21.03.2021 - 17:54 Uhr
AmbergDeutschland & Welt

Zweimal geht Auto in Flammen auf: Experte zweifelt Bericht des Fahrers an

Der Fall liegt vier Jahre zurück: Zwei Mal geht das Auto eines Leiharbeiters während der Fahrt in Flammen auf. Jedes Mal ein BMW. Der 39-Jährige will Schmerzensgeld und Schadensersatz. Aber es gibt erhebliche Zweifel an seiner Schilderung.

Die Feuerwehr löscht ein brennendes Auto. Ein Mann will Schadenersatz weil zweimal eines seiner Autos brannte.
von Christine Ascherl Kontakt Profil

Innerhalb von zwei Monaten wurde ein Leiharbeiter aus Schwandorf Opfer von Fahrzeugbränden während der Fahrt. Zwei Mal ging - nach seinen Angaben - ohne sein Zutun ein BMW 1 18 Diesel unter dem Fahrersitz in Flammen auf. Beide Male kam der Mann gerade aus der Werkstatt. Jetzt will er von dem regionalen BMW-Autohaus Geld.

Feuer bei 140 auf der Autobahn

Beim zweiten Mal - im August 2017 - war er mit Tempo 140 auf der Autobahn A 93 kurz vor Schwandorf unterwegs. Er sagt: Erst sei die Sitzheizung immer heißer geworden und habe sich nicht abschalten lassen. Dann habe sich der Innenraum mit Rauch gefüllt. Als Flammen unter dem Sitz hervorschlugen, habe er die Beine auf das Armaturenbrett gelegt. Der Wagen sei ausgerollt, er sprang heraus. Beide BMW brannten völlig aus.

Bei einem Gütetermin 2019 konnte kein Konsens gefunden werden. Deshalb treffen sich die Parteien am Donnerstag wieder vor der 2. Zivilkammer am Landgericht Amberg - diesmal mit der Expertise eines Kfz-Sachverständigen auf dem Tisch. Auf der einen Seite sitzt der Leiharbeiter, der damals ausgerechnet bei BMW in Regensburg arbeitete. Auf der anderen Seite Anwälte des BMW-Autohauses aus der Region und von BMW selbst - inklusive eines interessierten Vertreters der Fachabteilung Produktanalyse.

Sie müssen nicht viel tun: Der Gutachter zerpflückt den Fall sprichwörtlich in Einzelteile. Diplom-Ingenieur Hans-Joachim Gottwald ist seit über 30 Jahren Kfz-Sachverständiger mit Spezialgebiet Brandermittlung. Er wickelt die Kabelreste aus dem Fahrersitz des zweiten BMW aus. Ein stinkendes Häufchen Drähte. Gottwald sagt: Er und seine Mitarbeiter haben schon tausende Brandschäden untersucht. "Aber noch nie hatten wir einen Brand, der durch eine Sitzheizung ausgelöst wurde."

Der Ingenieur hat sogar eine ausgebaute Sitzheizung dabei. Das Teil sieht ein wenig aus wie eine Rettungsweste im Flugzeug. Ein Vlies, darin schlängeln sich dünne Drähte, die bei Knopfdruck durch Strom warm werden, geregelt durch einen Temperatursensor. "Das gleiche System wie bei Heizdecken, die Senioren gern ins Bett mitnehmen."

Brandlegung nicht beweisbar

Gottwald hat fünf Stunden lang den verbrannten Fahrersitz auseinandergenommen. Millimeterweise. Er sagt: Ja, zu 90 Prozent ist das Feuer an diesem Sitz entstanden. Aber nicht durch einen technischen Defekt. "Was dann?", will Richter Markus Fillinger wissen. Antwort des Gutachters: "Dann gibt es nur noch die Möglichkeit, dass jemand nachgeholfen hat." Das sei aber letztlich nicht beweisbar: Wenn beispielsweise ein brennendes Papier, ein Grillanzünder oder Pattex verwendet wurden, "dann wäre da nichts mehr da".

Es sieht wohl im wahrsten Sinne des Worts schwarz aus für die finanziellen Forderungen des ehemaligen BMW-Arbeiters. Der 39-Jährige gibt an, seit dem zweiten Brand arbeitsunfähig zu sein. Er will 5000 Euro Schmerzensgeld, 6000 Euro Lohnfortzahlung und 3300 Euro für Feuerwehr, Leitplanke, Abschleppdienst etc.

Dazu fordert er noch die Rückzahlung des Kaufpreises von 22000 Euro. 16 000 Euro hat ihm die Kasko schon bezahlt, die Differenz von 6000 will er von der BMW-Bank. Daraus wird nichts - im Gegenteil: Das Auto war finanziert und erst acht Raten (2258 Euro) waren bezahlt. Das Geld der Kasko gehört also eigentlich der BMW-Bank. Nicht ausgeschlossen, dass auf den Fahrer selbst eine Klage zurollt.

Das Gericht will in sechs Wochen ein Urteil verkünden. Auch Richter Fillinger äußert seine Zweifel an der Version des Klägers: "Innerhalb von zwei Monten wird ein und dieselbe Person Opfer von zwei Fahrzeugbränden während der Fahrt? Ich bin kein Mathematiker. Aber statistisch wird sich das auf der Welt noch nicht ereignet haben." Für den Juristen ist auch nicht nachvollziehbar, dass der Fahrer immer weiter fuhr -"obwohl's unterm Hintern heiß wird?" - und nicht anhielt.

Der Bericht zur ersten Verhandlung 2019

Amberg
Hans-Joachim Gottwald, Kfz-Sachverständiger mit Spezialgebiet Brandermittlung, hält am Landgericht Amberg eine Sitzheizung hoch.
Info:

Schadensersatz und Schmerzensgeld

Der Kläger fordert:

  • 5000 Euro Schmerzensgeld
  • 6000 Euro Lohnfortzahlung
  • 3300 Euro für Feuerwehr, Leitplanke, Abschleppdienst etc.
  • Die restlichen 6000 Euro vom Kaufpreis (16000 hat die Versicherung ihm schon bezahlt).

 

 

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