18.08.2020 - 17:25 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Fahrraddieben das Leben schwer machen

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Absolute Sicherheit gibt es nicht - auch nicht gegen Fahrraddiebstahl. Die Polizei rät zum Fahrradpass, um Langfinger besser ermitteln zu können. Hochwertige Technik bei Schlössern vermasselt Dieben die Tour.

Befestigen lässt sich ein Fahrradschloss idealerweise direkt am Bike.
von Helmut KunzProfil

Fahrraddiebe werden immer dreister. "In letzter Zeit kristallisiert sich immer mehr heraus, dass ganz gezielt hochwertige Fahrräder, gerade E-Bikes, in Kellerabteilen oder Garagen angegangen werden", berichtet Polizeihauptkommissar Johann Wurm aus Weiden. "Oft haben wir hier Fälle, da werden gleich drei, vier Räder verladen. Die wiederzufinden, ist im örtlichen Bereich extrem schwierig." Hier würden meist überregionale Tätergruppen agieren.

"Es gibt immer wieder Möglichkeiten, wie man in die Wohnanlagen hineinkommt", warnt Wurm. Garagentore würden häufig offengelassen. Täter würden sofort erkennen, wenn darin hochwertige Fahrräder abgestellt seien. "Sperrt man am Abend nicht ab, ist das Rad weg." Gerne lauerten Täter auch vor Tiefgaragen oder Haustüren von Mehrfamilienhäusern. Dort warteten sie nur auf die Gelegenheit. Wenn jemand die Tür öffne, "dann huschen sie hinterher". Oft seien Haustüren tagsüber gar nicht abgesperrt und nur angelehnt.

Auch im Keller sichern

"Es empfiehlt sich immer, sein Fahrrad auch im Kellerabteil noch mit einer massiven Kette zu sichern, es an einem Balken oder einem Haken zu fixieren", sagt der Polizist. Fahrräder, die außer Haus oft bei Veranstaltungen gestohlen würden, seien nicht selten geringwertiger. Denn dieser Täterkreis sei oft "einfach nur zu faul, zu Fuß nach Hause zu gehen".

Die wichtigste Empfehlung der Polizei: Jeder sollte sein Rad registrieren lassen. "Am besten in Form eines Fahrradpasses, den es in den Polizeiinspektionen gibt." Auf www.polizei-beratung.de können ihn Interessierte herunterladen. Auch als App ist der Fahrradpass inzwischen verfügbar.

Jeder Eigentümer sollte zudem unbedingt die Rechnung aufheben. "Wichtigstes Indiz ist die Rahmennummer, die in der Regel am Tretlager angebracht ist." Die Polizei habe nur dann eine Chance, das Fahrrad wiederzufinden, wenn sie auch die entsprechende Rahmennummer im System gespeichert habe. "Wir haben Dateien mit allen Marken", erklärt Polizeihauptkommissar Johann Wurm. Außerdem sollte jeder auch ein Foto von seinem Fahrrad parat haben, sollte ein Diebstahl angezeigt werden müssen. "Es kommt immer wieder mal zu Fahndungserfolgen, wenn das Rad registriert ist."

Auf Rahmennummer sicher

Bestes Beispiel: "Wir kontrollieren und überprüfen die Nummer. Haben wir die gespeichert, können wir das Rad jederzeit zuordnen." Ansonsten sei die Erfolgsaussicht, das gestohlene Fahrrad wiederzubekommen, eher gering, gibt der Beamte zu. "Das scheitert oft auch daran, dass Besitzer älterer Fahrräder oft keine Unterlagen mehr von ihrem Rad haben." Wurm: "Wir können dann nur nach der Beschreibung gehen. Aber schwarze Herrenräder gibt es viele."

"Die flexibelsten Fahrradschlösser sind die klassischen Ketten- oder Spiralschlösser, mit denen man sein Rad am nächsten Baum oder Gartenzaun festmachen kann", erklärt Walter Arnold, Geschäftsführer im "Cube-Store" in Weiden. Es gibt sie als Zahlen- oder Schlüsselschlösser. Für die Sicherheit ist das nicht ausschlaggebend. "Niemand knackt die Kette am Schloss, sondern immer nur im Mittelteil."

Für besonders effektiv hält Arnold Faltschlösser, die man sich wie ein zusammengefaltetes Metermaß vorstellen muss. "Die kann ich nur mit einer Flex öffnen." Solche Sicherheitsschlösser kosten ab 70 Euro aufwärts. "Ein Dieb kriegt jedes Schloss auf. Das muss man wissen. Es geht nur um Zeit, die er dazu braucht, und den jeweiligen Aufwand." Ein Ketten- oder Spiralschloss knacke ein Täter mit dem Bolzenschneider in Sekunden. Für ein Faltschloss aus Werkzeugstahl brauche er mit der Flex drei bis fünf Minuten. "Länger dauert nichts."

Mit Hausrat versichert

Je teuerer und hochwertiger das Rad, um so mehr lohnt es sich, über eine Versicherung nachzudenken. Das Fahrrad kann über die Hausratversicherung abgesichert werden, erklärt Markus Linke, Versicherungskaufmann im Büro von Berthold Maier von der Versicherungskammer Bayern. "Preislich begrenzt oder unbegrenzt, je nachdem, wie teuer das Fahrrad ist." Ein E-Bike bis 300 Watt sei einem normalen Rad gleichgestellt und automatisch mitversichert. "Und zwar 24 Stunden lang, wenn es abgesperrt ist. In diesem Fall ist es auch egal, wo das Fahrrad steht." Eine spezielle Schlossform werde nicht vorgeschrieben. Nur abgesperrt müsse es sein.

"Habe ich ein wertvolles E-Bike, gibt es einen prozentualen Einschluss in die Hausratsversicherung. Teuer ist das nicht. Das ist ganz individuell von der jeweiligen Versicherungssumme abhängig." Die Anzahl der Räder in einem Haushalt sei nicht begrenzt.

Was man über E-Bikes wissen sollte

Weiden in der Oberpfalz

Keine Ausschlusszeiten mehr

"In alten Verträgen gibt es eine Nachtklausel von 22 bis 6 Uhr früh. Wird das Rad in diesem Zeitraum vor dem Haus gestohlen, gibt es keine Entschädigung. Nur bei Einbruchdiebstahl", sagt der Versicherungsexperte. In neueren Verträgen gebe es keine Ausschlusszeiten mehr. Wer seine Räder nicht über seine Hausrat-Police versichern möchte, kann sich an den Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club e. V. (ADFC) werden. Zusammen mit einem Partner bietet der Verein für Mitglieder eine Fahrraddiebstahl-Versicherung an.

Für den Geschäftsführer des "Cube-Store" in Weiden, Walter Arnold, ist das Faltschloss die effektivste Form der Sicherung von Fahrrädern.
Polizeihauptkommissar Johann Wurm rät Fahrradbesitzern, ihren Drahtesel auch in Kellerräumen oder Garagen mit Schlössern zu sichern.

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