21.05.2021 - 13:54 Uhr
ErbendorfBesserWissen

Vegetarier in Teilzeit

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Flexitarier sind Menschen, die ganz bewusst weniger Fleisch zu sich nehmen und statt dessen öfter vegetarisch essen. Komplett auf Fleisch verzichten möchten sie aber nicht.

Flexitarier sind Menschen, die Fleisch essen – allerdings nur gelegentlich. Im Normalfall achten sie dabei auch auf die Qualität des Fleisches.
von Christa VoglProfil

Mit dem Begriff „Flexitarier“ wissen viele nicht gleich auf Anhieb etwas anzufangen. Dabei ist die Herleitung der Bezeichnung denkbar einfach: Es handelt sich um die Wortzusammensetzung aus „flexibel“ und „Vegetarier“. Das Ergebnis: Flexitarier, ein flexibler Vegetarier, ein Teilzeit-Vegetarier. Ab wann sich allerdings jemand zu den Flexitariern zählen darf, ist nicht genau definiert. Kristina Heinzel-Neumann aus Erbendorf ist Ökotrophologin und selbstständige Ernährungsberaterin.

ONETZ: Frau Heinzel-Neumann, was ist ein Flexitarier?

Kristina Heinzel-Neumann: Im Gegensatz zu Vegetariern sind Flexitarier Menschen, die Fleisch essen - allerdings nur gelegentlich. Im Normalfall achten sie dabei auch auf die Qualität des Fleisches, das sie zu sich nehmen.

ONETZ: Was bedeutet in diesem Zusammenhang „gelegentlich“?

Kristina Heinzel-Neumann: Dafür gibt es keine klare Definition. Der Vegetarierbund (VEGBU) spricht zum Beispiel von drei Tagen pro Woche. Das heißt: An mindestens drei Tagen pro Woche wird kein Fleisch gegessen. Die übrige Ernährung bleibt davon unberührt.

ONETZ: Bis weit in die 1960er Jahre war es normal, dass es nur an zwei bis drei Tagen pro Woche Fleisch zum Mittagessen gab. Wenn möglich sogar von den eigenen Schweinen und Hühnern. Waren diese Menschen bereits Flexitarier?

Kristina Heinzel-Neumann: Der Mensch ist eigentlich von Haus aus Flexitarier. Die natürliche Form der Ernährung der Menschen ist vegetarisch mit Eiern und Milch. Und nur ab und zu angereichert mit Fisch und etwas Fleisch. So haben das bereits unsere Vorfahren – Sammler und Jäger – praktiziert. Erst mit der Massentierhaltung kam es zu unserem hohen Fleischkonsum. Die Menschen früher waren bedingt durch die herrschenden Lebensumstände Flexitarier, heute wird diese Ernährungsform – der teilweise Verzicht auf Fleisch - ganz bewusst gewählt.

ONETZ: Warum hat heutzutage Fleisch so einen hohen Stellenwert in der Ernährung?

Kristina Heinzel-Neumann: Das ist nicht erst seit heute so, der Mensch ist generell so gemacht: Wenn er die Möglichkeit hat, Fleisch oder Fisch zu essen, wird er Fleisch essen. Die Gründe dafür liegen wohl auch in unserer Vergangenheit. Der hohe Anteil an tierischem Eiweiß bei der Nahrungsaufnahme hat dazu geführt, dass sich das menschliche Gehirn gut entwickeln konnte. Und die Entwicklung des Gehirns hat wiederum zu einem vermehrten Hunger nach tierischem Eiweiß geführt. Dieser Prozess hat sich gegenseitig beeinflusst und angeschoben.

ONETZ: Für viele Menschen ist Fleisch gleichbedeutend mit Genuss...

Kristina Heinzel-Neumann: Ja, das stimmt. Dafür gibt es auch einen Grund: Fleisch hat diesen Umami-Geschmack, diese besondere eiweißhaltige Geschmacksnote, auf die Menschen total abfahren. Auch in vielen anderen Lebensmitteln, wie Tomaten oder Pilzen, aber auch in Parmesan oder Chips ist diese Geschmacksrichtung Umami prägend.

ONETZ: Trotzdem ist ein leichter Trend hin zu einem weniger hohen Fleischkonsum zu beobachten. Besonders bei jungen Menschen. Warum?

Kristina Heinzel-Neumann: Die Gründe sind vielfältig: Oft geht es dabei um Klimaschutz und um das Mitgefühl mit den Tieren. Manchen Menschen schmeckt Fleisch aber auch einfach nicht. Und andere reduzieren ihre Fleisch-Mahlzeiten aus gesundheitlichen Gründen.

ONETZ: Was spricht gesundheitlich dafür, weniger Fleisch zu essen?

Kristina Heinzel-Neumann: Fleisch hat eine hohe Kaloriendichte und eine geringe Nährstoffdichte. Das heißt: Nach einer Fleischmahlzeit habe ich schon viele Kalorien zu mir genommen, aber im Vergleich dazu wenig Vitamine und Mineralstoffe. Isst man viel Fleisch, sinkt dadurch automatisch der Obst- und Gemüsekonsum. Fleisch verdrängt damit automatisch den Vorteil der anderen Lebensmittel.

ONETZ: Gibt es von offizieller Seite her eine Empfehlung, wie viel Fleisch gesund ist?

Kristina Heinzel-Neumann: In Deutschland lag 2020 der Pro-Kopf-Verzehr von Fleisch bei 57,3 Kilogramm. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt, nur zwei- bis dreimal pro Woche Fleisch zu sich zu nehmen. Jeweils eine Portion von ungefähr 150 Gramm. Pro Jahr wären das 23,4 Kilogramm.

ONETZ: Welches Fleisch wird empfohlen? Rotes oder weißes?

Kristina Heinzel-Neumann: Wenn der persönliche Fleischkonsum auf Tage pro Woche beschränkt wird, ist es egal, welches Fleisch – rot oder weiß – man isst. Das ist wie bei der Schokolade. Wenn ich pro Tag insgesamt nur eine Rippe Schokolade esse, darf ich auch meine Lieblingssorte auswählen.

ONETZ: Dreimal pro Woche 150 Gramm Fleisch ist nicht besonders viel. Das ist dreimal pro Woche eine Leberkäs-Semmel.

Kristina Heinzel-Neumann: Man sollte vielleicht die Sichtweise ändern. Denn es macht bestimmt auch Spaß, seinen vielleicht sehr eingefahrenen und bekannten Speiseplan durch neue Kombinationen, neue Zubereitungsarten oder neue Zutaten zu erweitern: wie mehr Nüsse und Samen zu verzehren, Topinambur oder Süßkartoffel auszuprobieren, Käse oder Pilze oder Spargel zu marinieren oder zu grillen. Und so vielleicht von der bayerischen Leberkäsesemmel-Einheit wegzukommen.

ONETZ: Falls man sich entschließt, an drei Tagen pro Woche kein Fleisch zu essen: Müssen dann nicht zusätzlich Nahrungsergänzungsmittel eingenommen werden?

Kristina Heinzel-Neumann: Bei einer ausgewogenen Mischkost mit genügend Mineralwasser, Obst, Gemüse, Getreide, Hülsenfrüchten, Nüssen, Milch, Milchprodukten, etwas Ölen und ab und zu dem Verzehr von Fisch, braucht der gesunde Flexitarier keine Nahrungsergänzung.

ONETZ: Wie beginnt man am besten, wenn man seinen Fleischkonsum reduzieren möchte?

Kristina Heinzel-Neumann: Ich persönlich würde mit einem festen Tag pro Woche beginnen, an dem kein Fleisch auf den Tisch kommt. Bei uns zu Hause ist das zum Beispiel ganz traditionell der Freitag.

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Kristina Heinzel-Neumann aus Erbendorf ist Ökotrophologin und selbstständige Ernährungsberaterin.
Rezept:

Reis-Pflanzerl (vegetarisch)

Zutaten:

150 Gramm Naturreis

2 Eier

2 Karotten

2 Zwiebel

3 Esslöffel Kräuter

150 Gramm geriebener Käse

Salz und Pfeffer

Semmelbrösel

Zubereitung:

Reis in Gemüsebrühe garen und abkühlen lassen. Den Reis mischen mit Eiern, geraspelten Karotten, klein gewürfelten Zwiebeln, Kräutern, Käse und Gewürzen. Wenn die Masse zu weich ist, Semmelbrösel untermischen. Zirka zehn Minuten ruhen lassen. Als Bratling formen, eventuell in Semmelbrösel wenden und in einer Pfanne braten. Schmeckt warm und kalt.

Alternativen:

Eine kleine Rote Bete raspeln und dazu mischen für eine schöne Farbe. Eventuell geraspelte Zucchini dazugeben oder den geriebenen Käse durch gewürfelten Schafskäse ersetzen.

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