20.05.2021 - 11:20 Uhr
NabburgOberpfalz

Vegan-Boom in der Oberpfalz: Essen wir bald nur noch Soja-Hack?

Veggie-Wurst, Sojadrink & Co. Das Angebot in Supermärkten und Restaurants wächst. Wie entwickelt sich der Trend in der Oberpfalz?

Christian Meyer, Mitarbeiter im Vegan-Shop in Nabburg, berät seine Kunden zu veganen Produkten
von Wiebke Elges Kontakt Profil

Vegan boomt. Inzwischen auch in der Oberpfalz. Das erfuhr Michael Schertl, als die Kunden am Eröffnungstag des neuen Vegan-Shops Schlange standen. Normalerweise beliefert sein Unternehmen AVE, Absolut-Vegan-Empire, europaweit vegane Produkte an mehr als 5000 Geschäftskunden. Seit April können Privatkunden diese auch direkt vor Ort im Nabburger Gewerbegebiet einkaufen. Der Shop habe am ersten Tag 1400 Euro Umsatz gemacht. Michael Schertl sagt, er habe Pläne für weitere Geschäfte. „Wir werden in den kommenden Wochen einen Store in Amberg eröffnen in einem Fitnessstudio. Wir überlegen, ob wir das auch in Regensburg oder in München einmal versuchen.“

Wie ist der Boom in der Oberpfalz?

Laut Michael Schertl sei vegane Ernährung schon sehr lange Thema, weshalb es sich nicht um einen Boom handle. Jedoch sei das Thema in Nabburg oder Amberg weniger präsent als in Regensburg oder München. In den großen Städten ist vegane Ernährung zwar etablierter, aber auch hier in der Region verändert sich etwas, meint Schertl. Er geht davon aus, dass der lokale Laden in Nabburg das Einkaufen in der Region verändert, da in Supermärkten weniger vegane Alternativen angeboten werden. Auch gibt es immer mehr Restaurants mit veganen oder vegetarischen Alternativen. „Ich glaube, dass sich da noch einiges ändern wird, die nächsten Jahre.“

Heidi Schmidkonz, Wirtin des Schloderer Bräu aus Amberg, nimmt ebenfalls eine Veränderung wahr. „Ja tatsächlich ist es so, dass es schon eine steigende Nachfrage nach veganen Gerichten gibt.“ Insbesondere vor zwei Jahren sei die Nachfrage sehr groß gewesen. „Da hatten wir dann sogar Nachfragen nach veganen Stammtischen.“ Die Nachfrage ist mittlerweile allerdings wieder ein wenig abgeflacht. Heidi Schmidkonz bemerkt „generell ist es doch eher so, dass die veganen Gerichte sehr gerne gegessen werden, aber es wird nicht mehr so explizit danach gefragt.“ Sie geht davon aus, dass vegane Alternativen heutzutage als selbstverständlich angesehen werden und deshalb nicht mehr so oft danach gefragt wird. Das Restaurant der Familie Schmidkonz hat bereits vor mehreren Jahren damit angefangen, vegane Alternativen anzubieten. „Man hört sich um, was so gewünscht wird, und der Trend geht ja doch dahin, sodass wir breit gefächert anbieten wollen.“ Sie selbst möchte allerdings nicht nur vegane Gerichte anbieten. „Ich glaube, die Masse in der Region will ein großes Angebot haben und sich nicht nur auf vegan beschränken.“

Woher kommt der Boom?

Vor circa drei Jahren war vegane Ernährung noch verpönt, sagt Michael Schertl. Heute sei dies nicht mehr der Fall. Als Grund für den Vegan-Trend sieht er die Umwelt-Thematik. Vor allem bei jüngeren Menschen habe sich etwas verändert. „Fakt ist, dass die Fleischindustrie mit immer mehr Flächen für Tiere CO₂ erzeugt. Das ist ja bewiesen und das heißt, wenn ich auf Fleisch verzichte, es uns gelingen würde, dass die Tierhaltung geringer wird. Dann tun wir ja etwas für die Umwelt und das glaube ich, erkennen schon viele Menschen mittlerweile.“ Auf den frei gewordenen Flächen können dann anstatt Kühe gehalten, Soja und Weizen angebaut werden, so Schertl.

Veganes Schnitzel beim Metzger?

Dominik Küstner erkennt ein deutlich zweistelliges Wachstum für vegane Produkte. Er ist Marketingleiter in der Großmetzgerei Ponnath. Seit 2015 stellt die Firma mit Sitz in Kemnath (Landkreis Tirschenreuth) neben dem Schnitzel aus Fleisch die veganen Alternativen her. Der Markt für vegane und vegetarische Produkte sei in Deutschland inzwischen 450 Millionen Euro groß. Alleine im letzten Jahr sei der Markt um über 15 Prozent gewachsen. Jedoch gibt der Marketingleiter zu bedenken: „Wenn Sie da die Referenz zum konventionellen Fleischmarkt sehen, der hat knapp 11 Milliarden.“ Das sind 25 Mal mehr als der Markt für vegane und vegetarische Produkte. Vegan ist ein eher junges Thema, so Küstner. Allerdings stellt er fest, dass zunehmend ältere Menschen anfangen, Fleisch zu ersetzen. Er geht zwar nicht davon aus, dass die Menschen in zehn Jahren komplett auf Fleisch verzichten, aber er glaubt, dass der vegane und vegetarische Markt in zehn Jahren von 450 Millionen auf 2,5 Milliarden Euro anwächst.

Metzger Franz Schedl aus Altenstadt an der Waldnaab ist regional allerdings anderer Meinung. Er sagt, wenn man sich die Nachfrage in der Region anschaut, ist zwar ein Trend erkennbar, allerdings nicht in dem Ausmaß. Insbesondere bei ihm in der Metzgerei ist keine Nachfrage nach veganem Schnitzel vorhanden. Seiner Meinung nach sei dies eher etwas für die großen Unternehmen wie Rügenwalder oder Ponnath.

Ein Rezept für vegane Mandelhörnchen

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Ein Rezept für Carpaccio mit Räuchertofu und Avocado-Salsa

Oberpfalz

Ein Rezept für vegane Schokotorte

Flossenbürg

Kommentar zum Vegan-Boom

Weiden in der Oberpfalz
Hintergrund:

Tipp für den Start in die vegane Ernährung

Michael Schertl rät:

  • langsam herantasten und essen was einem schmeckt
  • Am Anfang biete sich für überzeugte Fleischesser zum Beispiel das vegane Schnitzel an.
  • Ein Fehler kann es sein sofort mit der puren Jackfruit zu beginnen
  • Wichtig ist es auch offen für neues zu sein und sich gut zu informieren

Vegan zum Nachkochen

Flossenbürg
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