20.05.2021 - 12:39 Uhr
FuchsmühlBesserWissen

Die goldgelbe Schöne von der Magerwiese

Früher war die Arnika in ganz Europa verbreitet, heute ist sie fast überall bedroht. Der Naturpark Steinwald ergreift seit über zehn Jahren aufwendige Maßnahmen, um den Bestand der Pflanze zu schützen und zu stärken.

Arnikapflanzen mit ihren leuchtend gelben Blütenköpfen waren früher im Steinwald oft anzutreffen. Ihr Bestand hat aber in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich abgenommen.
von Christa VoglProfil

Im südlichen Fichtelgebirge liegt der Naturpark Steinwald. Obwohl er der zweitkleinste seiner Art in Bayern ist, macht er mit vielen Artenhilfsprojekten auf sich aufmerksam. Im Mittelpunkt stehen dabei bedrohte Arten wie die Flussperlmuschel, die Kreuzotter, die Fledermaus oder der Feuersalamander. Allerdings beschränken sich die Hilfsprojekte nicht nur auf Tiere, bereits seit 2009 ist darunter auch eine ganz besondere Pflanze zu finden: die Arnika. Genauer gesagt, Arnica montana, die Bergarnika.

Dabei waren Arnikapflanzen mit ihren leuchtend gelben Blütenköpfen früher im Steinwald oft anzutreffen, ihr Bestand hat aber in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich abgenommen. Und das, obwohl für ihren Erhalt und die Neuausbreitung im Naturpark viel getan wird: von der Gewinnung des Saatguts vor Ort und der Aufzucht der Sämlinge. Über das Umsetzen der Jungpflanzen an geeignete Stellen im Naturpark und damit verbunden die Suche nach passenden Flächen. Bis hin zur regelmäßigen Nachsorge. Stellt sich die Frage, warum eigentlich dieser hohe Aufwand wegen einer einzigen Pflanzenart betrieben wird?

Schutz und Pflege

Marie Wittmann, 26, ist Naturparkrangerin im Steinwald. Sie kümmert sich in einem Projektteam um den Schutz, die Pflege und die Entwicklung der Arnikabestände. Die unternommenen Anstrengungen sieht sie differenziert. "Es stimmt schon, dass ein hoher Aufwand betrieben wird", sagt die junge Rangerin, begründet aber auch gleich, warum dieser gern in Kauf genommen wird: "In erster Linie haben wir natürlich gegenüber der Arnika eine besondere Verantwortung. Weil nämlich Deutschland Teil des mitteleuropäischen Verbreitungsschwerpunkts der Arnica montana ist."

Sehr wichtig sei aber noch ein ganz anderer Aspekt. Denn: "Indem wir für die Arnika an vielen Stellen im Steinwald einen optimalen Lebensraum bereitstellen, werden automatisch auch andere Pflanzen und Tiere unterstützt bei der Wiederansiedlung oder bei der Verbreitung", erklärt Marie Wittmann. In der Biologie werde dabei von der Arnika als Leitart gesprochen. Eben weil Arnika stellvertretend für eine ganze Lebensgemeinschaft steht. Im vorliegenden Fall bedeutet das: Die Arnika fühlt sich auf nährstoffarmen, sauren Magerwiesen zu Hause. Und zusammen mit ihr Pflanzen wie der Zottige Klappertopf, das Waldläusekraut, die Grüne Hohlzunge oder auch das Gewöhnliche Kreuzblümchen. Natürlich zählen auch verschiedene Tiere dazu: Kreuzotter, Zauneidechse, Warzenbeißer-Heuschrecke oder verschiedene Schmetterlingsarten.

Optimale Bedingungen

Werden nun für die Leitart Arnika optimale Bedingungen geschaffen, so profitiert die ganze Artengemeinschaft auf der Magerwiese davon. Trotz der Einbeziehung dieser vielfältigen Lebensgemeinschaft, steht aber bei der Planung der Maßnahmen immer die Arnika im Vordergrund.

"Im August beginnen wir, die Samen von abgeblühten Arnikapflanzen zu sammeln", sagt Marie Wittmann. Mit "wir" ist ein Team aus Naturparkrangern, Landschaftsplanern und ehrenamtlichen Helfern gemeint, die dafür eine spezielle artenschutzrechtliche Genehmigung besitzen. "Dann werden die Samen in Töpfe gesät. Sie wachsen im Laufe des Herbstes zu kleinen Rosetten heran und werden im späten Frühjahr an Stellen ausgepflanzt, an denen es früher bereits Arnikavorkommen gab. Oder an Stellen, welche aufgrund ihrer Standorteigenschaften für die Arnika geeignet sind."

Verbuschung ein Problem

Aber ist das wirklich so einfach? Gab es denn nicht einen bestimmten Grund für das Verschwinden der Arnika? Warum sollte sie dort jetzt plötzlich wieder wachsen? "Das stimmt schon", gibt Wittmann zu. "Aber natürlich wählen wir nur Standorte aus, an denen die Lebensbedingungen für die Pflanzen optimal sind." Denn manchmal sei ganz offensichtlich, warum es an einem bestimmten Standort keine Arnika mehr gebe: zum Beispiel weil dort die Verbuschung zu groß ist. Weil hochstehende Bäume nur mehr wenig Licht auf den Boden lassen. Weil die Flächen landwirtschaftlich intensiv genutzt werden. Weil die Konkurrenz anderer Gräser und Kräuter zu groß ist.

Trotz dieser Widrigkeiten gibt es auch einen Lichtblick: Seit den 1980er Jahren erhalten extensive Nutzungsformen und damit auch die Arnika Schützenhilfe von der Politik. Landwirte können sich freiwillig dazu verpflichten, ihre Wiesen besonders umweltschonend - über die gesetzlichen Vorgaben hinaus - zu bewirtschaften und erhalten dafür Geld von der EU, vom Bund und vom Land Bayern. "Da gibt es ganz unterschiedliche Programme. Je nachdem wird die Wiese zum Beispiel das erste Mal erst Anfang oder Mitte August gemäht, damit die Pflanzen absamen können. Und es wird gar nicht gedüngt oder nur mit Festmist", sagt Marie Wittmann. Das helfe der Arnika und vielen anderen Wiesenbewohnern ganz enorm.

Erfolg an 20 Orten

Nach über zehn Jahren "Artenhilfsprojekt Arnika" gibt es im Steinwald mittlerweile wieder um die 20 Stellen, an denen die goldgelbe Schönheit blüht. An manchen dieser Plätze vermehrt sie sich sehr gut, an anderen stagniert der Bestand. Und dann gibt es auch noch die Stellen, an denen sie ohne ersichtlichen Grund einfach wieder verschwindet.

Stellt sich noch einmal die Frage: Lohnt sich dieser Aufwand? Ja, sagen die Naturschützer. Und der ist sicherlich auch ganz im Sinne von Warzenbeißer-Heuschrecke, Zottigem Klappertopf und den anderen Bewohnern der Magerwiesen.

Rettung der Flussperlmuschel

Friedenfels

Zu den Beiträgen der Serie "Natur unserer Heimat"

Marie Wittmann ist Naturparkrangerin im Steinwald. Zu ihren Aufgaben zählen auch der Schutz, die Pflege und die Entwicklung der Arnikabestände.
Hintergrund:

Leitarten

Leitarten können sowohl Tier- als auch Pflanzenarten sein. Sie sind charakteristisch für bestimmte Biotop-Typen und Lebensgemeinschaften. Wegen ihrer speziellen Ansprüche reagieren sie besonders empfindlich auf Veränderungen ihrer Lebensräume. Leitarten stehen stellvertretend für viele andere Arten in einem bestimmten Lebensraum.

Beispiele für Leitarten:

Der Schwarzspecht: Leitart für naturnahe Rotbuchenwälder

Der Biber: Leitart für strukturreiche, naturnahe Fließgewässer

Die Kreuzotter: Leitart für halboffene, strukturreiche und mosaikartige Randlebensräume

Wollgräser: feuchte Moorstandorte

Flussperlmuschel: kühle, sauerstoffreiche, nährstoffarme Fließgewässer

 

 

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