11.06.2020 - 15:00 Uhr
Wurz bei PüchersreuthOTon

Kaminkehrer fegt durch "Ninja Warrior"-Parcours

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Felix Flieger aus Wurz hat es in die fünfte Staffel der RTL-Show "Ninja Warrior Germany" geschafft. Der 18-Jährige ist damit einer von wenigen Hundert Extremsportlern, die an der wohl anstrengendsten TV-Show Deutschlands teilnehmen.

von Lena Schulze Kontakt Profil

Schon seit Jahren ist Felix Flieger von der Fernsehshow "Ninja Warrior" fasziniert. "Das schaut lustig aus", sagt der 18-Jährige aus Wurz. Der Parcour muss doch zu bewältigen sein, denkt er sich jedes Mal, wenn er die amerikanische Sendung guckt. Jetzt ist Felix selbst Teilnehmer und versucht den Hindernisparcour zu bewältigen.

Bereits im August 2019 bewarb sich der Oberpfälzer bei der Produktionsfirma für die diesjährige "Ninja-Warrior"-Staffel. Damit musste er warten, bis er volljährig war. In einem Bewerbungsbogen beantwortete er Fragen über seinen Beruf und Hobbies. Auch, ob er Verletzungen hat. Tatsächlich rutschte Felix 2017 bei den bayerischen Jugendmeisterschaften auf der Freizeit-Messe "Free" in München von der Wand ab und riss sich beim Aufprall auf den Boden den Außenmeniskus im linken Knie. Er musste operiert werden. Obwohl er nach nur drei Monaten wieder auf den Beinen war, war es für den Sportler, der damals im Bayern Kader kletterte, ein harter Rückschlag. Nicht selten schaffte es der Jugendliche in den Disziplinen Bouldern, Speed- und Lead-Klettern aufs Treppchen.

Felix Flieger ist in der Kletterer-Szene kein Unbekannter

Beim Klettern in seinem Element

Den Sport betreibt er seit Beginn seiner Ausbildung zum Kaminkehrer zwar nicht mehr so exzessiv, aber er klettert trotzdem wöchentlich am Felsen oder in der Halle. Dann ist Felix voll in seinem Element. Er trainiert im Verein seit er acht Jahre alt ist. Der 18-Jährige stammt aus einer Kletterer-Familie und lag schon als Baby im Kinderwagen unter dem Felsen, erzählt er.

Im Januar erhielt der Auszubildende dann die Einladung zum Casting nach München. "In meiner Gruppe waren damals echt einige schräge Vögel dabei, die einfach nur ins Fernsehen wollten", sagt Felix. Fünf Hindernisse mussten die Bewerber absolvieren: Hochsprung, Hangeln, mit einem Medizinball in ausgestreckten Armen über einen Schwebebalken balancieren, Liegestützen und die Himmelsleiter. "In meiner Gruppe war ich einer der Besten. Und auch der einzige der interviewt wurde." Ein gutes Zeichen findet der Kletterer. Sowohl die anderen Teilnehmer, als auch die Leute vom Fernsehen seien alle sehr nett und hilfsbereit gewesen. "Die kümmern sich echt gut um einen."

Aus der Region versuchten sich schon mehrere Sportler am Parcours

Koordination, Technik, Timing

Dass er zur Qualifikation nach Köln fahren darf, erfuhr Felix im April. Jetzt war sein Ehrgeiz erst recht geweckt. Seine Griffkraft, die er als Kletterer ohnehin hat, baute er am sogenannten Campus-Board, eine Art Sprossenwand mit verschieden dicken Griffen, aus. Auch wenn der Kaminkehrer-Azubi das Fitnessstudio normalerweise meidet, in Vorbereitung auf die Show probierte er trotzdem mit der Hilfe eines Bekannten verschiedene Geräte aus. Für eine bessere Beweglichkeit besuchte er mit seinem Vater einige Male Pilates-Kurse.

Gerne hätte Felix die Trainingshalle "Warriors Luck" in Erlangen oder in der Parcour-Trainingshalle in Regensburg besucht. Ging wegen Corona aber nicht. "Es wäre nicht schlecht gewesen, ein Gefühl für die Hindernisse zu bekommen", meint der Wurzer. Besonders gerne hätte er im Vorfeld versucht "die Wand" hochzulaufen. Auch auf den Erfahrungsaustausch mit anderen Sportlern und Tipps von den Trainern wären hilfreich gewesen, denkt der Kletterer. Denn neben Kraft kommt es auch auf Koordination, Technik und Timing an, weiß er.

Seine Stärken sieht Felix in seiner Griffkraft, Kondition, Ausdauer und Körperbeherrschung. "Ich kann meine Kräfte sehr gut einschätzen." Der 18-Jährige ist Wettkampf erprobt. Als Herausforderung für sich sieht er Hindernisse, bei denen es auf Schnelligkeit und Balance ankommt.

Zwischenprüfung und Qualifikation

Besonders im Mai war es stressig für Felix. Erst Zwischenprüfung in der Ausbildung während Corona-Zeiten, dann die Qualifikation in Köln samt Fernsehaufzeichnung Ende Mai. Er war besonders gespannt auf die Atmosphäre in den MMC-Studios. "Schade, dass keine Begleitpersonen mitkommen durften und wegen Corona auch keine Zuschauer auf den Tribünen saßen." Wenn tausende Leute einen anfeuern, könne man doch nochmal mehr aus sich rausholen.

Für die Aufzeichnung nahm sich Felix einen Tag Urlaub und fuhr mit dem Auto alleine fünf Stunden nach Köln. Für die Teilnehmer gab es Catering, eine Maske für die TV-Kampfansage und für Fotos. Bevor die Kameras liefen, gab es eine Einweisung, die Hindernisse wurden erklärt, wie man sie meistern kann, was nicht erlaubt ist. Testen durften die Teilnehmer den Parcour vorab nicht.

Mit Zylinder durch den Parcours

Für seinen Auftritt hatte Felix ein besonders Outfit. Den Parcour wollte er in seiner Kaminkehrer-Arbeitskluft - schwarze Jacke mit goldenen Knöpfen und Zylinder - bestreiten. "Vor meiner Zwischenprüfung war ich wesentlich aufgeregter!", meint der 18-Jährige. Etwas Bammel hatte er aber doch, dass er aus Versehen neben ein Trampolin springt, erzählt er und lacht. Deshalb beabsichtigte der junge Sportler nicht zu schnell durch den Parcours zu laufen. "Ich geh' auf Nummer sicher." Wie weit Felix gekommen ist, darf er aber noch nicht verraten.

Vor einem Jahr versuchte es Jerome Wessely aus Weiden bei "Ninja Warrior"

Weiden in der Oberpfalz
Info:

Ausstrahlung Ende Juni

Es ist die wohl anstrengendste TV-Show Deutschlands: 350 Extremsportler kämpfen gegen einen Hindernisparcours, der nur mit viel Muskelkraft überwunden werden kann. Es gibt eine Qualifikation, ein Halbfinale und das große Finale. Einfach ist das nicht. Nur sechs Menschen weltweit schafften das bisher. Am Ende muss der 22 Meter hohe "Mount Midoriyama" bezwungen werden - dafür gibt´s 300 000 Euro.

Die Dreharbeiten der fünften Staffel starten Ende Mai in den MMC-Studios in Köln. Weil RTL für Juni/Juli keine Sendetermine für "Ninja Warrior Germany" finden konnte, ist die Show ab Ende Juni über TV-Online-Streamingdienste, wie "TV Now" zu sehen. Erst im Spätherbst werden die Folgen im Fernsehen ausgestrahlt. Wann und ob Felix Flieger zu sehen ist, ist noch nicht bekannt.

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