17.11.2019 - 11:49 Uhr
AmbergDeutschland & Welt

Liederabend der Extraklasse

Bariton Ludwig Mittelhammer und Pianist Jonathan Ware gestalten in Amberg einen Liederabend mit Schubert, Wolf und Medtner. Das Konzert wird den Besuchern noch lange in Erinnerung bleiben.

Mit ihrem Liederabend boten Ludwig Mittelhammer (rechts) und Jonathan Ware ein Konzerterlebnis, das im Publikum lange nachwirkte.
von Marielouise ScharfProfil

Liederabende haben immer einen besonderen, ja geradezu intimen Charakter. Alles ist direkter: die Komposition, der Text, die Interpretation. Bariton Ludwig Mittelhammer und Jonathan Ware am Piano gelang am Samstagabend im gut besuchten Amberger Stadttheater ein Abend der Extraklasse, der neben Franz Schubert und Hugo Wolf auch Werke des eher unbekannten russischen Komponisten Nikolai Medtner bot.

Genau diese Komponisten sind auch auf dem ersten Solo-Album, das im Frühjahr erschienen ist, zu finden. Und das Schubertlied „Im Frühling“ setzt Ludwig Mittelhammer, der weiche Bariton, einst Mitglied im Tölzer Knabenchor, auch an den Anfang des Konzerts. Schon hier macht er deutlich, mit welcher Freude, aber auch mit welchem Ernst er sich dem Liedgesang widmet. Nicht nur Präzision und Qualität bestimmen seinen Vortrag, vielmehr lotet er Inhalte und Emotionen aus, die in jedem Lied versteckt liegen.

Jedes Lied ein Unikat

Mit feinem Gespür zeichnet er das musikalische Bild von „Knosp und Blüte“ und von „Liebesglück und -leid“ nach. Jeder Titel ein Unikat, eine Preziose von großem Wert und Geschmack. Im Publikum herrscht atemlose Stille. Auch etwas Ratlosigkeit! Im kostenfreien, aufwendig gestalteten Programm, das jeder in Händen hält, sind Texte abgedruckt – aber von ganz anderen Liedern. „Ein Übertragungsfehler“, ist vom Sänger entschuldigend zu erfahren. Nach der Pause ändert sich das. Die Texte passen, das gedimmte Licht ist auch hell genug, um die Schrift entziffern zu können. Im modisch geschnittenen, dunklen Anzug steht Mittelhammer eng am geöffneten Flügel. Mit einer Hand stützt er sich ab, die andere unterstreicht dezent den Gesang. Er scheint die Aufmerksamkeit des Raumes förmlich aufzusaugen. Aufgeladen mit positiver Energie widmet er sich nun dem 1897 in Moskau geborenen und heute vergessenen Komponisten und Pianisten Nikolai Karlowitsch Medtner.

Vor der Oktoberrevolution floh Medtner zunächst nach Deutschland, später nach Paris. 1935 ließ er sich in London nieder, wo er die größten Erfolge als Pianist hatte und 1951 starb. Der Komponist hinterließ drei Klavierkonzerte, Kammermusik, Klaviersonaten und um die hundert Lieder. „Meeresstille“, „Glückliche Fahrt“ und „Wanderers Nachtlied I und II“ hat der Sänger unter anderen ausgewählt. Er singt die anspruchsvollen Lieder ungekünstelt, natürlich, aber ausgefeilt bis zur letzten Note. Es ist schwer zu entscheiden, was an Mittelhammers Gesangskunst höher zu loben ist: die gesangstechnische Versiertheit, die Musikalität des Vortrags oder die letztlich wichtigste Eigenschaft eines herausragenden Liederinterpreten, nämlich die Gabe, erzählen zu können.

Das zeigt sich besonders auch bei den Hugo-Wolf-Interpretationen. Akzentuiert und gefühlvoll, dabei voller Lust und auch Lustigkeit singt er "Der Knabe und das Immlein“ locker und leicht, „Der Tambour“ dramatisch mit keckem Schluss oder "Gesang Weylas" himmlisch dramatisch.

Perlende Tastenmomente

Mit der verschmitzt-fröhlichen „Storchenbotschaft“ und zwei zwingend erklatschten Zugaben endet der Abend. Nicht aber die positive Kritik. Denn unbedingt und unzweifelhaft für das großartige Gelingen des Abends verantwortlich ist Jonathan Ware am Flügel gewesen. Dank seiner Begleitung erhielt jedes Lied einen zwingenden, packenden, unverwechselbaren Charakter. Mit perlenden und fließenden Tastenmomenten zauberte er eine neue Farbenwelt, ein Tonspektrum, das sich nicht selbst inszenierte, sondern mit der geschmeidigen Gesangsstimme zu harmonischer Größe verschmolz.

Eingespieltes Team

Mittelhammer und Ware verbindet eine lange gemeinsame musikalische Zusammenarbeit, und wie eingespielt das Team ist, ließ sich während des Programms gut beobachten. Ware reagierte auf kleinste musikalische Veränderungen und bot Mittelhammer ein exzellentes Fundament. Beide Musiker bebilderten die oft sehr kurzen Lieder mit einer durchgängig anhaltenden, fesselnden Fantasie. Der Schlussapplaus würdigte die tolle Leistung beider Künstler.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Videos

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.