18.12.2020 - 00:01 Uhr
AmbergDeutschland & Welt

Das Notstainhaus in Amberg wird wohl immer das Nostainhaus bleiben

Hier gab es bis 2012 unverwüstliche Otto-Schuhe, Timex-Uhren, Goldmünzen oder Fahnen zu kaufen. Erst mit 94 Jahren zog sich Jon Notstain aus seinem Geschäft in der Altstadt zurück. Jetzt wird hier saniert.

Fabian Schmidt, Geschäftsführer der Wohnwert-Bau, öffnet die Tür zum Notstain-Haus in der Amberger Schiffgasse. Noch im Alter von 94 Jahren verkaufte hier Jon Notstain unverwüstliche Otto-Schuhe und Timex-Uhren aus den 70er Jahren.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Das Notstainhaus in der Amberger Schiffgasse, direkt am Vilsufer hinter der Martinskirche gelegen, kennt in Amberg jeder. Doch nur noch die Bürger über 30 erinnern sich an den "modernen" Namensgeber des Anwesens, Jon Notstain. Noch mit 94 Jahren stand er Tag für Tag in seinem Laden oder er saß auf seinem Campingstuhl direkt am Vilsufer, die unverkennbare Pelzkappe auf dem Kopf – egal, welche Temperaturen draußen herrschten.

Bei Notstain gab es bis zuletzt die unverwüstlichen und wohl längst nicht mehr produzierten Otto-Schuhe, im Schaufenster lagen Timex-Uhren aus den 70er Jahren, Notstain verkaufte aber auch Goldmünzen und Fahnen. 2012 sperrte Jon Notstain seinen Laden zu, es zog vorübergehend ein Sozial-Café ein, das nach einiger Zeit auch wieder schloss. Inzwischen gehört das Gebäude der Amberger Wohnwert-Bau, die es sanieren wird. Deren Geschäftsführer Fabian Schmidt sperrte jetzt eigens für Oberpfalz-Medien das Türchen für den 18. Dezember auf.

Über die Geschichte des Anwesens Schiffgasse 5 ist relativ wenig bekannt. Erbaut wurde es wahrscheinlich im Jahr 1476 als Abschluss und Eckgebäude an der Schiffslände entlang der Vils. Hier wurden die großen Vilsplätten be- und entladen, die das Amberger Eisenerz in Richtung Regensburg transportierten und im Gegenzug Salz und andere Luxuswaren die Naab und Vils herauf bis nach Amberg brachten. Ob das Gebäude von Anfang an als sogenanntes Benefiziatenhaus diente, ist nicht bekannt.

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Ein Benefiziat war zu dieser Zeit ein Kleriker, ein Kirchenmensch, der seinen Unterhalt über den Erlös von Pfründen verdiente. Meist gehörte auch ein eigenes Haus dazu. Anzunehmen ist, dass mit dem Umbau des Gebäudes im Jahr 1541 auch die Umnutzung als Benefiziatenhaus einherging. Darauf lassen zumindest die Stuckdecken in Erd- und Obergeschoss schließen, sogenannte Herz-Jesu-Decken. Die wurden über die ursprünglichen Balken-Bohlen-Decken eingezogen, die von Anfang an da waren.

Seine heutigen Form erhielt das Gebäude beim Umbau des Jahres 1779. Im Zuge dieser Maßnahme erfolgte die Abwalmung des Daches und die Neugestaltung des Giebels. Nach dem Zweiten Weltkrieg zog dann Jon Notstain hier mit seinem Geschäft ein. Damals in sehr guter Lauflage, auf dem Weg zwischen Marktplatz und den damals noch aktiven Fischern und Fischhändlern in der Schiffgasse. Wer sich die derzeit etwas heruntergekommene Fassade anschaut, entdeckt die markanten Hochwassermarken von 1682, 1784, 1876 und 1909.

Und er sieht, dass schon bald umgebaut wird. Fabian Schmidt, der Geschäftsführer der Wohnwert-Bau, hat schon genaue Vorstellungen, wie das Notstain-Haus einmal aussehen wird. Zentraler Punkt wird die Gastronomie werden, die dann hoffentlich von Corona unbelastet, im Erd- und Obergeschoss einziehen soll. Mit Freischankflächen in Richtung Martinskirche und Vilsufer. Einen Bertreiber hat Fabian Schmidt schon gefunden, im Januar soll die Detailplanung stehen.

Oben über das Lokal kommen Wohnungen, ein Thema, das Fabian Schmidt, seinem Vater Wolfgang und Nico Sticke, den drei Männern hinter der Wohnwert-Bau, sehr wichtig ist. Das Leben in der Altstadt hat es den dreien angetan. Alle drei leben sie im Zentrum von Amberg, hier finden sie auch die bevorzugt die alten Häuser, die sie liebevoll und aufwendig restaurieren. Wie beispielsweise das Notstainhaus mit seinen mehr als 400 Quadratmetern Fläche. Ein vornehmes Gebäude mit großen Räumen und für mittelalterliche Verhältnisse auch sehr hohen Decken. Ein Schmuckstück, das wohl immer mit dem Namen Notstain verbunden bleiben wird. Warum, das wird jetzt noch nicht verraten.

Eine sogenannte Herz-Jesu-Decke zeugt von der Vergangenheit des Gebäudes als Benefiziatenhaus.

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