04.01.2021 - 00:09 Uhr
WindischeschenbachBesserWissen

Drei weise Männer und ihre Gaben

Diesen Artikel lesen Sie mit
Was ist OnetzPlus?

Die Geschichte der Heiligen Drei Könige ist voll von Symbolik. In der Bibel werden sie noch als Sterndeuter bezeichnet, zu Königen werden sie erst später. Was genau dahinter steckt, erklärt der Leiter des Seminarhauses Johannisthal, Manfred Strigl.

In den Krippendarstellungen dürfen sie nicht fehlen: Die Heiligen Drei Könige bringen dem neugeborenen Heiland Gold, Weihrauch und Myrrhe. Hinter den Geschenken verbirgt sich ein tieferer Sinn.
von Christa VoglProfil

In der Bibel heißt es bei Matthäus Kapitel 2, Vers 1 und 2: "Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Bethlehem in Judäa geboren worden war, kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem und fragten: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen." Einige Verse später ist zu lesen: "Und der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war; dort blieb er stehen. Als sie den Stern sahen, wurden sie von sehr großer Freude erfüllt. Sie gingen in das Haus und sahen das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie nieder und huldigten ihm. Dann holten sie ihre Schätze hervor und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar."

Eine Geschichte aus der Bibel, die zumindest gläubigen Christen sehr vertraut ist: Das neu geborene Kind in der Krippe wurde von den Sterndeutern, die aus dem Osten kamen, mit Gold, Weihrauch und Myrrhe beschenkt. Aber warum eigentlich von Sterndeutern? Waren es nicht Könige? Genau genommen sogar drei? Und sie hießen doch Caspar, Melchior und Balthasar? Warum steht das nicht genau so im Evangelium? Mit solchen Fragen wird Manfred Strigl, Direktor des Seminarhauses Johannisthal bei Windischeschenbach, immer wieder konfrontiert.

Ganz besonders oft während des mehrtägigen Familien-Seminars, das in normalen Jahren zum Fest der Heiligen Drei Könige im Haus Johannisthal angeboten wird. "Es wird gebastelt, es wird gesungen, es wird erzählt und gelesen. Natürlich kommt dabei auch die Symbolik dieser Geschichte zur Sprache", sagt der Priester und Regionaldekan Strigl. Symbole gebe es gerade in dieser Geschichte viele.

Die Sterndeuter:

"Manchmal ist die Rede von Weisen, von Sterndeutern, Magiern oder auch von Astrologen. Könige sind aus ihnen erst im Laufe der Kirchengeschichte geworden, auch weil man später Quellen aus dem Alten Testament mit einbezog."

Letztendlich sei es aber nicht wichtig, ob es Könige waren oder nicht. "Es geht vielmehr darum, dass es sich dabei um Menschen von Rang handelte, Heiden, die sich auf ein Zeichen hin - dem Stern - auf den Weg zu Jesus machten."

Der Osten:

"Mit Osten ist das Morgenland, der Orient gemeint. Und damit die Heidenvölker, also Menschen, die nichtjüdischen Glaubens waren, fremde Völker. Die Symbolik dahinter bedeutet: Auch fremde Völker wenden sich dem neu geborenem König, Jesus Christus zu."

Die Namen der Könige:

Caspar, Balthasar und Melchior: So konkret wird Matthäus in seinem Evangelium nicht. "Es ist vielmehr so, dass den Königen erst im 9. Jahrhundert diese Namen, im Verbund mit den Geschenken, gegeben wurden", erklärt Strigl. Die drei Namen stünden für die Vertreter der drei Kontinente, die damals bereits bekannt waren. Die Könige würden entsprechend im Aussehen dargestellt: Balthasar für Asien, Melchior für Europa und Caspar für Afrika. "Die Aussage dahinter ist: Die Menschen kommen von überall her, um dem Kind in der Krippe zu huldigen."

Die Zahl Drei:

"Erst im Mittelalter war von genau drei Königen die Rede, die dem Stern folgten. Davor war keine genaue Anzahl genannt. Wahrscheinlich kommt das einfach daher, weil sie drei verschiedene Geschenke - Gold, Weihrauch und Myrrhe - für das Kind in der Krippe dabei hatten." Die Zahl Drei spiele aber auch insgesamt eine besondere Rolle in der Bibel.

Die Geschenke:

"Gold wird als Hinweis auf das Königtum Christi gewertet, ein Hinweis auf ihn als den Schöpfer." Weihrauch gelte als Zeichen der Verehrung der Gottheit. Myrrhe ist eigentlich ein tropischer Dornenstrauch. "Oft wird dieses Geschenk gedeutet als Hinweis auf die Dornenkrone und somit als Hinweis auf das Leid, das Jesus auf sich nimmt, auf seinen Erlösungstod am Kreuz."

Bei so viel Symbolik stellt sich zwangsläufig die Frage: Was beruht bei der biblischen Geschichte von den Heiligen Drei Königen auf Legende, was ist religiöser Mythos, was ist Ausschmückung, was sind Bilder? Ist das alles überhaupt so passiert? Oder zumindest so ähnlich? Manfred Strigl hat darauf eine klare Antwort: "Manches davon ist sicher Ausschmückung. Anderes, wie zum Beispiel der Stern von Bethlehem wurde im Nachhinein wissenschaftlich untersucht und zum Teil auch belegt." Es sei jedoch gar nicht entscheidend, ob jedes Detail dieser biblischen Erzählung stimme, ob alles genauso gewesen sei. "Wichtig ist die Rahmenhandlung. Und die steht. Was wirklich zählt, ist die dazugehörige grundlegende und wunderbare Aussage." Und diese Aussage laute: Alle Völker, alle Nationen, Arme und Reiche, egal welche Hautfarbe, kommen zum Sohn Gottes, zum neugeborenen Kind, um es anzubeten.

Stille Zeiten im Haus Johannisthal

Windischeschenbach
Myrrhe ist ein tropischer Dornenstrauch. Bereits vor 3000 Jahren benutzte man im alten Ägypten Myrrhe zur Einbalsamierung. Das Harz war sehr kostbar.
Manfred Strigl ist Direktor des christlich geführten Seminarhauses Johannisthal. „Myrrhe ist eigentlich ein tropischer Dornenstrauch. Oft wird dieses Geschenk gedeutet als Hinweis auf die Dornenkrone und somit als Hinweis auf das Leid, das Jesus auf sich nimmt, auf seinen Erlösungstod am Kreuz.“
Hintergrund:

Sternsinger müssen dieses Jahr zu Hause bleiben

An der Aktion Dreikönigssingen nehmen üblicherweise mehr als 300 000 Sternsinger in ganz Deutschland teil. Jeweils um das Dreikönigsfest am 6. Januar ziehen sie als Heilige Drei Könige verkleidet von Haus zu Haus und sammeln Spenden für ihre Altersgenossen in Afrika, Asien, Lateinamerika und Osteuropa. Wegen der Corona-Pandemie müssen die Mädchen und Jungen dieses Mal allerdings zu Hause bleiben.

Alternativ finden mancherorts digitale Formate statt. Aufkleber mit dem Segenswunsch „C + M + B“ schicken die Sternsingergruppen zum Beispiel per Post an die Menschen in der Nachbarschaft oder sie verteilen sie in den Kirchen. Die Sticker können dem Brauch gemäß an den Haustüren angebracht werden. Die Abkürzung steht für „Christus mansionem benedicat“ (Christus segne dieses Haus). Zugleich weisen die Buchstaben auf die allgemein verbreiteten Namen der drei Weisen aus dem Morgenland hin, die sich nach biblischem Bericht an einem neu aufgegangenen Stern orientierten und so nach Bethlehem zum neugeborenen Jesuskind kamen. Der Tradition nach hießen sie Caspar, Melchior und Balthasar.

Seit 2015 ist das Sternsingen Unesco-Kulturerbe. Die bundesweite Aktion gilt als die weltweit größte Hilfsinitiative von Kindern für Kinder in Not. Träger sind seit 1959 das in Aachen ansässige Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ und der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ). Seither haben die Sternsinger rund 1,19 Milliarden Euro gesammelt für mehr als 75 600 Projekte etwa im Bildungs- und Gesundheitsbereich. Vor einem Jahr sammelten die Kinder rund 52,4 Millionen Euro. Es ist das erste Mal in der 62-jährigen Geschichte der Aktion, dass die Mädchen und Jungen nicht von Haus zu Haus ziehen dürfen. (KNA)

Die älteste Kirche Bayerns

Regensburg

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.