im Privaten. Wir wollen endlich unser Abi vorbei haben."

Während die Zeit vor dem Abitur normalerweise eine magische Mischung aus Partys, Zukunftsträumen und Lernen ist, in der Erinnerungen für den Rest des Lebens entstehen, grätscht Corona auch hier dazwischen. Über drei Monate hatten viele Schüler aus Weiden, Neustadt/WN und Tirschenreuth weder ihre Freunde noch ein Klassenzimmer von innen gesehen – seit dem 15. März geht es für die Abschlussklassen rund zwei Monate vor den Prüfungen nun zurück an die Schulen.

"(K)eine Bildungslücke"

Nicht unbedingt ein Vorteil bei der Vorbereitung, meint Vincent Poschenrieder, der in diesem Jahr sein Abitur am Augustinus-Gymnasium in Weiden ablegen will: "Ich empfand das selbstständige Arbeiten als sehr angenehm. Den Unterricht zuhause fand ich toll, aber ich weiß natürlich, dass es nicht allen so geht." Inhaltlich sei alles top gelaufen, meint Vincent, nur zwischenmenschlich hätte es manchmal Probleme gegeben. "Da kam es zu Missverständnissen zwischen Lehrern und Schülern." Gut vorbereitet aufs Abitur fühlt er sich trotzdem. "Ich hab nicht das Gefühl das bei mir jetzt eine Bildungslücke entstanden ist."

Trotzdem konnte sich Vincent noch nicht so richtig zum Lernen aufraffen. Aber er hat sich fest vorgenommen nach der "letzten Klausur seines Lebens" endlich mit dem Lernen für die Abschlussprüfungen anzufangen. "Dann habe ich keine Ausrede mehr."

Franz Schottenheim (17) vom Max-Reger-Gymnasium in Amberg hingegen freut sich über den Präsenzunterricht. "In manchen Fächern war der Distanzunterricht schon schwierig. Da sind schon Lücken entstanden, die man jetzt aufholen muss." Vor allem die fehlende Planungssicherheit machte ihm zu schaffen: "Lange Zeit wussten wir gar nicht wie es in der Schule weitergeht, schreiben wir die Tests jetzt oder fallen sie doch wieder aus?"

"Endlich wieder Schule"

Max Schuster (18), ebenfalls Schüler am Augustinus-Gymnasium, sieht den Distanzunterricht nicht problematisch. Das Gefühl in der Schule sei zwar ein anderes, Angst vor dem Abi hat er aber trotz der vergangenen Monate nicht. Vor rund drei Wochen hat er mit dem Lernen angefangen, von der Schule fühlt er sich bei der Vorbereitung nicht im Stich gelassen: "Ich versuche mir keinen Stress zu machen. Meine Stimmung zum Abi schwankt: Manchmal bin ich froh, dass der Stress bald rum ist, manchmal finde ich es schade, dass dann alles zu Ende ist."

Etwas anders sieht seine Klassenkameradin Eva Winter die Situation. Die 18-Jährige ist froh, dass sie endlich wieder in die Schule gehen darf: "Ich bin einfach nicht der Typ für Distanzunterricht und so kann man auch mal auf dem Flur mit Lehrern plaudern." Trotzdem hat die Schülerin nicht das Gefühl, dass sie durch die Lockdown-Maßnahmen inhaltlich etwas verpasst hätte: "Ich fühle mich gut vorbereitet, für die Situation klappt es wirklich sehr gut, auch weil wir technisch an der Schule gut ausgerüstet sind."

Corona-Abi "kein Geschenk"

Die Erleichterungen, die den Abiturienten in der letzten Phase nun zugestanden wurden – beispielsweise nur noch Klausuren in den drei schriftlichen Abiturfächern zu schreiben – sind für Eva "an die Situation angemessen" und "nehmen viel Stress raus": "Auch wir bekommen das Abi nicht hinterhergeschmissen, wie manchmal behauptet wird." Natürlich müsse man Eigeninitiative ergreifen und lernen, "das ist aber vor Corona auch nicht anders gewesen".

Auch Leon Kindl (19) und Tom Zilbauer (18), die heuer am Gymnasium Neustadt ihr Abi ablegen, wehren sich ganz entschieden gegen den Vorwurf, "das Abi würde ihnen geschenkt werden". Tom erklärt: "Natürlich gibt es bestimmte Regelungen, aber wir haben eine ganz andere Situation und mussten uns unheimlich viel selbst beibringen." Leon erzählt vom zusätzlichen Druck durch die Corona-Situation: "Ich finde das uns gegenüber nicht fair, wir haben teilweise in zwei Wochen fünfzehn Noten gemacht. Zusätzlich fehlt der Ausgleich, wie Feiern oder Freunde treffen. Es gibt durch Corona viele Sachen, die man neben dem Abi verarbeiten muss."

Realitätsferne Entscheidungen der Regierung

Obwohl sich beide Abiturienten aus Neustadt durch ihre Lehrer gut vorbereitet fühlen, ärgern sie sich immer wieder über praxisferne Entscheidungen aus dem Ministerium, die oft an der Realität der Schüler vorbeigehen würden. Bestes Beispiel dafür sei aktuell der Sportunterricht. Tom erklärt: "Anstatt die Stunden jetzt für die wichtigen Fächer zu nutzen, muss ich mit Maske und 30 anderen Schülern in der Turnhalle Sport machen. Da wir dort momentan Unterricht haben, muss zuvor alles weggeräumt werden."

Leon meint: "Da brauch ich doch eigentlich nicht überlegen, ob ich in der Halle Sport machen muss, wenn draußen die dritte Welle rollt. Wir werden oft von den Politikern nicht so erhört, wie wir es uns wünschen würden und dann gibt es diese realitätsfernen Entscheidungen." Ein anderes Beispiel seien die ellenlangen, unverständlichen Schreiben aus dem Kultusministerium. Leon: "Das kann doch nicht sein in einer Zeit, in der sowieso schon überall Chaos herrscht. Selbst unsere Lehrer hatten oft Probleme das zu verstehen."

Ein großes Thema bei Leon und Tom sind außerdem Schnelltests. Bislang sind keine Schnelltests am Gymnasium in Neustadt angekommen. Leon meint: "Zwei Wochen vor dem Abi brauch ich das auch nicht mehr." Am Augustinus-Gymnasium in Weiden hingegen hätten die Abiturienten die Möglichkeit sich testen zu lassen. Vincent weiß aber, dass nicht alle Schüler da Lust drauf haben. "Je mehr sich aber testen lassen würden, desto sinnvoller wären die Tests natürlich." Auch die Schüler am Max-Reger-Gymnasium würden sich mehr Coronatests wünschen, erzählt Franz Schottenheim. "Es sind einfach viel zu wenig Tests, oft reichen die nur für die Lehrer. Ich bin gespannt, ob das nach den Osterferien besser wird."

Mottowoche statt Studienfahrt

Vor allem das Leben abseits des Lernens fällt in der Oberstufe durch Corona unter den Tisch. Vincent erzählt von seiner letzten Party: "Das war im Februar 2020, vor über einem Jahr. Das war irgendwie eine Abschlussparty vom richtigen Leben." Aber man müsse eben das beste draus machen, meint Vincent, der jetzt mit seinem Kumpel plant, wie eine typische "Studienfahrt" hätte aussehen können. Abi-Shirts und eine Abi-Zeitung soll es am Augustinus-Gymnasium trotzdem geben. Dass die Abifahrten ausfallen, nimmt Eva Schuster schon mit: "Das sind auch keine Sachen, die man aufholen kann, es ist einfach weg."

Den Abiturienten am Max-Reger-Gymnasium macht einerseits fehlende Planungssicherheit, andererseits auch finanzielles zu schaffen. Franz erzählt: "Wir haben unsere Abi-Zeitung normalerweise über Partys, Kuchenverkäufe oder Sponsoren finanziert. Aber der Einzelhandel ist zurückhaltend gewesen in diesem Jahr, Veranstaltungen gab es nicht. Das war schon herausfordernd." Bei ihrem Abi-Motto – das noch nicht verraten wird – haben sich die Schüler dann auch ganz bewusst gegen ein Corona-Motto entschieden.

Auch am Gymnasium Neustadt entfallen viele typischen Aktivitäten pandemiebedingt, Leon sagt: "Corona hat uns schon viel genommen, vor allem die Studienfahrten nach Berlin und Kopenhagen. Das sitzt tief, da hat sich jeder drauf gefreut." Tom pflichtet ihm bei: "Das wäre so der Preis für den Fleiß gewesen." Kleine Lichtblicke wollen sich die Schüler trotzdem behalten: "Wir arbeiten an Abi-Shirts, der Abizeitung und einer Mottowoche, wo man zum Beispiel mit Anzug und Kleid kommen kann, denn einen Abiball wird es wohl nicht geben."

Doch auch hier macht Corona Druck, wie Tom erklärt: "Wir haben nach den Osterferien jetzt noch drei Wochen regulären Unterricht, da bleibt nicht viel Zeit für die Organisation." Trotzdem meint Leon, "versuchen wir Erinnerungen und Fotos zu schaffen".

Das sagen Schüler zum Homeschooling

Amberg

So war die Stimmung bei den Abschlussklassen Anfang 2021

Weiden in der Oberpfalz
Aus dem Homeschooling-Alltag :

Vincent Poschenrieder berichtet

Der wichtigste Satz des Tages: “Ja, ich bin drin!” Als wir das Augsburger Ortschild passieren beginnt für mich die erste Onlinestunde und mein Datenvolumen und meine Internetverbindung scheinen wie gewünscht zu funktionieren. Ich kann den virtuellen Klassenraum der Musikstunde betreten. Doch spulen wir zurück auf Anfang. Wie komme ich an einem ganz normalen Schultag überhaupt nach Augsburg? Die Situation sieht so aus: Mein Bruder hat diesen Donnerstag einen wichtigen Termin in Augsburg. Meine Mama will ihn nicht allein dorthin fahren und hat mich gebeten sie zu begleiten. Das Problem dabei: Donnerstag ist ein Schultag. Ich habe Unterricht.

Doch dank des Distanzunterrichts ist das kein Problem mehr. So machen wir uns um 7.15 Uhr, (gääähn) auf den Weg nach Augsburg. Normalerweise stehe ich im Moment höchstens eine halbe Stunde vor Unterrichtsbeginn auf. An diesem Tag sind es dreieinhalb Stunden (gäääääähn), denn irgendjemand muss ja auch noch mit den Hunden gehen. Mit einem bis zum Rand gefüllten Essenskorb geht es also ins Schwabenland. Vom Homeoffice ist zumindest bis München nichts zu merken, danach stellt sich der Berufsverkehr ein. Solange ich noch Freistunden habe fahre ich Auto. Die dreispurige Autobahn überlasse ich anschließend gerne meiner Mama und mache mich auf der Rücksitzbank schonmal bereit am Unterricht teilzunehmen. Schwänzen will ich nämlich keineswegs. Während wir in Augsburg einfahren beginnt für mich die erste- für meine Mitschüler ist es die dritte- Stunde des Tages: Musik. Ich bin sehr nervös, weil ich nicht weiß, ob die Verbindung hält und wie viel Datenvolumen eine Konferenz verschlingt. Alles kein Grund zur Sorge, wie sich herausstellt. Während meine Mama noch einen Parkplatz sucht, bin ich schon in die Welt der Noten vertieft. Ich bleibe im Auto sitzen, während mein Bruder, begleitet von meiner Mama, zu seinem Termin spaziert. Im Auto an einer Konferenz teilzunehmen sollte ich vielleicht in meinen Alltag integrieren. Es gibt einfach so herrlich wenige Ablenkungsmöglichkeiten. Nachrichten beantworten konnte ich auch nicht. Ich musste ja auf mein Datenvolumen aufpassen. So gut habe ich deshalb (zwecks fehlender Alternativen) erst selten mitgearbeitet.

Irgendwann in der dritten Stunde kehren meine Mitfahrer schließlich zurück. Da wir in Englisch gerade eine Mindmap gestalten, ist das eine gute Gelegenheit Pause zu machen. Anschließend wollen wir in die Innenstadt, doch ich habe noch eine Stunde Unterricht. Alles halb so schlimm. Ich nehme mein digitales Klassenzimmer einfach in der Jackentasche mit in die Innenstadt. Kaum dort angekommen verschwinden mein Bruder und meine Mama in einem Geschäft. Ich wende mich derweil dem Geschichtsarbeitsauftrag zu. Pünktlich zum Unterrichtsende kommen die beiden vom Einkauf zurück und ich verlasse die letzte Konferenz des Tages. Wir holen uns noch ein Eis und schlendern ein wenig durch Augsburg, dann fahren wir auch schon wieder heim. Fazit des Tages: Alles Corona konform, bei mir ist keine Bildungslücke entstanden und der Schultag war einfach viel spannender und schöner. Danke Homeschooling!

Hintergrund :

Abiturtermine in Bayern 2021

  • 12. Mai 2021: Deutsch
  • 18. Mai 2021: Mathematik
  • 21. Mai 2021: 3. Abiturprüfungsfach (mit Französisch)
  • Kolloquiumsprüfungen: In den Wochen von Montag, 7. Juni bis Freitag, 11. Juni 2021 und Montag, 14. Juni bis Freitag, 18. Juni 2021.
  • Zur Bekanntgabe der Prüfungsnoten wird als Termin Freitag, der 18. Juni 2021, am Nachmittag festgelegt. Die mündlichen Zusatzprüfungen werden bis Freitag, 25. Juni 2021, abgeschlossen
  • Die Entlassung der Abiturienten findet am Freitag, 16. Juli 2021, statt.

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