10.06.2021 - 13:16 Uhr
Neustadt an der WaldnaabBesserWissen

Der Traum vom Palmen-Hain im Garten: Mit diesen Tipps wird er wahr

Die Chinesische Hanfpalme ist vor allem wegen ihrer Robustheit sehr beliebt. Auch in der Oberpfalz liebäugeln immer mehr Menschen mit der Pflanze, die tropisches Flair auf Balkon, Terrasse und Grundstück bringt. Gärtnermeister Reiner Steinhilber hat die Pflegetipps.

Links die Chinesische Hanfpalme, rechts eine Zwergpalme: Kunden fragen immer öfter nach Exoten, die dem Garten zumindest während des Sommers einen mediterranen Anstrich geben.
von Christa VoglProfil

ONETZ: Herr Steinhilber, in den Oberpfälzer Gärten sieht man immer öfter die Chinesische Hanfpalme. Und zwar nicht nur getopft, sondern in die Erde gepflanzt. Kommt diese Palmenart inzwischen mit unserem Oberpfälzer Klima gut klar?

Reiner Steinhilber: Das kann man so nicht sagen. In unseren Lagen benötigt selbst die Chinesische Hanfpalme während der Wintermonate unbedingt eine Abdeckung. Ganz wichtig ist, dass die Blätter ab minus zehn Grad Celsius geschützt werden, ansonsten nehmen diese Schaden. Auch die Wurzeln müssen vor dem Frost geschützt werden. Das kann über eine Wurzelheizung erfolgen. Ab minus 18 Grad Celsius muss die Palme aber zum Überwintern nach drinnen.

ONETZ: Sie sprechen hier von Schutz gegen Frost. Und was ist mit dem Schutz vor Nässe?

Reiner Steinhilber: Da wird es schon etwas schwieriger. Besonders das Palmenherz, das sich am oberen Ende des Stamms befindet, ist empfindlich gegen Nässe. Eine Möglichkeit ist das Zusammenbinden der Blätter. In botanischen Gärtnereien werden zum Beispiel auch Dächer aus Hohlkammerplatten um die Palme herum gebaut.

ONETZ: Und wenn die Palme getopft ist?

Reiner Steinhilber: Bei einer Überwinterung im Freien muss zusätzlich auch der Topf geschützt werden, am besten mit einer Noppenfolie.

ONETZ: Was ist zu tun, wenn die Palme während der Wintermonate trotz aller Vorsichtsmaßnahmen gelitten hat?

Reiner Steinhilber: Die alten Blätter sollten unbedingt entfernt werden. Aber Achtung: Je weniger Blätter vorhanden sind, desto weniger sollte gegossen werden, da gleichzeitig auch die Verdunstung über die Blätter abnimmt.

ONETZ: Wenn man eine Palme im Garten pflanzt: Wo würde sie sich am wohlsten fühlen?

Reiner Steinhilber: Es sollte dort hell und sonnig sein. Die Pflanzerde sollte eine Mischung aus durchlässigem Basalt oder Lava, Torf, Kompost und Sand sein. Man kann natürlich auch fertig gemischte Kübelpflanzerde verwenden.

ONETZ: Wie sieht die weitere Pflege während des Sommers aus?

Reiner Steinhilber: Palmen vertragen keine längere Trockenheit. Das heißt: Regelmäßig gießen ist sehr wichtig, aber Staunässe sollte unbedingt vermieden werden. Darum muss bei der Pflanzung auch unbedingt auf die Zusammensetzung des Substrats geachtet werden. Einmal pro Woche sollte auch gedüngt werden. Entweder mit gutem Blumendünger oder Spezialdünger für Kübelpflanzen.

ONETZ: Was kostet eine Chinesische Hanfpalme?

Reiner Steinhilber: Dies ist unterschiedlich und natürlich abhängig von Größe und Stammdurchmesser. Es geht bei kleinen Pflanzen um die 20 Euro los und nach oben gibt es keine Grenzen. Beim Kauf sollte allerdings berücksichtigt werden, dass Palmen generell keine schnell wachsenden Pflanzen sind und dass ihr Wachstum vor allem davon abhängt, ob sie ideale Bedingungen vorfinden.

ONETZ: Welche Parasiten und Krankheiten sind typisch für Palmen?

Reiner Steinhilber: Im Außenbereich sind Schädlinge bei Palmen eher selten. Palmen bekommen hauptsächlich im Winter Schädlinge, wenn sie bei trockener Luft in einem frostfreien Raum überwintert werden. Zum Beispiel Spinnmilben oder verschiedene Lausarten. Darum ist es wichtig, die Palmen regelmäßig mit Wasser zu besprühen und somit die Luftfeuchtigkeit erhöhen.

ONETZ: Gibt es Alternativen zur Chinesischen Hanfpalme für den Außenbereich?

Reiner Steinhilber: Es gibt verschiedene Palmen, die sich gut dafür eignen, den Sommer über im Freien zu stehen. Zum Beispiel die Yucca-Palme oder die Kanarische Dattelpalme. Eine Überwinterung im Freien ist aber bei diesen beiden Arten nicht möglich. Optimal ist für sie ein heller Wintergarten mit einer Temperatur um die fünf Grad Celsius. Und auch für die Chinesische Hanfpalme ist es, zumindest in der nördlichen Oberpfalz, eine Herausforderung, im Freien zu überwintern. Am ehesten gelingt dies im Raum Regensburg, da es dort durch die Donau wärmer ist.



Vorbote des Klimawandels? Palmen in Oberpfälzer Gärten

Parkstein
Reiner Steinhilber ist Gärtnermeister in Neustadt/WN.
Hintergrund:

Dekorative Palmen für Haus, Terrasse und Wintergarten

Yucca-Palme oder Riesen-Palmlilie (Yucca elephantipes)

Anspruchslos und dekorativ. Verwendung in Wohnräumen, Wintergärten oder Kalthäusern.

In den Sommermonaten kann die Pflanze auch draußen stehen. Sie ist frostempfindlich und mag sonnige Plätze.

Ursprüngliche Heimat: Mexiko und Mittelamerika.

Kanarische Dattelpalme (Phoenix canariensis)

Pflegeleicht, ein Hingucker auf Terrasse, Balkon und im Garten.

Frostempfindlich, steht gerne sonnig. Geeignet für drinnen und draußen (in den Sommermonaten).

Ursprüngliche Heimat: Kanarische Inseln. In der Natur ist sie dort allerdings kaum mehr zu sehen.

Chinesische Hanfpalme (Trachycarpus fortunei)

Wird in den Alpenländern auch Tessiner Palme genannt.

Mag es hell, liebt aber keine direkte Sonne.

Im Sommer kann sie im Freien stehen, im Winter braucht es draußen Frostschutz. Ab minus 18 Grad Celsius muss die Palme zum Überwintern nach drinnen.

Ursprüngliche Heimat: Burma, China und Japan. Inzwischen wächst sie wild in Italien sowie im milden Küstenklima von Irland, Schottland und England. (dt)

 

 

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