01.04.2021 - 00:01 Uhr
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Vorziehen und anpflanzen: Das kann bis zu den Eisheiligen erledigt werden

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Die Gartensaison startet für die meisten Gemüsepflanzen und Sommerblumen im Mai. So lange muss aber nicht gewartet werden, denn viele Pflanzen lassen sich schon jetzt ganz einfach vorziehen und können im Haus schon früher ausgesät werden.

„Die Eisheiligen schweben eigentlich über allem. Davor tu ich wirklich nichts in den Garten“, so Garten-Expertin Gerda Eiber. Geschützt vor Kälte und Wind kann man junge Pflanzen vorziehen.
von Michelle BalzerProfil

Im zeitigen Frühjahr ist es noch zu kalt, um Samen in's Gartenbeet zu setzen. Doch das Vorziehen bietet die Möglichkeit, nach den Eisheiligen eigene Jungpflanzen in's Freie setzen zu können. Gerda Eiber, Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins Raigering-Aschach, sieht viele Vorteile im Vorziehen von Pflanzen: "Ganz klar der Kostenfaktor, denn zieht man selbst vor, wird man immer günstiger wegkommen, als wenn Jungpflanzen im Laden gekauft werden." Auch die Zeitersparnis ist ein wichtiger Punkt beim Vorziehen, denn "so erspare ich mir die Zeit im Mai, die für die Keimung und das Heranwachsen nötig wäre. Blumen und Gemüse sind dann deutlich früher entwickelt und die Anbausaison verlängert sich dadurch", so Gerda Eiber. Ein weiterer Vorteil ist die bessere Keimung, denn während der Samen im Gartenbeet dem Wetter und tierischen Gartenbesuchern ausgesetzt sind, können bei der Vorzucht die idealen Bedingungen zum Wachsen geschaffen werden.

Diese idealen Bedingungen hängen laut Garten-Expertin Gerda Eiber von folgenden Punkten ab: Nährstoffarmer Erde, wie Anzuchterde oder Kokoserde, und einem möglichst hellen Standort. "Die nährstoffarme Erde ist deswegen so wichtig, da die Pflänzchen mit einem verstärkten Wurzelwachstum reagieren, da sie nach Nährstoffen suchen", so Gerda Eiber. Dadurch sind die Pflanzen später im Beet stabiler, unabhängiger und finden auch in tieferen Schichten Nährstoffe und Wasser. Gerda Eiber: "Außerdem ist Licht das A und O, denn die Helligkeit ist das entscheidende. Fensterbänke mit Süd-Ost-Lage bieten sich besonders an. Nur so können die Gemüse-Samen richtig keimen." Schlechte Lichtverhältnisse machen sich beim Keimling durch das Vergeilen bemerkbar. Da versucht die Pflanze mit allen Mitteln zum Licht zu wachsen, was sie lang und dünn werden lässt. "Deswegen sollte immer drauf geachtet werden, die Pflänzchen so nah wie möglich ans Fenster zu stellen. Grundlegend ist aber zu sagen: ist es eher dunkel und man hat nicht viel Platz, dann ist das Vorziehen von Pflanzen nichts für einen, denn dann wird's echt schwer und macht keinen Spaß", so die Vorsitzende.

Gerda Eiber ist Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins Raigering-Aschach mit rund 200 Mitgliedern.

Laut Gerda Eiber eignet sich folgendes Gemüse besonders für eine Vorkultur: frühe Salat- und Kohlsorten, Kohlrabi, Sellerie oder auch Sommerlauch. "Ende März bis Mitte April ist auch die perfekte Zeit zum Aussäen von Tomatensamen", so Eiber. Auch Sommerblumen, wie Nelken, das fleißige Lieschen oder das Löwenmäulchen, können im Haus schon vorgezogen werden. Gerda Eiber: "Die Samen können in kleinen Töpfchen gesät werden, mit nur einem Samenkorn oder viele Samen eben in einer gemeinsamen Schale, wobei dann allerdings pikiert werden muss."

Bei Zucchini, Gurke, Kürbis und Melone sollte noch bis Ende März oder sogar Anfang April gewartet werden, bis die Samen ausgesät werden. "Denn das sind Pflanzen, die schnell wachsen, deshalb werden die Samen nicht pikiert oder in Anzuchterde gesetzt, sondern direkt in kleine Töpfe mit Pflanzerde. Sie entwickeln sich wirklich schnell. Und da kommt's ganz oft vor, dass die Leute zu früh anfangen", so Gerda Eiber. Die Garten-Expertin betont, dass "alles was vorgezogen wird, erst nach den Eisheiligen nach draußen gestellt werden sollte".

Haben sich dann kräftige Jungpflanzen entwickelt dürfen Gemüse und Blumen nach draußen umziehen, doch nur wenn warme Temperaturen herrschen und nicht mehr mit Bodenfrost zu rechnen ist. Meist ist Mitte Mai der richtige Zeitpunkt. Das macht auch Gerda Eiber so: "Wenn kein Frost mehr kommt, dann kann alles raus! Also ich tu vor den Eisheiligen allgemein nichts raus, egal was das Wetter verspricht. Ich kann es aber immer kaum erwarten."

So gärtnert man perfekt im Hochbeet

Oberpfalz
Info:

Das richtige Vorziehen Schritt für Schritt von Gerda Eiber erklärt:

  • Gefäße zum Vorziehen: Pflanztöpfe, Schalen, alte Eierkartons oder Klopapierrollen
  • Gefäß bis etwa einen Zentimeter unter den Rand mit Erde befüllen und leicht anpressen
  • Es gibt Licht- und Dunkelkeimer: Lichtkeimer dicht an der Erdoberfläche und Dunkelkeimer in die Erde gedrückt
  • Dunkelkeimer: kleines Loch in die Erde drücken und Saatgut ablegen; Samen mit Erde bedecken
  • Lichtkeimer: liegen auf der Erde; nur leicht andrücken
  • Vorsichtig angießen, damit Saatgut einen guten Bodenschluss erhält
  • Saatgut immer feucht halten
  • Beschriften, was in welchem Gefäß eingepflanzt wurde
  • Wenn mehrere Samen in einer Schale: kleine Pflänzchen pikieren (vereinzeln) und in Töpfchen umpflanzen
Info:

Vorzucht oder Direktaussaat?

  • Vorzucht von Sommerblumen: Bartnelken, Fleißiges Lieschen, Löwenmäulchen, Mädchenauge, Männertreu, Nelken, Schmuckkörbchen, Sommerastern
  • Vorzucht von Gemüse: frühe Salat- und Kohlsorten, Kohlrabi, Sellerie, Sommerlauch, Tomaten, Paprika, Chilli, Zuccini, Gurke, Kürbis, Melone
  • Direktaussaat von Gemüse: Pflücksalat, Rettich, Erbsen, Steckzwiebeln, Kopfsalat, Kohlrabi, Brokkoli, Bohnen, Wurzelgemüse wie Möhren, Radieschen, Gelbe Rüben oder Rote Beete
  • Direktaussaat von robusten Sommerblumen: (ab April) Ringelblumen, Jungfer im Grünen, Bechermalve
Info:

Die Eisheiligen

Der Frühling ist da und Garten und Balkon warten nur darauf bepflanzt und geschmückt zu werden. Doch laut Bauernregel soll damit bis nach den Eisheiligen gewartet werden. Die Eisheiligen heißen Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und Sophie. An den Namenstagen der fünf Heiligen erwarten wir jedes Jahr die Eisheiligen. Dieses Jahr vom 11. bis zum 15. Mai. Die Eisheiligen und der damit verbundene Frost können Pflanzen gefährlich werden.

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