09.09.2020 - 12:20 Uhr
Weiden in der OberpfalzBesserWissen

Wer sein Fahrrad liebt, der putzt

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Eine regelmäßige Reinigung des Rads sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Besonders wichtig ist sie aber, bevor das Bike in den Winterschlaf geht. Mit Sprühwachs hat Korrosion keine Chance. Auch wer im Winter radeln will, kann so sein Rad vor Salz schützen.

Rainer Ziegler von der „Bike Station“ in Weiden zeigt, wie sich ein Fahrrad mit wenigen Handgriffen an der Wand befestigen lässt. Er warnt aber auch davor, ein schweres E-Bike an den Haken zu hängen.
von Helmut KunzProfil

Wer viele Jahre lang Freude an seinem Fahrrad haben möchte, sollte einige Ratschläge befolgen, bevor er sein Bike in den Winterschlaf versetzt. Wer sein Rad schlecht auf die kalte Jahreszeit vorbereitet, läuft Gefahr, dass er sich womöglich vorzeitig ein neues anschaffen muss. Zuallererst sollte man sich die Mühe machen, das Rad zu putzen, bevor man es über die kalte Jahreszeit im Keller verstaut. "Am besten mit einem Reinigungsmittel, das den Lack nicht angreift", rät Jürgen Schertl.

Der Rad-Profi im "Zweirad-Center" in Weiden empfiehlt, nach der Reinigung den kompletten Rahmen - vor allem aber auch die Felgen - mit einem Konservierungsmittel zu pflegen. "Idealerweise in Wachsform." Erhältlich ist es als Sprühwachs oder in der Tube. "Das gibt es im Fahrradfachhandel, aber auch beim Autozubehör." Glänzen Rahmen und Speichen, sollte auch die Kette gereinigt werden. "Sie muss tüchtig eingeölt und dann mit einem Tuch trocken gerieben werden. Man will ja später keine Ölflecken auf dem Boden oder an der Kleidung haben." Noch ein Tipp: Vorher mit einem Auto-Shampoo über die Kette gehen. Früher legte man die Fahrradketten im Herbst komplett in Öl ein. "Heute sind die Reinigungsmittel so gut entwickelt. Das braucht man nicht mehr tun", beruhigt Jürgen Schertl.

Felgen entlasten

Ist die Kette richtig geölt, wollen die Reifen aufgepumpt werden. Das bestätigt auch Profi Rainer Ziegler von der Weidener "Bike Station". "Der Luftdruck sollte so stark sein, wie am Reifen angegeben. Und er sollte von Zeit zu Zeit überprüft werden. Auf keinen Fall darf das Rad über Monate mit einem Platten auf der Felge stehen." Wer die räumlichen Voraussetzungen mitbringe, sollte sein Rad den Winter über idealerweise an Wand oder Decke aufhängen. Diese Lösung schaffe Raum und entlaste den Dauerdruck auf die Felgen, sagt Jürgen Schertl. Man brauche dazu nur Haken, eine Bohrmaschine, ein paar Dübel und Schrauben. "Jeder Heimwerker kann das." Solch ein Aufwand müsse aber gar nicht sein, außer er diene zum Platzsparen, meint Rainer Ziegler. Man könne sein Rad ohne weiteres auch in die Garage stellen. Und niemand solle auf die Idee kommen, sein E-Bike an den Haken zu hängen. "Das ist zu schwer und der Rahmen könnte sich verziehen."

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Weiden in der Oberpfalz

Schon beim Putzen müsse auf saubere Speichen und Nippel, die die Speichen mit den Felgen verbinden, geachtet werden, weiß Schertl, der hier aber zur Vorsicht mahnt: Niemals die Scheibenbremsen mit Öl behandeln. "Das wäre schlecht, denn dann gehen die Bremsbeläge kaputt." Um im nächsten Frühjahr sofort wieder auf ein fahrbereites Rad aufsteigen zu können, sollte der Radler bereits im Herbst schon mal alle Schrauben nachziehen und auch das Licht auf Funktion überprüfen. "Was ich auch noch machen würde: den Sattel herausziehen und im lockeren Zustand wieder einsetzen, damit er bis zum Frühjahr nicht in der Sattelstütze korrodiert." Recht viel mehr brauche der Hobby-Radler nach Ansicht des Experten nicht zu beachten.

In trockenem Raum lagern

Das Rad sollte während der Wintermonate idealerweise im Keller oder in einer Garage eingelagert werden. "Es kann aber auch jeder andere trockene Raum sein." Wichtig sei: Das Rad sollte nicht mit Feuchtigkeit oder Salz in Kontakt kommen. Natürlich gibt es Radfahrer, die ihr Bike auch im Winter kurzzeitig nutzen. "Dann aber unbedingt die Nippel an den Felgen dick mit Wachs einsprühen. Das ist wichtig, weil sich hier gerne Rost ansetzt." Auch für die Kette gelte bei kurzen Wintereinsätzen: einölen und mit Wachs konservieren. Wer regelmäßig nach einer Woche sein Rad mit Wasser vom Salz befreie, mache bestimmt nichts falsch.

Viele Radler sind inzwischen E-Bike-Fahrer. Der Akku sollte vor der Überwinterung zwischen 50 und 70 Prozent aufgeladen sein. Die ideale Lager-Temperatur liege zwischen 10 und 15 Grad. Lecke das Thermometer kurzzeitig an der Null-Grad-Marke, schade dies dem E-Bike auch nicht. Wichtig sei, den Akku bei über Null Grad herauszunehmen und zu lagern. Diesen Ratschlag bekommt der Biker von Rainer Ziegler. Man solle dabei niemals solange warten, bis das Thermometer unter die Null-Grad-Grenze falle. Das schädige die Zellen und verursache bleibende Schäden am Akku.

Akkus im Frühjahr einsetzen

"Wird er zu warm gelagert, stresst das die Zellen aber auch und verkürzt die Lebensdauer des Akkus." Für Jürgen Schertl ist also der Heizungskeller der falsche Aufbewahrungsort für die teuren Batterien. Eingesetzt werden sollte der Akku erst wieder im Frühjahr bei Saisonbeginn. Wer sein E-Bike auch im Winter nutzen wolle, könne dies natürlich tun. Hier ist zu beachten: "Den Akku aufladen, losfahren und ihn am Zielort in einen beheizten Raum mitnehmen."

Wie beide Fahrrad-Experten übereinstimmend versichern, ist die Winterpflege eines E-Bike-Rahmens mit der eines herkömmlichen Fahrrad-Rahmens gleichzusetzen. Beim Putzen und Reinigen sollte man allerdings beherzigen: Kein Wasser in den Motor oder in den Akku spritzen. An diese Stellen sollte der E-Bike-Fahrer mit einem feuchten Tuch oder Lappen herangehen.

Einmal im Jahr zur Inspektion

Wer beim Check vor dem Einwintern einen Schaden oder ein größeres Problem an seinem Rad feststelle, der sollte sich beizeiten - am besten noch im Spätherbst - um einen Termin beim Fachhändler für das nächste Frühjahr bemühen. "Februar und März sind die günstigsten Zeiten für eine Inspektion." Noch besser sei es, die Inspektion schon auf den Spätherbst oder Winter zu legen. Rainer Ziegler: "Dann sind die Werkstätten nicht ausgelastet und jeder bekommt seinen Termin sofort." Wer sein Fahrrad liebe und es für lange Zeit erhalten wolle, selbst aber handwerklich nicht dazu in der Lage sei, sollte wenigstens einmal im Jahr damit zur Inspektion. Jürgen Schertl: "Hier werden nicht nur Kette und Schaltung nachgestellt, hier wird beim E-Bike auch das neueste Update aufgespielt."

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Glänzen Rahmen und Speichen, sollte auch die Kette gereinigt werden. Jürgen Schertl vom „Zweirad-Center“ in Weiden zeigt, wie man das Fahrrad winterfest macht.

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