15.10.2021 - 12:08 Uhr
UrsensollenBesserWissen

Interview: Reise ins Weltall im Planetarium in Ursensollen

Einen Flug ins Weltall können sich bisher nur die wenigsten leisten. Erschwinglich dagegen ist die Buchung einer Vorführung in einem 3-D-Planetarium. Damit wird ein Flug durch das Sonnensystem möglich.

Nordamerikanebel (NGC7000) im Sternbild Schwan: Seinen Namen erhielt der Nebel aufgrund seiner Form, die an eine Landkarte des nordamerikanischen Kontinents erinnert.
von Christa VoglProfil

Der Große und der Kleine Wagen: Sie gehören wohl zu den bekanntesten Konstellationen am Sternenhimmel. Und auch zu den wenigen, die die meisten von uns beim nächtlichen Blick in den klaren Nachthimmel ohne größeren Aufwand aufspüren können. Weit schwieriger wird es, wenn es darum geht, Sternbilder wie zum Beispiel Bärenhüter, Wasserträger, Fuhrmann, Kassiopaia, Pegasus oder den Kleinen Bär zu finden. Kein Problem stellt das allerdings für Matthias Mändl dar. Der 61-jährige Oberpfälzer ist Physiker, Professor an der OTH in Amberg – und Vorsitzender des Vereins Sternfreunde Amberg-Ursensollen, der ein Planetarium und eine Sternwarte in Ursensollen betreibt.

ONETZ: Herr Mändl, was ist eigentlich der Unterschied zwischen einer Sternwarte und einem Planetarium?

Matthias Mändl: In einer Sternwarte stehen Teleskope, mit denen man in den echten Sternenhimmel schaut. In klaren Nächten kann man damit am Nachthimmel Objekte betrachten wie zum Beispiel die Milchstraße, Gasnebel, Planeten, Galaxien. In einem Planetarium wird dagegen das Ganze in eine Kuppel projiziert, so dass die Besucher den Eindruck haben, als wäre man unter dem Sternenhimmel. Projiziert werden kann dabei alles, was im Weltall je fotografiert wurde. Früher gab es dazu Sternenprojektoren, heute macht man das digital mit entsprechenden Beamern. Der Vorteil von Planetarien: man ist unabhängig von der Witterung.



ONETZ: Im Planetarium schaut man also nach oben in eine Kuppel und sieht sich Fotos von Sternen an?

Matthias Mändl: Wir haben in Ursensollen ein 3-D-Planetarium. Etwas Vergleichbares gibt es in Deutschland nur noch in Hamburg. Das Besondere daran: Man kann nicht nur Sterne projizieren, es ist auch möglich, rauszufliegen ins Weltall: Man kann durch das Sonnensystem fliegen und die Besucher dabei mitnehmen. 3-D kennt man vom Kino. Mittels einer besonderen Brille hat man den Eindruck, als würde man alles dreidimensional sehen. Während der Flüge durch das Sonnensystem hängt die Erde wirklich vor der Nase der Besucher. Das ist schon beeindruckend.

ONETZ: Wenn man von Sternen und Sternbildern keine Ahnung hat, wenn man aber mehr darüber wissen will. Was ist der beste Einstieg?

Matthias Mändl: Eigentlich gibt es kein besseres Mittel, um die Leute für Astronomie zu begeistern, als der Besuch im Planetarium. Wir haben verschiedene Themenfilme, die wir je nach gebuchter Vorstellung zeigen. Vorher gibt es aber immer eine Einführung mit Erklärungen zum aktuellen Sternenhimmel, das nennt sich: „Sterne in der Oberpfalz“. Dabei erfahren die Besucher zum Beispiel, welche Planeten man gerade am Himmel sieht, was es mit dem Sonnensystem auf sich hat, wie unsere Milchstraße aussieht. Und natürlich erklären wir auch die Sternbilder, die derzeit zu sehen ist. Das ist wirklich eine ideale Einführung in das Thema Astronomie.

ONETZ: Ja, aber zu Hause hat man keine Sternwarte und kein Planetarium. Zuhause steht man dann wieder vor der Haustür, blickt in den Himmel, sieht die Sterne - und kann sich nicht besser orientieren als vorher.

Matthias Mändl: Auch hier gibt es seit einigen Jahren etwas Neues: Nämlich Apps für das Smartphone, mit denen man ganz leicht Sternbilder identifizieren kann. Auf der Sternwarte in Ursensollen haben wir uns zum Beispiel für die App „Stellarium“ entschieden. Das Schöne an diesen Apps: Wir haben in der Vergangenheit die Erfahrung gemacht, dass sich besonders junge Leute dafür begeistern können.

Prof. Dr. Mändl: "Wir haben in Ursensollen ein 3D-Planetarium. Das besondere daran: Man kann nicht nur Sterne projizieren. Man kann auch durch das Sonnensystem fliegen und die Besucher dabei mitnehmen."

ONETZ: Und wie funktioniert das Bestimmen der Sternbilder mit einer solchen App?

Matthias Mändl: Die Handhabung ist sehr einfach: Man hält das Smartphone in den Himmel, richtet es auf die Sterne, deren Namen man wissen möchte und erhält sofort die gewünschte Information. Das funktioniert super. Und ist auch für Anfänger sehr gut geeignet. Im Normalfall sind Smartphones heute mit allen dafür notwendigen Navigationsinstrumenten ausgestattet, vom Kompass bis zum Neigungssensor. Das ist einfach absolute Hightech in einem winzigen Gerät.

ONETZ: Was ist Ihr Lieblingsstern?

Matthias Mändl: Eines der schönsten Objekte ist der große Orionnebel am Nordhimmel. Das beeindruckt mich immer wieder aufs Neue. Aber auch der Mond - unser nächster Nachbar - ist faszinierend. Wenn man mit unseren Teleskopen an der Licht-Schattenseite entlangwandert und die Kraterschatten sieht, das ist einmalig. Obwohl das gar nicht weit weg ist. Also in astronomischen Maßstäben.

ONETZ: Viele Menschen beenden ihre Mails mit „Viele Grüße“, Sie schreiben am Ende stattdessen „Clear Skies“.

Matthias Mändl: Sternenfreunde wünschen sich immer einen klaren Himmel. Denn nur dann können die verschiedenen astronomischen Objekte des Sonnensystems und der Milchstraße – Sterne, Sternenhaufen und Nebel - mit den Teleskopen beobachtet werden. „Clear Skies“, das ist der Gruß unter Astronomen.

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Info:

Planetarium und Sternwarten in der Oberpfalz

 

 

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