12.07.2019 - 13:34 Uhr
AmbergDeutschland & Welt

Kalligraphie-Präsentation in der Provinzialbibliothek Amberg

Buch und Buchstaben: Das eine könnte ohne das andere nicht existieren. Der Rahmen für die Kalligraphie-Präsentation in der Provinzialbibliothek Amberg könnte perfekter nicht sein.

Bei der Vernissage kamen die Gäste der Aufforderung von Bibliotheksleiterin Siglinde Kurz „im Zaubergarten der Schrift zu Lustwandeln“ gerne nach.
von Marielouise ScharfProfil

Bibliotheksleiterin Siglinde Kurz ist überzeugt: "Das außergewöhnliche Ambiente bietet sich für eine Ausstellung mit zeitgenössischer Schriftkunst bestens an." Der brechend volle Saal gibt ihr Recht. So viele Besucher wie selten drängten sich bei der Vernissage am Dienstagabend um die Schau-Vitrinen, die zwischen den Regalen mit Büchersammlungen aus den ehemaligen Klöstern der Oberpfalz aufgebaut waren. Der Aufforderung der Bibliotheksleiterin Siglinde Kurz "im Zaubergarten der Schrift zu Lustwandeln" kamen die Vernissagegäste gerne nach.

Schönheit und Glanz

Lobreden zur Schreibkunst im Allgemeinen und zu den Schriftkunst-Künstlern im Besonderen kamen von KEB-Vorsitzenden Sebastian Sonntag. Er entdeckte in den Kalligraphien im besonderen "Schönheit und Glanz". Die musikalischen Akzente setzten Ulrike Straub (Geige) und Wolfgang Herrneder (Klavier) mit Musik von Händel, Fauré und Vivaldi.

Von der Rolle des Schreibens berichtete Nikolaus Weichselbaumer vom Gutenberg-Institut für Weltliteratur und schriftorientierte Medien an der Universität Mainz in seinem Vortrag "Vom Skriptorium ins Atelier". Locker spannte der Wissenschaftler einen "schlanken Bogen" von den Anfängen der Kalligraphie im lateinischen Westen bis in die Gegenwart. Was er dabei ausmachte, war ein Auf und Ab an Bedeutung: Im hohen Mittelalter war das Schreiben die Domäne der Kirche und "fand eigentlich außerhalb der Klöster nicht statt." Der Referent zeigte, wie die Feder gehandhabt wurde. Sie steckte aufrecht zwischen drei Fingern, nicht das Handgelenk wurde bewegt, sondern der ganze Arm. "Das sorgte dafür, dass Schreiben Schwerarbeit war." Einfluss auf die Bedeutung der Schreibkunst hatte die Gründung der ersten Universitäten und natürlich die Erfindung des Buchdrucks. Mode und Geschmack ändern sich. In Renaissance und Barock bleiben Schreibmeister "die Träger Kalligraphischer Tradition, während Klöster inzwischen häufig Druckereien betreiben."

Wertschätzung des Wortes

"Ende des 19. Jahrhunderts kommt es nach einer "relativen Mulde der Präsenz der Kalligraphie als Gestaltungsmittel zu einem Revival im Rahmen des Arts-and-Crafts-Movements", so der Experte weiter. Die neue Welle der Kalligraphie setzt nicht auf Digitalisierung, sondern auf Format, Arbeitstechnik und Material. Sie ist eigenständig und "will im Original erlebt sein." Genau diese Möglichkeit bietet die Ausstellung mit rund 30 ganz unterschiedlichen Exponaten. Brigitte Herrneder ist seit 2007 Referentin für Kalligraphie bei der Katholischen Erwachsenenbildung Amberg. Für sie bedeutet Kalligraphie, einen Text nicht nur zur reinen Information zu schreiben. Sie gestaltet und interpretiert neu, baut daraus Bilder aus figürlicher Schrift. So die Geschichte Ambergs, die feste, wehrhafte Stadt, wie es in der Schwaigerchronik nachzulesen ist. Durch ihre einfühlsame Art der Gestaltung erfährt das Wort eine spezielle Wertschätzung, wird Geschichte spannend übersetzt.

Johann Maierhofers Arbeiten überraschen mit unterschiedlichen Techniken und Stilen. In schwungvollen Buchstaben schreibt er auf Papier "Paul Klee" und darunter die Weisheit: "Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sie macht erst sichtbar." Die beiden Kalligraphen präsentierten sich engagiert und begeistert vom Medium Schrift. So sagte Maierhofer: "Kalligraphie ist Bewegung in Raum und Zeit".

Geöffnet bis 26. Juli: Montag bis Freitag (10 bis 12.30 Uhr, 13.30 bis 16 Uhr); Führung: Dienstag, 17. Juli (17 Uhr), mit Vorführung von Johann Maierhofer. Anmeldung unter Telefon 0 96 21 / 60 28-0

Magisch: In der Amberger Provinzialbibliothek läuft bis 26. Juli die Kalligraphie-Ausstellung „Manuscriptum“.
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