Neulich habe ich mein Handy gesucht. Ich war mir sicher, ich hätte es irgendwo in der Wohnung liegen lassen. Also habe ich das gemacht, was man in so einer Situation eben macht: Ich habe mich selbst angerufen. Und tatsächlich – irgendwo im Wohnzimmer begann es zu vibrieren. Problem gelöst. Handy gefunden. Das eigentlich Verrückte daran ist aber: In den vielleicht fünf Minuten, in denen ich mein Handy gesucht habe, hatte ich das Gefühl, etwas zu verpassen. Als könnte in genau dieser kurzen Zeit eine wichtige Nachricht kommen, eine neue Meldung auftauchen oder irgendjemand auf meine Antwort warten.
Dabei ist mir erst aufgefallen, wie selbstverständlich es für uns geworden ist, jederzeit erreichbar zu sein. Morgens ist das Handy oft das Erste, was ich in die Hand nehme. Noch bevor der Tag richtig begonnen hat, wird kurz durch Nachrichten, Mails oder Instagram gescrollt. Meistens ist nichts Dringendes dabei und trotzdem gehört dieser kurze Blick irgendwie dazu. Vielleicht ist es weniger die Angst, wirklich etwas Wichtiges zu verpassen, sondern eher dieses Gefühl, immer auf dem Laufenden bleiben zu müssen. Als würde die Welt in genau dem Moment weiterziehen, in dem man nicht hinschaut. Und man selbst möchte bloß nicht der Letzte sein, der es erfährt.
Im Laufe des Tages wiederholt sich das Ganze immer wieder. Das Handy vibriert, das Display leuchtet kurz auf oder man schaut einfach aus Gewohnheit nach, ob vielleicht etwas Neues passiert ist. Im Zug, an der Supermarktkasse oder wenn man irgendwo ein paar Minuten warten muss – der Griff zum Handy passiert fast automatisch. Manchmal ertappe ich mich sogar dabei, dass ich es entsperre, kurz über den Bildschirm scrolle und es danach wieder weglege, ohne wirklich sagen zu können, was ich eigentlich sehen wollte.
Früher war das anders. Da war es völlig normal, nicht jederzeit erreichbar zu sein. Wenn jemand etwas wollte, musste er eben warten. Manchmal Stunden, manchmal bis zum nächsten Tag. Und niemand hat sich groß darüber gewundert. Heute fühlt es sich dagegen fast ungewohnt an, wenn das Handy einmal länger still bleibt. Als würde irgendetwas fehlen. Vielleicht ist genau das der Moment, in dem man merkt, wie sehr wir uns daran gewöhnt haben, ständig erreichbar zu sein. Und vielleicht wäre es gar keine so schlechte Idee, das Handy hin und wieder einfach liegen zu lassen – selbst dann, wenn man gerade weiß, wo es ist.
OTon
Wir sind junge Mitarbeiter der Oberpfalz-Medien. In unserer Kolumne „OTon“ schreiben wir einmal in der Woche über das, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen.



















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