03.08.2021 - 12:47 Uhr
OberviechtachBesserWissen

Parkgarten zum Verlieben: 200 Rosen verströmen gute Laune

Wenn Brautpaare im Garten für den Fotografen posieren, dann ist auch Heidi Albang glücklich. Sie liebt Stauden und Rosen, die sich mit ihrem Farbenspiel perfekt in Szene setzen. Die geschickte Kombination ergibt eine ungeheure Blütenfülle.

Heidi Albang freut sich über die zauberhaften Blüten der wuchsfreudigen Rose 'Gebrüder Grimm'.
von Gertraud Portner Kontakt Profil

Garteln liegt im Trend. Mit unserer Mini-Serie "Hobbygärtnern ins Beet geschaut" präsentieren wir die Vielfalt der Oberpfälzer Privatgärten. Und zwar vom "Rosen-Rasen-Traum" bis zum etwas wilden Naturgarten. Start ist in Niesaß (Gemeinde Oberviechtach).

Hinter Bäumen und Sträuchern verbirgt sich ein großer Garten im kleinen Dorf. Der Windschutz ist gewollt, ein Sichtschutz müsste nicht sein. Denn die Familie Albang heißt nach Anmeldung gerne Gartenfreunde willkommen und teilt mit ihnen die Freude über das Blütenmeer auf den rund 3000 Quadratmetern. Für Gäste ist sofort klar: Das ist kein Garten, das ist ein Park. Dazu passt auch die imposante Ruine der Burg Murach, die beim Blick über die freie Landschaft am Horizont erscheint.

Heidi und Hans Albang verbindet das gemeinsame Garteln schon seit drei Jahrzehnten. Seit dem Bau des Eigenheims hat sich der Garten immer wieder verändert. Denn fast jedes Jahr kommt etwas Neues hinzu. Ein Lieblingsplatz des Ehepaares ist auf der Bank unter der Birke. „Wir fahren im Sommer nicht in Urlaub, nur im Frühjahr ist eine Woche Radeln drin“, sagt Heidi Albang, „und selbst da wollen wir nur ungern weg.“ Denn wenn die Rosenblüte startet, beginnt die Zeit des Genießens. Schließlich sind sie Besitzer von rund 200 Rosenstöcken in 40 verschiedenen Sorten. „Ich kenne alle mit Namen“, betont die Hobbygärtnerin und zählt ihre Lieblinge auf.

Die Sammlung startete mit der rotblühenden ,Mariandl', einer kompakten Beetrose mit locker gefüllten Blüten. Die ,Gebrüder Grimm' sind seit über 15 Jahren ausdauernde Begleiter. Die zweifarbige, stark gefüllte Beetrose schillert von Juni bis September in einem Farbenspiel von orange bis pink. Sie ist leicht duftend, sehr robust und punktet mit einer guten Blattgesundheit. Der Strauch wächst buschig und erreicht knapp 80 Zentimeter. „Ein extrem schönes, glänzendes Blattwerk und resistent gegen alles“, schwärmt Heidi Albang. Diese Vorzüge sieht sie auch bei der Sorte ,Hansestadt Rostock' (Farbe: Bernstein-Apricot) die 2020 zur "Rose des Jahres" gewählt wurde. Im Herbst wurde ein Beet mit der Kleinstrauchrose ,Sirius' angelegt. Die 16 neuen Stöcke blühen in einem Creme-Weiß, das zur Blütenmitte in ein zartes Gelb übergeht. Den Hintergrund bildet die Ramblerrose ,Guirlande d´Amor' mit ihren kleinen weißen Röschen. Den Überraschungsknaller liefert im Sommer aber eine Ramblerrose, die sich in der Krone des Kirschbaums austobt und damit eine monatelange Kirschblüte vorgaukelt.

Das Paar pflanzt nur noch widerstandsfähige Rosen. Wenn welche trotzdem kränkeln, wird meist mit Erfolg zunächst ein anderer Standort versucht. Falls dies nicht klappt, fliegen sie raus! „Der Platz muss passen und sie müssen unser raues Klima auf 628 Höhenmeter packen“, erklärt Heidi Albang. Denn dann könne man auch darauf verzichten, gegen Rosenrost zu spritzen oder Stärkungsmittel wie Magnesium zu verabreichen. Großzügige Kompostgaben im Frühjahr sind aber selbstverständlich. Im Spätherbst werden die Rosen für den Winterschutz mit der „billigsten, ungedüngten Blumenerde“ angehäufelt. Das zeitaufwendige Abdecken mit Fichtenzweigen haben die Albangs eingestellt.

Eine Gärtnerregel besagt: "Rosen wachsen nur gut an Standorten, wo mindestens fünf Jahre vorher keine andere Rose war." Mit einem kompletten Bodenaustausch (mindestens 50 Zentimeter in die Tiefe) kann dieses Problem bei Neupflanzungen gelöst und Wachstumsstörungen vorgebeugt werden. Die Pflanzgrube wird dazu mit frischer, humusreicher Erde gefüllt. Achtung: Bei wurzelnackten Rosen nicht zu viel Kompost verwenden.

Mauern, Bögen, Säulen und Pflasterflächen sowie ein Pavillon gliedern das Grundstück der Familie Albang in mehrere Gartenzimmer. Mittelpunkt ist ein betonierter Gartenteich (6000 Liter), der seit der Anlage vor 20 Jahren naturnah eingewachsen ist. In den verschiedenen Zonen gedeihen unter anderem Seerosen, Blutweiderich, Schwertlilien, Katzenminze, Bambus und Dotterblumen. Etwa alle sechs Jahre wird der Teich komplett abgelassen und entschlammt. Vom Holzsteg aus lassen sich Krebse, Goldfische und die bunten Shubunkini (Mischung aus Goldfisch, Schleierschwanz und Koi) gut beobachten. Eisvogel und Ringelnattern sorgen allerdings schon mal für Schwund im Besatz. Neuestes Bauprojekt ist ein riesiger, schmiedeeiserner Torbogen auf zwei Granitsäulen, welcher auch einem Schlosspark gut zu Gesicht stehen würde. „Da passt ein Lkw durch“, meint Hans Albang lachend.

Beim Ausheben der Staudenbeete im leicht abschüssigen Gelände hat er auf Pflegeleichtigkeit geachtet: Mit einem Schlauch legte er die Rundungen so vor, dass er beim Mähen mit dem Rasentraktor „in Rekordzeit fertig ist“. Die Stauden sind neben den Rosen ein weiteres Highlight im privaten Parkgarten. Eine Auswahl: Phlox, Sonnenhut, Indianernessel, Eisenhut, Wilder Lavendel, Wollziest, Rittersporn, Fackellilien, Margeriten, Funkien und Lupinien. Aber auch Hortensien, Freesien, Heidekraut und Dahlien bereichern das Farbenspiel. Viele Stauden und Sträucher sind selber herangezogen. Das Grundprinzip: Die Staude nach dem Standort (Beet, Gehölzrand, Steingarten) aussuchen und den Boden so vorbereiten, wie die Pflanze es von zu Hause (Ursprungsland) gewöhnt ist. Verjüngung/Vermehrung: Wenn Stauden in der Mitte des Horstes vergreisen und nicht mehr so üppig blühen, sollte man sie teilen. Dazu frühestens zwei Wochen nach der Blüte ausgraben, die Stängel einkürzen und den Wurzelstock teilen. Manche Stauden werden schon nach drei bis fünf Jahren verjüngt (wie Katzenminze, Indianernessel), andere nach etwa sieben bis neun Jahren (Herbstaster, Rittersporn, Sonnenhut, Tränendes Herz). Bei manchen Stauden (wie Pfingstrose, Taglilie, Funkie) kann man sich noch länger Zeit lassen oder auch ganz auf die Verjüngungskur verzichten.

Hinterm Haus, am höchsten Punkt des Grundstücks, schließt sich der mit Buchs eingefasste Gemüsegarten an. Dieser ist dekorativ in einem Halbkreis angelegt. „Bei uns ist alles zwei Wochen später dran, als unten in der Stadt“, bedauert die Hobbygärtnerin. Das gilt sowohl für die Rosenblüte, als auch für die Gemüseernte. Die kürzere Vegetationszeit macht sich auch im Herbst bemerkbar. Doch das Gartenglück ist in Niesaß trotzdem perfekt. „Es macht keine Arbeit, sondern Spaß!“, stellt Heidi Albang fest und Gatte Hans nickt. Bevor sie den Feierabend auf der Terrasse genießen, wird gemeinsam der Garten auf Vordermann gebracht und Verblühtes abgezupft. Wenn sich dann am Morgen die Tautropfen in den Blütenkelchen sammeln, ist alles angerichtet für die Brautpaare, die sich keinen schöneren Rahmen für ihre Hochzeitsfotos vorstellen können. Bei den Fotografen ist der Albang-Garten schon längst kein Geheimtipp mehr. Und auch nicht bei den Rehen aus dem angrenzenden Waldstück, die auf der Suche nach frischem Grün gerne über den Rasen spazieren und aus den Beeten naschen.

"Oberpfälzer Gartenglück": So gartelt die Oberpfalz

Oberpfalz
Hintergrund:

Der Garten von Heidi und Hans Albang

Garteln liegt im Trend. Mit unserer Mini-Serie "Hobbygärtnern ins Beet geschaut" präsentieren wir die Vielfalt der Oberpfälzer Privatgärten. Und zwar vom "Rosen-Rasen-Traum" bis zum "etwas wilden" Naturgarten.

  • Standort: Niesaß/Oberviechtach (Landkreis Schwandorf).
  • Größe: 3000 Quadratmeter.
  • Beschreibung: Weitläufiges Gartengrundstück am Dorfrand mit mehreren Gartenräumen. Mauern und Pflasterflächen, Gartenteich, langgezogenen Staudenrabatten und rund 200 Rosenstöcken.
  • Ein Beitrag aus dem Buch "Oberpfälzer Gartenglück" von Gertraud Portner; erschienen 2021 im Buch- und Kunstverlag Oberpfalz in der Battenberg-Gietl-Verlag GmbH; ISBN 978-3-95587-081-2.
  • Nächste Woche: Kleiner Stadtgarten ganz groß. Herma und Hermann Laumer in Mitterteich zeigen, was sie auf 350 Quadratmetern alles unterbringen.

"Die Rose ,Gebrüder Grimm' hat ein extrem schönes glänzendes Blattwerk und ist resistent gegen alles."

Heidi Albang

 

 

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