14.11.2019 - 09:58 Uhr
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Winterreifen? Unnötiger Stress!

Alljährlich steht im Herbst der Wechsel auf Winterreifen bevor? Nicht für alle. Tobias Gräf ist ein Fan von Ganzjahresreifen – und hält sie für die bessere Alternative. Parteiische Anmerkungen zu einer Streitfrage.

Alljährlich steht im Herbst der Wechsel auf Winterreifen bevor? Nicht für alle. Manche setzen auf Allwetterreifen, die auch im Winter zugelassen sind.
von Tobias Gräf Kontakt Profil

Die Situation ist vergleichbar mit den Ansichten zu hochwertigen Smartphones. Mit einem geradezu ideologisch aufgeladenen Brustton der Überzeugung verfolgen die Besitzer von Apple- und Samsung-Handys die Mission, die jeweils "gegnerische" Seite von den Vorzügen und – natürlich – der Überlegenheit des eigenen Produkts zu überzeugen. Eine objektive Bewertung der Geräte? Eine sachliche Debatte über Vor- und Nachteile? Faktisch unmöglich. Hier gibt es nur absolute Wahrheiten, sagt meine eigene Erfahrung.

Eine ganz ähnliche Kontroverse gibt es bei Ganzjahresreifen. Zwar beschränkt sich der Reifen-Streit "nur" auf Autofahrer, aber bei laut Kraftfahrtbundesamt knapp 65 Millionen zugelassenen Fahrzeugen in Deutschland ist der betreffende Personenkreis wohl annähernd so groß wie der von Handybesitzern. Gerade jetzt, im November, wenn die Terminkalender der Werkstätten voll sind mit Kunden, die noch schnell auf Winterreifen umrüsten wollen, hat die Debatte um Ganzjahresreifen saisonbedingte Hochkonjunktur.

Ich selbst bekenne mich als überzeugter Fan von Allwetterreifen, die auch für die Wintermonate zugelassen sind. Natürlich ist mir bewusst, dass jetzt eine ganze Menge Leute die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Doch pauschal lassen sich die Alleskönner nicht aburteilen, finde ich.

Auch, wenn Allwetterreifen immer einen Kompromiss zwischen den auf Sommer und Winter zugeschnittenen Pneus darstellen und damit nie so gut sein können wie die Saisonreifen: Es sind doch praktische Alternativen, die für die Wetterlage in unseren Gefilden geeignet sind – auch ohne das Leben des Fahrers fahrlässig zu riskieren, wie Kritiker bemängeln. Denn die Zeiten, in denen die Oberpfalz drei Monate durchgehend mit Schnee und Eis überzogen war, sind längst vorbei. Wichtig auch: Ich breche nicht jedes Wochenende in die Hochalpen zum Skiausflug auf und bin kein Langstreckenfahrer. Wäre es so, müsste ich wohl notgedrungen umsatteln. Doch bei meinen meist kurzen Wegen in der Stadt oder dem Landkreis Amberg-Sulzbach fahre ich damit bisher ganz gut – und spare mir zugleich das Wechseln auf Winterreifen. Das ist gerade für mich als Büromensch, der noch nie einen Kreuzschlüssel in der Hand hatte, eine willkommene Erleichterung.

Neben dem nervigen Wechsel im Frühjahr und Herbst spare ich mir die damit verbundenen Kosten sowie einen Lagerplatz für die doppelte Bereifung. Ehrlicherweise muss natürlich gesagt werden, dass der Abrieb bei Reifen, die zwölf Monate im Jahr rollen, auch größer ist und deren Lebensdauer damit geringer. Doch unter dem Strich fahre ich – zumindest persönlich – somit dennoch günstiger als mit doppelter Bereifung inklusive Wechselstress und -kosten.

Ich will niemanden die Winterreifen abspenstig machen, diese haben sicher ihre Berechtigung. Aber im Einzelfall kann auch ein Ganzjahresreifen eine praktische Sache sein. Gerade für Journalisten, denen nachgesagt wird, zwar Kugelschreiber und PC-Tastatur zu beherrschen, aber nicht gerne ihr Auto aufbocken. Auf meinem morgendlichen Weg zur Arbeit liegt eine Kfz-Werkstatt. Beim Vorbeifahren schaue ich gerne allen Fans von Winterreifen beim Wechseln zu. Und gebe das gesparte Geld für ein neues Handy aus. Natürlich nur für eines mit der "richtigen" Marke.

Gegenmeinung von Tom Webel: Winterreifen sind eine Frage der Sicherheit

Weiden in der Oberpfalz
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Wir sind junge Mitarbeiter der Oberpfalz-Medien. In unserer Kolumne „OTon“ schreiben wir einmal in der Woche über das, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen.

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