Nach einer knappen Stunde hinter verschlossenen Türen tritt Katrin Ebner-Steiner als wiedergewählte Fraktionschefin der AfD im Landtag vor die wartenden Journalisten und verbreitet "Business as usual". "Der Fraktionsvorstand ist bestätigt worden, wir werden uns jetzt der Sacharbeit zuwenden", erklärt sie kurz. Alles gut also bei der AfD? Zeitgleich ploppt eine Mitteilung dreier AfD-Abgeordneter auf den Smartphones der Medienvertreter auf. Sie waren, wie fünf weitere, gar nicht erst zur Sitzung erschienen. Man wolle "nicht ein weiteres Mal lediglich als Statisten in einem abgekarteten Spiel fungieren", schreiben die drei und von einer "pseudodemokratischen Wahl". Ein Vierter ätzt per WhatsApp über diese "vorab entschiedene Wahl-Show".
Anführer der Gegner Ebner-Steiners ist erneut der Oberbayer Franz Bergmüller. Für ihn und die Seinen ist die Wahl an diesem Freitag "völlig überraschend" angesetzt worden, denn eigentlich hätte erst Mitte Oktober gewählt werden sollen. Für die Sondersitzung hätte man lange vereinbarte Wahlkreistermine platzen lassen müssen. Von "Kungelrunden" Ebner-Steiners mit ihren Getreuen vom rechten "Flügel" der AfD ist die Rede, um innerparteiliche Kritiker kalt zu stellen. Und es schwingt der Vorwurf mit, dass die "Flügel"-Leute nur die finanziellen Zulagen für einzelne Abgeordnete erhöht hätten, um sie ins Lager Ebner-Steiners zu ziehen. "Dass dadurch wohl das noch im Juli bestehende Stimmenpatt von 10:10 nun zugunsten von Ebner-Steiner gelöst wurde, liegt für uns auf der Hand", heißt es in der Mitteilung, verschickt von Bergmüllers Büro.
"Das ist kompletter Blödsinn", keilt Ebner-Steiner zurück. Die Fraktion habe sich professionalisiert. Auf die Vorsitzenden der Arbeitskreise komme nun mehr Arbeit zu, weshalb man deren Zulagen erhöht habe. Auch den Vorwurf der Kungelei weist sie zurück. Die Entscheidung, den Wahltermin vorzuverlegen, sei demokratisch gefallen, zur Sitzung am Freitag sei fristgerecht eingeladen worden. Auf die Frage, wie demokratisch eine Wahl sei, an der fast die Hälfte der Fraktion nicht teilgenommen habe, verweist Ebner-Steiners neuer Co-Vorsitzender Ingo Hahn auf allgemein niedrige Wahlbeteiligungen. Aber: "In der Demokratie entscheiden Mehrheiten, für uns ist das ein sehr gutes Ergebnis." Nach Angaben des wiedergewählten Fraktionsvizes Roland Magerl verliefen alle Wahlgänge einstimmig 12:0.
Ungeachtet der massiven Vorwürfe ihrer Gegner will Ebner-Steiner auf diese "zugehen und schauen, dass wir eine gemeinsame Arbeitsbasis finden". Ähnlich hatte sie das schon vor einer Woche nach der Fraktionsklausur in Wemding gesagt, geschehen ist das offenbar nicht. Auch Hahn erklärt, man wolle nun "Ruhe und Struktur reinbringen und versuchen, alle einzubinden". Ein - selbst wenn es ernst gemeint sein sollte - womöglich aussichtsloses Unterfangen. Einen "willfährigen Vorstand" habe sich Ebner-Steiner wählen lassen, heißt es bei Bergmüller und Co, ihr wiederholtes Versöhnungsgesäusel sei nur "Schall und Rauch". Sonst hätte sie ihre Kritiker in den Vorstand einbinden müssen. "In einem schier unglaublichen Machtstreben überschreitet die Fraktionsvorsitzende jede Grenze. Das ist nicht die AfD, in die wir eingetreten sind."





















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