19.11.2020 - 18:33 Uhr
TirschenreuthBesserWissen

Der Weg zur seniorengerechten Wohnung

Selbstbestimmt Leben im Alter: die Wohnberatung unterstützt Menschen dabei, die eigene Wohnung altersgerecht anzupassen. Eine Musterwohnung dafür befindet sich in Tirschenreuth in der Oberpfalz.

Wie fit bin ich noch? Ist meine Wohnung altersgerecht? Je früher man darüber nachdenkt, desto entspannter kann man einen möglichen Umbau planen.
von Christa VoglProfil

Beleuchtete Treppenstufen im Flur, eine Schwellenrampe an der Balkontür, Bügelklappgriffe am WC, eine bodengleiche Dusche mit Hocker, in der Küche die Herdüberwachung, um Brandgefahr zu vermeiden, und für den Fernseher eine Fernbedienung mit großen Tasten und Hintergrundbeleuchtung: manchmal bedarf es nur weniger Dinge, um das Leben von älteren Menschen einfacher und wieder lebenswert zu machen.

Anita Busch hat diese Erfahrung schon oft gemacht. Sie ist zertifizierte Wohnberaterin mit dem Schwerpunkt „Wohnen im Alter zuhause“, arbeitet in der Seniorenfachstalle am Landratsamt in Tirschenreuth – und betreut eine 100 m² große Musterwohnung, die nach Terminvereinbarung für jedermann zugänglich ist. In der Oberpfalz ist es die einzige Musterwohnung, bayernweit gibt es fünf davon. Überwiegend kommen zu ihr in die Ausstellungswohnung Menschen, die sich die Frage stellen: wie kann ich meine Wohnung so gestalten, dass ich auch bei Pflegebedarf oder Einschränkungen weiterhin in meiner Häuslichkeit bleiben kann?

ONETZ: Frau Busch, wie packt man die Umgestaltung der eigenen Wohnung oder des Hauses am besten an?

Anita Busch: Als erstes gilt es zu klären, ob die Wohnung gemietet ist oder ob es sich um eine Eigentumswohnung handelt. Ist die Wohnung nämlich gemietet, so müssen bauliche Veränderungen auf jeden Fall vorher mit dem Vermieter abgeklärt werden. Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch die Frage, ob beim Auszug ein Rückbau notwendig ist oder nicht. Die Zustimmung des Vermieters ist für bauliche Veränderungen unbedingt notwendig.

ONETZ: Und wie läuft eine Wohnberatung bei Ihnen in der Musterwohnung ab?

Anita Busch: Wir haben eine Kriterienliste für barrierefreies und seniorengerechtes Wohnen erstellt. Das ist eine Checkliste mit einfachen Fragen, die mit „Ja“ oder „Nein“ zu beantworten sind. Sie betreffen den gesamten Wohnbereich, das geht vom Hauseingang bis zum Keller. Diese Checkliste kann man bei mir abholen, wir schicken sie aber auch zu. Und natürlich gibt es sie auch online (s. Infokasten). Dann kann man die Liste schon vorher zu Hause ausfüllen.

ONETZ: Sie sehen dann anhand dieser Liste, wo Handlungsbedarf ist?

Anita Busch: Ja, durch die Liste erhält man einen sehr guten Überblick darüber, wo es Stolperfallen gibt, wo Hilfsmittel fehlen und wo bauliche Maßnahmen erforderlich sind.

ONETZ: Wie findet man heraus, wer der zuständige Wohnberater in der Nähe ist?

Anita Busch: Im Allgemeinen gibt es haupt- und ehrenamtliche Wohnberaterinnen und –berater. Diese sind meist an Landkreise oder die Kommunen angegliedert. Über diese Stellen kann man Kontakt aufnehmen. Auch die Bayerische Architektenkammer bietet eine kostenlose Erstberatung.

ONETZ: Gerade ältere Menschen möchten oft von ihrer großen Wohnung in eine kleinere, barrierefreie Wohnung umziehen. Wo findet man diese?

Anita Busch: Das Angebot für altersgerechte und barrierefreie Wohnungen ist leider noch sehr begrenzt. Anfragen können bei Wohnungsbauunternehmen, Kommunen oder Immobilengesellschaften gestellt werden. Zu Wohnformen wie z.B. Betreutes Wohnen kann die Seniorenfachstelle Auskunft geben.

ONETZ: Und was ist in Bezug auf "altersgerecht" zu beachten, wenn man ein neues Haus baut ?

Anita Busch: Natürlich sollte man dabei zum Beispiel auf Stufen, Schwellen, breite Türen, eine barrierefreie Dusche und auf die Vermeidung von Stolperfallen achten. Gute Ansprechpartner beim Neubau sind Architekten, Bauingenieure oder auch Handwerker bzw. die Fachstelle Barrierefreiheit bei der Bayer. Architektenkammer.

ONETZ: Welche Produkte stellen Sie hier in der Musterwohnung vor?

Anita Busch: Die Wohnberatung ist immer neutral und mit keinem Verkaufsinteresse verbunden. Über Neuerungen auf dem Markt halten sich die Wohnberater durch Messebesuche auf dem Laufenden. Oder ganz einfach durch Erfahrungsaustausch. Manchmal kommen auch Hersteller zu uns, um ein Produkt vorzustellen.

ONETZ: Kümmern Sie sich auch um die Bestellung der Produkte oder um die Handwerker?

Anita Busch: Nein, ich berate nur. Ich stelle Produkte vor, ich zeige Möglichkeiten auf und informiere. Üblicherweise ist es so, dass der Interessent das entsprechende Kostenangebot - zum Beispiel für den Einbau eines Treppenlifts oder einer bodengleichen Dusche - über einen Handwerker vor Ort einholt und diese dem Leistungsträger vorlegt wegen einer finanziellen Förderung.

ONETZ: Kommen Sie bei Bedarf auch in die Wohnung des Ratsuchenden?

Anita Busch: Wohnberatung kann auch in der Wohnung des Ratsuchenden erfolgen. Das ist der Fall, wenn vor Ort noch bestimmte Fragen zur Wohnsituation zu klären sind. Wir machen das allerdings nur innerhalb unseres Landkreises. Aber andere Landkreise haben ja ebenfalls Wohnberater und üblicherweise genügt dort ein Anruf, um zu klären, ob ein Besuch in der eigenen Wohnung möglich ist.

ONETZ: Muss der Interessent die anfallenden Kosten für den Umbau selbst tragen?

Anita Busch: Das kommt natürlich auf die jeweilige Situation an. Es gibt verschiedene Träger und verschiedene finanzielle Förderungsmöglichkeiten, die dabei in Anspruch genommen werden können. Eine entsprechende Übersicht erhalten Sie von mir, sie ist aber auch auf der Webseite der Digitalen Wohnberatung Bayern zu finden (s. Infokasten). Anträge können bei verschiedenen Trägern gestellt werden, das funktioniert wie bei einem Baukastensystem. Allerdings muss ich dazu sagen, dass die Zuschüsse in diesem Bereich nicht so üppig sind. Die Mehrkosten für eine barrierefreie Wohnung sind aber auf jeden Fall eine gute Investition in die Zukunft. Denn es gilt: Einmal barrierefrei, immer barrierefrei.

Info:

Kontaktstellen und Einsatzbereiche der Wohnberatung

Kommunale Wohnberatungsstelle

Landkreis Tirschenreuth

Tel. 09631 88-427

Besichtigung der Musterwohnung und Beratung

anita.busch[at]tirschenreuth[dot]de

www.digitale-wohnberatung.bayern

Wohnungsberatungsstellen und Wohnungsberatungsangebote im Freistaat Bayern:

Nachfrage bei der Kommune oder dem zuständigen Landratsamt oder über

www.wohnen-alter-bayern.de//wohnberatung.html

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