09.08.2021 - 11:56 Uhr
MitterteichBesserWissen

Kleiner Stadtgarten ganz groß: Fischturm, Bachlauf und Kletterpflanzen

Der Oleanderzweig, welchen Herma Laumer vor 50 Jahren geschenkt bekam, ist jetzt ein zweieinhalb Meter hoher Busch. Auch der Garten veränderte sein Gesicht: Schaukel und Schwimmbassin flogen raus und machten Platz für neue Lieblingsplätze.

Auch ein kleiner Stadtgarten bietet Platz für Blumen, Stauden, Sträucher und Bäume.
von Gertraud Portner Kontakt Profil

Das große Stadthaus mit kleinem Garten liegt im Zentrum von Mitterteich. Schon der Vorgarten ist sehenswert, doch wer hinter das Haus spitzt, bekommt große Augen. „Bei uns ist jeder Quadratmeter belegt“, schicken Herma und Hermann Laumer voraus. Schnell ist klar: In diesem Garten stecken mehr als 50 Jahre Arbeit und viel Liebe drin. Dass nur wenige Meter entfernt der Verkehr rollt, bekommt man in dieser Oase nicht mit.

Auf der überdachten Terrasse bestimmen Fuchsien und Geranien, die in Töpfen hängen oder stehen, das Bild: Pink, Orange, Scharlachrot oder Weiß, in leuchtenden oder pastelligen Tönen, mit großen Blüten oder winzig zart. Viele davon, wie auch die romantische Röschen-Geranie, blühen noch Ende Oktober. Eine Reihe Kübelpflanzen dient als Raumteiler und markiert den sanften Übergang zum eigentlichen Garten. „Kübelpflanzen regelmäßig düngen und mit Liebe gießen“, erklärt Herma Laumer beim Vorbeigehen.

Öfter und wenig düngen

Tipp: Gesunde Kübelpflanzen: Entweder eine strukturstabile Einheitserde kaufen oder selber mischen: Zu gleichen Teilen mit Kompost, lehmiger Erde und groben Sand. Düngung: Beim Umtopfen Langzeitdünger verwenden und frühestens nach acht Wochen mit einer weiteren Düngung beginnen. Faustregel: Lieber öfter und wenig, als viel und selten düngen. Von September bis März mit dem Düngen aussetzen.

Im Spätherbst dürfen alle Topfpflanzen vom relativ geschützten Stadtgarten ins Winterquartier: Je nach den Temperaturwünschen in die Wohnung, ins Treppenhaus oder in die Garage (mit Frostwächter). Die Erfahrung: Wenig Rückschnitt und wenig Gießen. Im Frühjahr werden die Pflanzen dann wieder in Form gebracht und mit Flüssigdünger zum Wachsen angespornt. Den neubepflanzten Balkonkästen fügt sie etwas Langzeitdünger bei. Der Dank: Eine herrliche Blütenpracht. „Blumen sind Nahrung und Medizin für die Seele“, sagt Herma Laumer lächelnd.

Geranien rückschneiden

Tipps zur Überwinterung von Geranien: Außer etwas Sonne und Dünger brauchen sie nur wenig Pflege (Verblühtes entfernen). Vor der Überwinterung müssen die Triebe um mindestens ein Drittel gekürzt werden; beim Austrieb im März erfolgt dann ein weiterer Rückschnitt. Die Überwinterung startet vor dem ersten Frost (Treppenhaus, Kellerfenster). Oft beginnt der Austrieb recht früh, was Läuse oder andere Sauger anlockt. Wenn möglich, die Geranien dann an einen kühleren Platz umstellen oder das weiche Grün kürzen. Wenn die Frostgefahr vorbei ist, dürfen die Pflanzen ins Freie, sollten aber nicht sofort die volle Sonne abbekommen.

Auch Hermann Laumer, Maurermeister und ehemaliger Bauhof-Chef, liebt Pflanzen. Und er hat das nötige Know-how, die Ideen, in die Tat umzusetzen. „Ihr müsst ja verrückt sein, das ist ja mit Arbeit verbunden“, warnten Freunde und Bekannte, als die Laumers ihren kleinen Stadtgarten nach und nach in ein grünes Wohnzimmer verwandelten. „Im Garten zu werkeln war für mich nie eine Arbeit. Ich hab einfach Freude dran, was zu tun“, betont der rüstige Senior. Seine Gattin zeigt auf einige japanische Steinlaternen, die er als Unikate selber gegossen hat. „Marke Eigenbau“ und eine Attraktion zu jeder Tageszeit ist der beleuchtete Fischturm inmitten des kleinen Teichs. Sogar vom Esszimmer aus ist damit der Blick auf die Goldfische gewährleistet. Die auf einem Betonsockel stehende Säule aus Acrylglas hat einen Durchmesser von 40 Zentimetern. Interessierte Gäste informiert der Tüftler gerne über die Schritte von der Idee bis zur Umsetzung. Neben der Säule sorgen Seerosen und Iris für Farbtupfer.

15 Meter langer Wasserlauf

Der Teich entstand beim Gartenumbau im Jahr 2000. Die Kinder waren groß und so wurden nicht nur die Spielgeräte, sondern auch das gemauerte Schwimmbassin mühsam entfernt. Viele Arbeitsstunden steckte Hermann Laumer in den Teichbau und in einen 15 Meter langen Wasserlauf im natürlichen Gelände. Da kein Bagger in den kleinen Stadtgarten passt, musste er das gesamte Erdreich mit der Schubkarre vom Grundstück bringen. „Ich wollte nur eine kleine Wasserstelle. Aber wenn mein Mann zum Graben anfängt, ist er nicht zu stoppen“, fügt Herma Laumer lachend an. Sie präsentiert Bilder, die zeigen, wie das terrassierte Loch im Garten mit einem alten Teppich (anstelle eines Vlieses) ausgelegt und darauf eine Teichfolie aufgebracht wurde. Passend zum Element Wasser pflanzte das Ehepaar noch Bambus, allerdings ohne eine Rhizomsperre gegen die Ausbreitung vorzunehmen. Die Freude am Sichtschutz währte nicht lange: Die kräftig wachsenden Wurzeln stießen durch die Folie. „Darunter hatte sich ein dichtes Netzwerk an Wurzeln gebildet“, erinnert sich Hermann Laumer. Also alles noch mal von vorn: Steine raus, Wurzeln raus, Bambus weg und eine neue Spezialfolie rein. Mittlerweile ist der Teich wunderbar eingewachsen, unter anderem mit Prachtspieren (Astilben), und ein Idyll für viele Insekten. „Der Filter läuft regelmäßig , damit das Wasser klar bleibt“, sagt der stolze Besitzer. Er will die Fische ja auch sehen.

Schöner Platz für kleine Pausen

Ein kleiner Holzsteg führt vom Haus über den Teich zum Rasen mit der blauen Sitzbank. Ein schöner Platz für kleine Pausen. Gleich dahinter markiert die 55 Jahre alte Tanne dann auch schon die Grenze. „Den Baum haben wir in unserem ersten Ehejahr gepflanzt“, berichtet Herma Laumer. Sie könnte noch zu vielen langjährigen Begleitern eine Geschichte erzählen. An der Pergola klettert die Waldrebe (Clematis) mit ihren lila Blüten in die Höhe. Gegenüber hält sich die sehr wüchsige Ramblerrose „Bobby James“ an einem alt eingewachsenen Obstbaum fest. Auf dem kleinen Grundstück ist Platz für ein Gartenhaus, ein Kräuterbeet und eine Wildrosenhecke. Sogar Hortensien und Formgehölze fehlen nicht. Einjährige Sommerblumen sät die Hobbygärtnerin in mit Anzuchterde gefüllte Styropor-Kästen aus. Nach dem Pikieren (Verpflanzen der Sämlinge in kleine Kunststofftöpfchen) gibt sie ihre Pflanzenkinder auch gerne an Freunde und Bekannte ab.

Wir verlassen den hinteren Garten. An der Garagenwand fühlt sich ein mehrjähriger Hopfen wohl, der als dekorativer „Klettermax“ das Grünthema weiterführt. Vorne bei der Haustüre fangen die pinken Geranien den Blick, und im Blumenkasten gegenüber bildet die Süßkartoffel mit ihrem hellgrünen Blatt zur dunkelroten Geranie einen schönen Kontrast. Auch der Vorgarten ist gut bepflanzt. „Wenn hier alles blüht, ist es richtig voll“, sagt Herma Laumer. An der Hausfassade klettert die einjährige „Schwarzäugige Susanne“ gleich dreifarbig in die Höhe, dahinter teilen sich Stauden, Rosen, Buchs und weitere Formgehölze den Platz. An der Einfahrt thront die rund 40 Jahre alte Korkenzieherhasel. Damit diese nicht zu üppig wird, nimmt Hermann Laumer im Herbst alle Neutriebe des Jahres weg. „Die schaut dann immer aus wie frisch rasiert“, sagt seine Gattin augenzwinkernd. In die „dicken Knuppeln“ hängt sie die Weihnachtsbeleuchtung. Diese erfreut dann auch die Passanten, denen der Einblick in den oberen Stadtgarten verborgen bleibt.

Der Garten von Heidi und Hans Albang in Niesaß mit Rosen und Stauden

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Das Buch Oberpfälzer Gartenglück zeigt die Vielfalt des Gartelns in der Oberpfalz auf

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Hintergrund:

Der Garten von Herma und Hermann Leimer

Garteln liegt im Trend. Mit unserer Mini-Serie "Hobbygärtnern ins Beet geschaut" präsentieren wir die Vielfalt der Oberpfälzer Privatgärten. Und zwar vom "Rosen-Rasen-Traum" bis zum etwas wilden Naturgarten.

  • Standort: Mitterteich (Landkreis Tirschenreuth)
  • Größe: 300 Quadratmeter
  • Beschreibung: Der von der Straße nicht einsehbare Stadtgarten integriert auf engstem Raum einen Gartenteich mit 15 Meter langen Bachlauf im natürlichen Gelände. Hingucker ist eine beleuchtete Fischsäule. Die großzügige Terrasse mit Überdachung bietet Platz für viele Kübel- und Kletterpflanzen. Ein Holzsteg führt zur kleinen Rasenfläche mit Sitzbank.
  • Ein Beitrag aus dem Buch "Oberpfälzer Gartenglück" von Gertraud Portner; erschienen 2021 im Buch- und Kunstverlag Oberpfalz in der Battenberg-Gietl-Verlag GmbH; ISBN 978-3-95587-081-2.
  • Nächste Woche: "Grüner Dschungel": Naturgarten ohne Rasen und ohne Wiese. Dafür mit einer Vielzahl an einheimischen und exotischen Pflanzen sowie Steinen und Holzelementen.

"Blumen sind Nahrung und Medizin für die Seele."

Herma Laumer

 

 

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