14.11.2019 - 10:09 Uhr
Weiden in der OberpfalzOTon

Aus Erfahrung - Plädoyer eines Winterreifen-Fans

"Winter is coming". Daran gibt es kein Zweifel. Doch Autofahrer, die rechtzeitig auf gute Winterreifen wechseln, brauchen sich keine Sorgen zu machen. Sie werden fast immer fast überall durchkommen.

Wer bei solchen Straßenbedingungen nicht auf guten Winterreifen unterwegs ist, braucht gute Nerven und viel Glück.
von tow Kontakt Profil

Es gibt Dinge, die man am eigenen Leib erfahren muss, um sie zu verstehen. Die Bedeutung guter Winterreifen gehört dazu. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass selbst ältere Winterreifen auf Schnee und Eis kein Spaß sind. Von Ganzjahresreifen ganz zu schweigen. Rein hypothetisch könnte es da zum Beispiel passieren, dass man als Führerscheinneuling im alten Fiesta in einer Kurve das Lenkrad einschlägt, das Auto jedoch den Gesetzen der Physik folgenden geradeaus rutscht. Am Bordstein zerbröseln dann nicht nur Felge und Radaufhängung, sondern auch die Führerschein-Neuling-Coolness.

Da habe ich meine Lektion gelernt. Zum Glück. Wenig später waren wir in besagtem Fiesta – mittlerweile auf guten Winterreifen – tief in der Nacht auf dem Rückweg von einer Dorfdisco. Als Fahrer war ich nüchtern. Von den drei anderen Jungs im Auto konnte kam das nicht behaupten. In einer Kurve in einer Senke geriet der Wagen trotz reduzierter Geschwindigkeit ins Schleudern. Meine drei Mitfahrer johlten. Ich riss das Lenkrad nach links, rechts, links. In meinem Kopf die Abwägung: Fliege ich lieber nach links in den Wald oder nach rechts in den Acker ab? Ich hatte mich für den Acker entschieden, als ich reflexartig aufs Gas trat. Der tapfere kleine Wagen bekam wieder Haftung und zog uns nach vorne raus. Mit Tempo 30 zuckelte ich ins nächste Dorf. Ich war bleich wie ein Leintuch. Mein linker Fuß zitterte so stark, dass Kuppeln nicht zu denken war. Mein Beifahrer, mittlerweile schlagartig nüchtern geworden, raunte nur: „Das hätte echt schiefgehen können.“ Stimmt. Ich bin mir sogar sicher: Auf schlechteren Reifen wäre es schiefgegangen.

Jahre später war ich im Winter an einem Sonntagmittag unterwegs auf der A93 zwischen Regensburg und Weiden. Autobahnen werden als erstes geräumt. Doch an diesem Tag kam der Schneefall so unvorhergesehen und massiv, dass die Räumdienste keine Chance hatten. Selbst an kleinsten Steigungen blieben hier – fernab der Alpen – Sattelschlepper hängen oder stellten sich quer. Für Autos blieb in dieser weißen Hölle noch eine schmale Schneise zwischen driftenden Zugmaschinen rechter- und der Leitplanke linkerhand. Wagen, die auf schlechteren Reifen unterwegs waren, sind reihenweise in den Graben gerutscht. Dort harrten die Fahrer dann aus, bis sich die Bergungsdienste zu ihnen durchgekämpft hatten. Ich und ein paar andere Winterreifen-Ultras wühlten uns durch. Daheim – in einem Vorort von Weiden - standen Autos von Nachbarn unten im Ort statt oben in der Siedlung. Der Höhenunterschied beträgt da nur ein paar Meter. Doch wer ohne gute Winterreifen unterwegs war, hatte keine Chance. Ich fuhr einfach hoch und konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen.

Als Journalist sind auch schon eine ganze Menge an Unfall-Meldungen über meinen Schreibtisch gewandert. Deswegen weiß ich, dass es viele Unwägbarkeiten gibt, auf die auch der vorsichtigste Autofahrer keinen Einfluss hat. Aber ist es deswegen nicht schlau, zumindest die Faktoren, auf die man Einfluss hat, im eigenen Sinne zu gestalten? Oder anders gefragt: Ist es nicht doof, im Winter nicht auf Reifen unterwegs zu sein, die maximale Sicherheit bieten?

Die Gegenmeinung: Tobias Gräf ist ein Fan von Ganzjahresreifen

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OTon:

Wir sind junge Mitarbeiter der Oberpfalz-Medien. In unserer Kolumne „OTon“ schreiben wir einmal in der Woche über das, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen.

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