08.02.2019 - 10:52 Uhr
AmbergDeutschland & Welt

"Der Tod scheint weniger wichtig zu sein": Das geht Lesern dazu durch den Kopf

Dieses "Thema des Tages" stieß auf großes Interesse. Zwei Gewaltdelikte, eines davon mit Todesfolge. So unterschiedlich, aber doch vergleichbar, was die Berichterstattung in der bundesweiten Medienlandschaft angeht.

Ein junger Mann ballt seine Faust und nimmt eine drohende Haltung ein.
von Jürgen Kandziora Kontakt Profil

In "Der Tod scheint weniger wichtig zu sein" war die Berichterstattung von Zeitungen und Online-Medien zu zwei Fällen unter die Lupe genommen worden: In Amberg hatten junge Flüchtlinge wahllos auf Passanten eingeschlagen, in Nürnberg waren zwei Jugendliche ins Gleisbett gestoßen und von einer herannahenden S-Bahn getötet worden. Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus Zuschriften an den Autor des Artikels.

Amberg

Deutscher nicht gleich Deutscher?

"Da scheint nicht ganz zu Ende recherchiert worden zu sein. Es scheint Ihnen entgangen zu sein, dass es sich bei den beiden Tätern wohl um Deutsche mit Migrationshintergrund handelt. Aber auch die gehören anscheinend zu den braven deutschen Bürgern. Laut einem Bericht in der ,Bild' wurden die beiden in Untersuchungshaft genommen, da Fluchtgefahr in die Heimatländer der Eltern bestand (Griechenland und Türkei). Die Verrohung der Gesellschaft ist nun mal sehr stark geschuldet durch den immer höher werdenden Anteil an Bundesbürgern mit Migrationshintergrund. Wann wird das endlich erkannt? Es wird Zeit, in den Statistiken der Polizei dies zu erfassen und bekanntzugeben." O. B.

"Gute und ehrliche Stellungnahme"

"Nach Ihrem Artikel gehen einem die Augen wieder auf. Manchmal merkt man es gar nicht mehr, wenn Medien so einseitig berichten. In dem Fall war es wirklich geschehen. Danke für diese gute und auch ehrliche Stellungnahme!" Christoph K."

"Vollumfängliche" Zustimmung

"Ihren heutigen Zeitungsartikel (...) haben meine Gattin und ich mit großem Interesse gelesen. Ihren zutreffenden Ausführungen können wir vollumfänglich zustimmen und möchten Ihnen unser Lob zollen." Josef und Rosina B.

"Sie sprechen mir aus der Seele"

"Danke für diesen aus meiner Sicht tollen Artikel. Sie sprechen mir wirklich aus der Seele! Meiner Meinung nach entsteht zurzeit durch die ,sozialen Medien' oftmals ein teilweise gefährliches Zerrbild der Realität. Das Beispiel in diesem speziellen Fall beweist das wie kaum ein anderes. Eine ,einfache' Schlägerei, ausgelöst von Ausländern, bewegt tagelang ganz Deutschland und heizt die Diskussion um ausländische Mitbürger und Asylanwärter wieder weiter an. Das ist alles Nährboden für Ausländerhass und Rassismus. Zwei tote Jugendliche, verursacht von Deutschen - das ist ,halt mal passiert' und sehr traurig und Schwamm drüber. Durch Facebook und Co. werden außerdem Nachrichten in eine bestimmte Richtung - je nach vermeintlichen Vorlieben des jeweiligen Users - gepusht. Dadurch entsteht gefühlt der Eindruck, dass zu einem bestimmten Thema immer mehr passiert. Wer die Algorithmen und die ,Strategie' hinter den News bei Facebook, Instagram und ähnlichen Medien nicht kennt bzw. versteht, lässt sich durch diese ,Häufigkeit der Ereignisse zu bestimmten Themen' möglicherweise manipulieren und fehlleiten. Diese Entwicklung bereitet mir zunehmend Sorgen. Deshalb sind solche aufklärenden Artikel wie der Ihre sehr wichtig. Das zeigt mir, dass Medien wie Ihre Zeitung neutral und auch selbstkritisch sind. Sehr gut, machen Sie bitte weiter so!" Jörg S.

"Konzentration von linken Redakteuren"

"Was läuft da falsch in unserer (bundesdeutschen) Welt? Ja, bitte, was läuft da falsch? Was läuft da falsch beim Neuen Tag? So eine Konzentration von linken Redakteuren ist wohl einmalig. Dass Sie ,schwierige Tage' bei dem Amberger Vorfall hatten (...), kann ich mir gut vorstellen. Das wieder in ihrem Sinne hinzudrehen, war bestimmt nicht einfach (...). Was läuft da falsch in unserer Welt? Das frage ich mich auch (...), wenn ich die Kommentare in Ihrer Zeitung lese." Norbert S.

Leserin hatte "ähnliche Gedanken"

"Vielen Dank für Ihren Artikel ,Der Tod scheint weniger wichtig zu sein'. Ihre Gedanken zu Amberg und Nürnberg zeugen von Nachdenklichkeit und Respekt gegenüber allen Menschen. Mit einem sehr unguten Gefühl hatte ich die Berichterstattung der Medien zu den Vorfällen in Amberg verfolgt, und nach dem tragischen Geschehen in Nürnberg gingen mir ähnliche Gedanken durch den Kopf. Sie haben diese Gedanken zu Papier gebracht. Ihren Artikel finde ich gut gelungen, vor allem auch die Chronologie sorgt dafür, dass es wirklich um die Sache geht. Die offenen Fragen regen wirklich zum Nachdenken an." Luise V.

"Versagen der Politik"

"Nur ganz kurz: Ein ausgezeichneter Artikel! Absolut zutreffend! Weiter so! Noch folgende Anmerkung: Meines Wissens kündigte Seehofer unmittelbar nach den Amberger Geschehnissen (...) eine verschärfte und schnellere Abschiebung von Straftätern an. (...) Dass das schnelle Abschieben straffällig gewordener Asylbewerber nicht so klappt, wie es sollte, ist einzig und allein auf das Versagen der Politik (...) zurückzuführen." Hans P.

Vorwurf der Verharmlosung

"Der Artikel (...) kann nicht unwidersprochen bleiben. 1. Es ist nur Ihre subjektive Meinung, dass der Fall in Nürnberg weniger Aufmerksamkeit in den Medien und in der Öffentlichkeit erregt habe wie die Vorfälle in Amberg. Das ganze Netz ist voll mit Meldungen, und die Einwohner von Heroldsberg wurden von Journalisten tagelang belagert. Außerdem wird in solchen Fällen vor allem in den regionalen Medien berichtet, was ja in unserer Region dann eben nicht gelesen wird. 2. Wenn man der ,Bild' Glauben schenkt, handelt es sich bei den Tätern um Jugendliche mit deutschem Pass, allerdings mit Migrationshintergrund (ein Türke und ein Grieche). Also ist Ihre Behauptung dahingehend eben auch nicht richtig. 3. Es gibt überhaupt keinen Grund, die Vorfälle in Amberg zu verharmlosen. Wie würden Sie wohl reagieren, wenn ein Familienmitglied von Ihnen betroffen gewesen wäre? Und es ist ja auch keine Seltenheit, dass Täter in solchen Fällen auch ein Messer zücken. Straftaten von Migranten, die sich gegen Personen richten, gibt es mehr als genug, wie durch Statistiken bewiesen ist. Hierzu müssen Sie nur mal recherchieren." Georg H.

"Ist das nicht schizophren?"

"Vielen Dank für Ihren Artikel. (...) Sie haben mir aus der Seele gesprochen. Welcher Aufschrei, wenn die Täter auch nur einen Hauch von Asyl oder Flüchtling an sich hätten? Noch nicht lange her, da haben mich Meldungen über Verbrechen aller Art mehr oder weniger berührt. Nicht jede Nachricht hat mich aufgewühlt. (...) Heute jedoch, so war es auch bei der Nachricht aus Nürnberg, ist mein erster Gedanke sofort: Hoffentlich keine Flüchtlinge. Oh Gott, nicht schon wieder Propagandafutter für diese Idioten. Erst wenn ich weiß, es waren Deutsche, bin ich beruhigt. Ist das nicht schizophren? (...) Oder ist man einfach nur erleichtert, weil unsere Demokratie durch diese ,deutsche' Straftat nicht gefährdet ist? Unsere Gesellschaft ist unendlich fragil. Unendlich verletzlich. Leicht zu zerstören. Und das haben die Braunblauen sehr gut erkannt. Was helfen kann und helfen wird, ist gute Pressearbeit - unaufgeregt, offen, wahrhaftig, die zum Nachdenken anregt. So wie Ihr Artikel war." Melitta A.

"Manipulation unserer Gehirne"

"Herr Kandziora trifft (...) den Nagel auf den Kopf. Seitdem die AfD durch Gauland und Co. übernommen wurde, gibt es in Deutschland nur noch ein Thema. Völlig egal, mit wem man sich unterhält, nach wenigen Sätzen landet man bei der Migration. Wenn man dann verfolgt, woher dieses Themenmonopol kommt, lässt sich sehr leicht erkennen, dass nicht nur im Internet viele bezahlte ,Claqueure' (...) unterwegs sind, die diese Strömungen steuern. Ob Kommentare in ,Focus-Online' oder manche Leserbriefe in der AZ. Diese Akteure wollen polemisieren und Angst und Unruhe verbreiten. Ängste entstehen im Kopf, selten durch persönlich Erlebtes - und diese Manipulation unserer Gehirne ist das Ziel der Nazis und ihrer Unterstützer.

Die Medien sind nicht frei von der Verantwortung. (...) Folglich ist die Beantwortung der Frage, ob es auch anders gegangen wäre, eine rein philosophische. Denn natürlich hätte die AZ oder der NT sich entscheiden können, nur in einem kleinen Einspalter über die Geschehnisse zu berichten. Aber (...) die schreibenden Redakteure (...) sahen sich genötigt, mehrere Tage lang die Titelseiten mit diesem Vorfall zu bepflastern. Sich dann als Opfer zu bezeichnen, mag den ein und anderen überzeugen. Mich nicht." Willy M.

"Auch deutsche Jugendliche schlägern"

"Anerkennung verdient der Artikel (...), denn genau so sieht leider die Realität aus. U-Haft, wahrscheinlich noch mehrere Monate, wegen Alkohol und Drogen sowie einer Schlägerei mit leichter Körperverletzung. So ist derzeit die Perspektive der Jugendlichen, die in Amberg beteiligt waren. So sehr diese Delikte abzulehnen sind - was wäre, wenn alle deutschen oder nichtdeutschen Jugendlichen und Erwachsenen (!) mit solchen Vergehen über mehrere Monate in den Gefängnissen sitzen würden? Vermutlich würden diese überlaufen, und unser bayerischer Staat müsste ordentlich investieren, um entsprechende Haftanstalten samt Personal zu finanzieren.

Medien bzw. ein bestimmter Teil von Bürgern stürzen sich leider auf alles, was mit ,gewalttätigen' Jugendlichen mit Migrationshintergrund zu tun hat und vergessen dabei allzu oft, dass auch deutsche Jugendliche schlägern, Alkohol trinken, Drogen nehmen, sich gegenseitig mobben oder Schule und Ausbildung hinschmeißen. Wer einmal mit einer Schulsozialarbeiterin oder einem Schulsozialarbeiter gesprochen hat, weiß, was an unseren Berufsschulen tagtäglich passiert." Dr. Barbara N.

Info:

Einige der Kommentare auf Facebook

„Ein bemerkenswerter und sehr reflektierter Artikel!“

„Warum wird von Oberpfalz-Medien wieder so ein Thema aufgemacht? Dass in Nürnberg zwei Jugendliche vor die S-Bahn gestoßen wurden, ist schlimm genug, und darüber ist auch ausgiebig in den Medien berichtet worden. Auch in meinem persönlichen Umfeld wurde dies viel diskutiert.“

„Weil es richtig und wichtig ist, so ein Thema aufzumachen!“

„Weil es nichts mit den ,bösen‘ Ausländern zu tun hat. Weil es ,nur‘ die ,harmlosen‘ Deutschen waren. Genau deswegen! Und nun darf sich jeder kleine Nazi mal schön auf die Schulter klopfen!“

„Ihr habt da einen richtig guten Artikel geschrieben, so ähnlich waren meine Gedanken auch. Sehr schön, dass ihr dabei auch selbstkritisch seid – Kompliment.“

„Ein toller Artikel, der schon seit Tagen viral geht und sehr gut eine bedenkliche Dynamik aufzeigt.“

„Danke für diese Worte!“

„Da müsst ihr Medien euch schon selber an der Nase packen.“

„Jein. Angebot und Nachfrage – am Ende steht der Konsument, der sich mindestens genauso sehr an der Nase packen darf.“

„Und wieder geht es um die Herkunft der Täter. Weil das wichtiger ist, als dass Menschen ums Leben gekommen sind. Danke Onetz für den Artikel.“

„Hervorragender Artikel, der die Scheinheiligkeit der Öffentlichkeit und damit verbunden der Medien bestens auf den Punkt bringt. Gut, dass es auch noch Ausnahmen bei den Medienhäusern gibt.“

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