11.08.2020 - 12:37 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

E-Bikes erweitern den Radler-Horizont

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E-Bikes sind im Handel derzeit der große Umsatzbringer, und nicht nur ältere Radler und Untrainierte steigen auf die Elektrofahrräder um. Auch wenn es viele Skeptiker und Lästerer gibt - der Boom ist nicht mehr aufzuhalten.

Die Zahl der verkauften Elektrofahrräder in Deutschland steigt und steigt. Längst steigen aber nicht nur Senioren oder Unsportliche auf das E-Bike um, auch viele Familien greifen zu.
von Helmut KunzProfil

Herbert Deutschländer schmunzelt auf die Frage hin, was er wohl empfinde, wenn ihn Senioren mit ihren E-Bikes überholten: "Es gibt keinen E-Biker, der mich überholt. Bergauf vielleicht", brüstete sich der trainierte Radsportler vom Weidener Velo-Club Corona und lacht. Allerdings erkennt er hinter dem aktuellen E-Bike-Trend ein ganz anderes Problem: "Da kaufen sich viele unerfahrene Leute, die nie vorher mit dem Rad gefahren sind, ein E-Bike und tauchen damit an den unmöglichsten Stellen auf." Gott sei Dank gebe es in der Oberpfalz genügend Platz. "Wenn einer mit dem E-Bike fahren will, soll er das tun. Ich sehe das eben von der sportlichen Seite her eher seltsam."

Fahradhändler Peter Stadler aus Amberg hat da freilich eine andere Meinung: "Das E-Bike erleichtert das Radlfahren", sagt er. "Früher hat man sich geschämt für die motorisierte Unterstützung. Inzwischen ist das E-Bike gesellschaftsfähig." Umfragen unter Fahrradhändlern in der Region machen eines deutlich: Das herkömmliche Rad wird langsam ausgebremst. Heute interessierten sich 90 Prozent der Käufer für die E-Variante und gäben entsprechendes Geld dafür aus.

Das Angebot richte sich inzwischen an alle Generationen, unterstreicht der Radexperte vom Zweiradcenter Weiden, Philipp Schraml. Vier große Marken teilten sich den Markt bei den Elektromotoren. Das momentan größte Zugpferd sei die Firma Bosch. "E-Bikes sind ein Riesentrend, schon seit Jahren." Durch die Corona-Krise habe das E-Bike noch einmal einen großen Schub bekommen, weil anscheinend viele Leute nicht verreisen könnten.

In der Anfangszeit habe sich überwiegend die ältere Generation für einen Kauf interessiert, so Schraml. In letzter Zeit seien auch viele junge Leute aufs E-Bike gekommen. "Das geht so ab 25 Jahren los. Meistens sind das Familien mit Kindern, die sich auch einen Anhänger dazu kaufen."

Eine große Rolle bei der Kaufentscheidung spielten die Rahmenhöhe, die Motorisierung und die Batteriestärke. "Es gibt mittlerweile eine Riesenauswahl an Akkus namhafter Hersteller", sagt der Experte. Die Akkuleistung habe sich in letzter Zeit weiterentwickelt. "Seit heuer gibt es einen 625-Watt-Akku. Das ist momentan der leistungsstärkste von der Firma Bosch." Andere Hersteller schafften sogar noch höhere Motorleistungen.

Der richtige Akku ist wichtig

Für welchen Akku man sich letztendlich entscheide, liege natürlich am Fahrer selbst. "Fährt er zum Einkaufen oder nur kleinere Wege, würde ein kleiner Akku mit 400 Watt durchaus genügen." Wer Touren fahren wolle, weitere Strecken oder sogar in die Berge, der sollte sich für einen leistungsstarken Akku entscheiden, empfiehlt Schraml. "Weil er dadurch natürlich mehr Reichweite hat und seine Tour intensiver ausleben kann." Bei sparsamer Zuschaltung könne man mit einem 625-Watt-Akku 140 Kilometer weit fahren. 70 Kilometer schaffe man immerhin noch im Turbo-Modus.

500 Watt - die gängigste Akku-Variante - reichten bei sparsamer Behandlung für 110 Kilometer oder 50 Kilometer in der Hochleistungsstufe. Das seien realistische Werte. Berücksichtigen müsse man allerdings das Gewicht des Fahrers und den fahrbaren Untergrund. "Auf Asphalt geht's weiter als auf Wald- und Wiesenwegen." Je höher die Akku-Leistung, desto teurer die Fahrräder. "Die 3200 Euro aufwärts müssen einem die 625 Watt dann schon wert sein."

Wer übergewichtig ist, sollte unbedingt ein E-Bike kaufen, das auf seine Gewichtsklasse ausgelegt sei. "Die meisten Räder bewegen sich bis zu einem Benutzergewicht - also Rad mit Fahrer - von 140 Kilogramm." Räder für Schwergewichtige besäßen verstärkte Rahmenteile. "Solche E-Bikes wären dann bis 180 Kilogramm belastbar."

Eine Helmpflicht gebe es im E-Bike-Bereich aktuell leider noch nicht. "Ob sie kommt oder nicht, das steht in den Sternen." Es wäre allerdings auf jeden Fall sinnvoll, sich einen Helm anzuschaffen, sollte man sich ein E-Bike kaufen. Allein schon wegen der Sicherheit. "Man ist eben doch im Durchschnitt mit 25 Kilometern pro Stunde schnell unterwegs."

"Normales Rad" adieu?

Bei der Auswahl der Fahrradmodelle sollte man sich vorher bewusstmachen, was man eigentlich wolle. Ein Tourenrad sollte unbedingt auch Schutzbleche und Gepäckträger haben. "Fahre ich nur querfeldein, brauche ich das nicht. Da wäre ein E-Mountainbike die bessere Wahl." In diesem Segment habe es in diesem Jahr einen Riesen-Hype gegeben. Vor allem bei jüngeren Leuten.

Der E-Bike-Markt boome seit nunmehr zwei Jahren. Normale Fahrräder würden gar nicht mehr nachgefragt. Der Experte glaubt, dass das E-Bike den herkömmlichen Drahtesel irgendwann verdrängen werde. Den Herstellern sei nämlich daran gelegen, den E-Bike-Sektor noch stärker zu bedienen als bisher. "Ich hoffe trotzdem, dass das normale Rad nicht komplett verschwindet." So lange es aber Puristen wie Herbert Deutschländer gibt, steht das nicht zu befürchten.

Hintergrund:

E-Bikes lassen Fahrradmarkt kräftig wachsen

Der Markt für klassische Fahrräder schwächelt nach Darstellung der Branche - Verbraucher greifen aber bei Elektro-Rädern weiter kräftig zu. 4,31 Millionen Räder wurden insgesamt im vergangenen Jahr verkauft, teilten der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) und der Verbund Service und Fahrrad (VSF) in Berlin mitteilten. Das waren 3,1 Prozent mehr als noch 2018. Das Wachstum liegt allerdings ausschließlich am Verkauf von immer mehr Pedelecs.

Um 39 Prozent stieg die Zahl der verkauften Räder mit Elektromotor auf rund 1,36 Millionen Einheiten. Im gleichen Zeitraum wurden knapp 8 Prozent weniger klassische Fahrräder verkauft. "Erstmals wurden im vergangenen Jahr in Deutschland mehr E-Bikes produziert als klassische Fahrräder", sagte ZIV-Geschäftsführer Siegfried Neuberger. (dpa)

„E-Bikes sind ein Riesentrend, schon seit Jahren“, sagt der Weidener Fahrradexperte Philipp Schraml.
"Früher hat man sich geschämt für die motorisierte Unterstützung. Inzwischen ist das E-Bike gesellschaftsfähig", meint Peter Stadler, Händler in Amberg.

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