06.08.2020 - 12:47 Uhr
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Auslandssemester während Corona: Studentin der OTH Amberg erzählt

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Patrizia Renten war für ein Semester in Irland. Eigentlich nichts Ungewöhnliches. Heuer war das Auslandssemester für die 25-Jährige Studentin allerdings anders, als bei Studenten in den Vorjahren. Deshalb macht sie noch ein Zweites.

Rund um die Welt gibt es für Studenten die Möglichkeit, ein Auslandssemester an einer anderen Universität einzulegen. Eine Studentin der OTH Amberg-Weiden war für einige Monate in Irland – dann kam der Lockdown.
von Susanne Forster Kontakt Profil

"Das Semester hat ganz normal angefangen. Dann ging alles relativ flott", erinnert sich Patrizia Renten. Die 25-Jährige war von Januar bis Juni in Irland, um dort ein Auslandssemester, das über das Erasmus-Programm lief, zu machen. In Deutschland studiert sie an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Amberg-Weiden Medientechnik und Medienproduktion.

Ihr Auslandssemester begann im Januar. "Am 12. März wurde die Uni geschlossen und der Lockdown begann am 26. März", erzählt Renten. Sie erinnert sich, dass es zuerst Beratungen gegeben hat – zwei Tage danach ist die Hochschule schließlich zugemacht worden.

Vorlesungen per Video

Während ihres Auslandssemesters hat sie deshalb Online-Vorlesungen gehabt. "Die Professoren haben Videos aufgenommen, die man sich dann anschauen konnte", sagt sie. Ihre Aufgaben für die Uni erledigte sie in ihrem WG-Zimmer. In Irland, erzählt Patrizia Renten, sei etwas anders als in Deutschland gewesen, wo es Vorlesungen etwa per "Zoom" (eine Anwendung zum Beispiel für Internet-Konferenzen und Live-Chats) gegeben hat.

"In der Marketing-Vorlesung hat der Professor seine Kommentare als Text geschickt", erzählt die Studentin. Insgesamt "hat sich nicht viel geändert", sagt Renten und meint damit den Ablauf des Semesters. "Es gab Anwesenheitspflicht bei den Vorlesungen und wöchentliche Abgaben."

In Irland lebte die Studentin in einem Wohnheim in einer WG mit sechs Leuten. "Die meisten meiner Mitbewohner sind nach Hause gefahren", erinnert sich die 25-Jährige an die Zeit während des Lockdowns. Patrizia Rentens WG-Mitbewohner waren zum Beispiel aus der Nähe von Barcelona, Dänemark und Frankreich.

Abenteuerliche Rückreise

Im Mai wollte auch Renten, die in der Nähe von Kelheim (Niederbayern) lebt, wieder zurück nach Deutschland reisen. Die Rückkehr beschreibt sie als etwas "abenteuerlicher". "Als ich den Rückflug buchen wollte, ist er gecancelt worden." Der Anbieter des Flugs sei eine Airline aus Irland gewesen. Über eine deutsche Airline hat es dann geklapp. Anfang Juli ist sie nach Deutschland zurückgereist.

"Da mein erstes Auslandssemester nur so halb war, habe ich vielleicht die Chance, dass das nächste etwas besser wird", sagt die Studentin. Deshalb packte die 25-Jährige Ende Juli noch einmal ihre Koffer für ein zweites Semester im Ausland. Ihr Ziel: Die Stadt Bordeaux in Frankreich. Das Semester wird dort bis etwa Mitte Dezember dauern. Ob sie nach Semesterende noch länger in Frankreich bleiben wird, weiß sie noch nicht.

Ein wenig sorgt sie sich schon, dass es wieder zu einem Lockdown kommen könnte, wenn sie in Bordeaux ist. "Ich habe Bedenken, dass es sehr streng wird". Dass sie zum Beispiel nicht die Wohnung verlassen dürfe. "In Irland war der Lockdown kein so großer Einschnitt. Wir durften auch raus und spazieren gehen." Die 25-Jährige sagt, in Irland hatte sie "nicht so viel Angst. Da gibt es mehr Kühe und Schafe auf der Insel". Und ergänzt: "Das war mehr so wie kollektive Sommerferien."

Allen, die ein Auslandssemester planen, rät Studentin Patrizia Renten:

  • Einen Notfallplan ausdenken
  • Überlegen, wie die Rückreise zur Not gestaltet/organisiert werden kann
  • Wenn möglich, mit dem Auto anreisen, um nicht auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen zu sein

Das war mehr so wie kollektive Sommerferien.

Patrizia Renten, Studentin

Patrizia Renten, Studentin

Virtuelles Austauschsemester

Cornelia Eichinger vom International Office der OTH Amberg-Weiden erklärt: "Es ist schon möglich, im Wintersemester ins Ausland zu gehen." Jedoch sind Aufenthalte nicht überall im Ausland möglich. Etwa in Finnland und Australien. "Da klappt es heuer nicht", sagt Eichinger. Finnland, meint sie, werde vielleicht im Sommersemester 2021 wieder Erasmus-Studenten aufnehmen.

"Es gibt auch zum ersten Mal Online-Kurse", erklärt Eichinger. Also ein "virtuelles Auslandssemester", bei dem man an Kursen der Partnerhochschule übers Internet teilnimmt. "Die Online-Kurse werden in Landessprache gehalten" – somit werde die sprachliche Seite abgedeckt.

Weltweit werde es einige Hochschulen und Universitäten geben, "die teils Studierende zum Studium – auch in Präsenz zulassen – viele bieten aber auch oder nur virtuelle Kurse an", erklärt Annabelle Wolff, Leiterin des International Office der OTH Amberg-Weiden. Wenn es ein Semester gibt, sind laut Wolff etwa die Einreisebestimmungen der jeweiligen Länder zu beachten. Unter Umständen sei es auch möglich, das Auslandssemester zuerst virtuell von Deutschland aus zu beginnen und dann später im Ausland fortzusetzen. "Ein rein virtuelles Auslandssemester hätte nicht den gleichen Effekt, wie ein Austausch mit einer Partnerhochschule vor Ort", sagt Annabelle Wolff.

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Hintergrund:

Tipps für Studierende

Felicitas Langowski aus dem International Office der OTH Amberg-Weiden gibt Tipps für das Auslandssemester

  • Studierende sollen in jedem Fall die Seite des auswärtigen Amts prüfen sollen, ob für das Land, wo sie studieren wollen, eine Reisewarnung besteht.
  • Studierende sind verpflichtet, sich auf der Seite des Auswärtigen Amts in ein Registers einzutragen ("Elefand"), damit im Fall eines erneuten Ausbruchs nachgeprüft werden kann, wer sich noch wo aufhält.
  • Die Partnerhochschulen der OTH Amberg-Weiden entscheiden, ob sie Studierende der OTH zulassen, ob sie einen Regelbetrieb anbieten oder eine Mischung aus Online-Lernen und späterer Präsenz anbieten.
  • Pauschal könne man nicht sagen, in welchen Ländern noch ein Auslandssemester möglich ist. Es stehe über allem ein großes Fragezeichen - Studierende haben ihre geplanten Auslandsaufenthalte auch selbst schon abgesagt oder auf das nächste Jahr verschoben.
Hintergrund:

Erasmus-Programm und Partnerhochschulen

Das "Erasmus+" Programm (früher hieß es nur "Erasmus"-Programm) der Europäischen Kommission ist ein Programm zur Förderung der internationalen akademischen Mobilität innerhalb Europas", schreibt das International Office der OTH Amberg-Weiden auf seiner Homepage. Es stehe Studierenden aller Fachrichtungen und aller Hochschularten offen, die bereits mindestens ein Studienjahr abgeschlossen haben. Erasmus-Partnerhochschulen befinden sich laut OTH zum Beispiel in Irland, Frankreich, Italien, Spanien, Portugal und der Tschechischen Republik.

Ein Instagram-Post von Patrizia Renten. Unter anderem so hat sie hat ihren Aufenthalts in Irland während des Lockdowns erlebt.
Eine Aufnahme, die in Limerick, einer Stadt in Irland, von Studentin Patrizia Renten während ihres Auslandssemesters gemacht wurde.
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