07.06.2021 - 17:42 Uhr
ParksteinOberpfalz

Palmenhaine künftig auch in der Oberpfalz?

Bisher waren Palmen in der Oberpfalz eher selten zu sehen. Mit den robusten Chinesischen Hanfpalmen kommt jetzt ein Neubürger in die Oberpfälzer Gärten. Sind das schon Vorboten des Klimawandels?

Noch ist die Chinesische Hanfpalme ein Exot in der Oberpfalz. Wird sie bald anstelle von Buchen und Eichen unsere Straßen säumen?
von Christa VoglProfil

Thomas Kappl ist zufrieden. Sehr sogar. Immerhin hat er gerade die letzte von insgesamt 330 Palmen verkauft. Alle zwischen 2,50 und 3,30 Meter hoch, alle von einem Züchter aus Spanien, alle getopft, alles Chinesische Hanfpalmen. „Ich war selbst überrascht, dass die Kunden so gut bestellt haben und die Pflanzen so schnell weg waren. Zumal wir auch außer über die sozialen Medien kaum Werbung dafür gemacht haben“, sagt Kappl, einer der beiden Geschäftsführer der Firma Rupprecht & Kappl aus Parkstein.

Der Oberpfälzer Jungunternehmer sieht verschiedene Gründe für den großen Erfolg des Geschäftsbereichs „Deine Gartenpalme“. Erstens: natürlich Corona. „Weltweit ist Reisen immer noch eingeschränkt und mit zahlreichen Auflagen verbunden. Da bleiben viele Menschen zu Hause“, sagt Kappl. Um den Garten etwas „aufzuhübschen“ und gleichzeitig ein bisschen Ferienfeeling zu sich nach Hause zu holen, würden sich viele dazu entschließen, eine oder gleich mehrere Palme zu kaufen. Entweder im Topf für die Terrasse, den Balkon oder das Gartenbeet.

Abschied von der Thujen- und Ligusterhecke

Zweitens: Der Abschied von der Thujen- und Ligusterhecke. Auch hier hört Thomas Kappl von Kunden immer wieder, dass sie sich von der altbackenen Thujenhecke verabschieden möchten, die früher oft als Sichtschutz gepflanzt wurde. Stattdessen werden inzwischen immer wieder auch exotische Alternativen – wie zum Beispiel die Chinesische Hanfpalme – an die Grundstücksgrenze gepflanzt und oft genug während der lauen Sommernächte zusätzlich mit Leuchten angestrahlt.

Und schließlich drittens: das Klima, oder besser gesagt der Klimawandel. Denn, so Kappl, durch die milderen Winter sei inzwischen gerade die robuste Chinesische Hanfpalme, die in vielen Ländern Europas heimisch ist und im Normalfall selbst ein Temperaturminimum von -18 Grad meistern kann, auch für unsere Breiten geeignet.

Palmenherz vor Nässe schützen

Allerdings wird in der Regel geraten, die Palmen, die den Winter im Freien verbringen sollen, vor Frost und Nässe zu schützen. Zumindest gilt dies für die raue Oberpfalz. In der Praxis heißt das: Die Wedel zusammenbinden, die Baumkrone mit Vlies einschlagen, den Stamm mit Sackleinen umwickeln und das Palmenherz vor Nässe schützen.

Stellt sich die Frage, ob diese Vorsichtsmaßnahmen künftig überflüssig werden, wenn die Temperaturen weiter steigen. Und ob vielleicht in Zukunft unsere Straßen ganz wie in Rom oder Neapel mit Palmen statt wie bisher mit Eichen und Buchen gesäumt sind. Und in welchem Zeitraum diese Entwicklung wohl stattfinden wird.

Deutlich weniger Frosttage

Andy Neumaier ist Meteorologe und Wetterexperte, er hat seit diesem Frühjahr selbst zwei kanarische Dattelpalmen auf der Terrasse stehen. Um diese Fragen zu beantworten, holt er einige Zahlen zur Entwicklung des Klimas in den letzten 40 Jahren hervor.

Zum Beispiel die Anzahl der Frosttage in Weiden: 1980 gab es 115 Frosttage, 2020 dagegen nur 65 Frosttage. Eine Abnahme fast um die Hälfte. Oder zum Beispiel die gemittelte Temperatur über das ganze Jahr, wieder in Weiden: diese ist im Zeitraum von 1980 bis 2020 um 3 Grad Celsius gestiegen. Oder zum Beispiel Monate, die im Jahreslauf als klare Ausreißer auffallen: Der Monat April war dieses Jahr bundesweit der kälteste April seit 1980.

Klima palmenfreundlicher

Was Neumaier mit diesen Zahlen ausdrücken will? „Auch in der Oberpfalz ist das Klima in den letzten 40 Jahren palmenfreundlicher geworden. Wesentlich weniger Frosttage, wärmere Temperaturen.“ Das heiße aber nicht, dass es eine Garantie für milde Winter gibt. "Ausreißer kann es immer geben", sagt der Wetterexperte. „Selbst wenn das in Zukunft seltener der Fall sein dürfte.“

In der Praxis bedeutet das zweierlei. Erstens: Palmenbesitzer, die kein Risiko eingehen wollen, werden sich auch weiterhin um einen ausreichenden Winterschutz ihrer exotischer Pflanzen im Garten kümmern müssen. Denn auch feuchtes Matschwetter vertragen die Pflanzen schlecht. Und zweitens: Keine Palmenhaine und Palmenalleen in der Oberpfalz. Zumindest nicht für die nächsten Jahre.

Pflege-Tipps für Palmen vom Gärtnermeister

Neustadt an der Waldnaab

Ein Garten mit blühenden Pfingstrosen

Winklarn

Ich war selbst überrascht, dass die Kunden so gut bestellt haben und die Pflanzen so schnell weg waren.

Thomas Kappl

Thomas Kappl

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.