03.08.2021 - 13:47 Uhr
MünchenDeutschland & Welt

Bayern erlaubt Einkaufen rund um die Uhr

Mit digitalen Mini-Supermärkte ohne Personal hofft die Staatsregierung auf eine Verbesserung der Einkaufsmöglichkeiten auf dem Land. Opposition und Handelsverband sind eher skeptisch.

"Neu im Dorfladen" ist an einem Regal im Dorfladen zu lesen. In Bayern sollen digitale Kleinstsupermärkte ohne Verkaufspersonal an allen Werktagen rund um die Uhr öffnen dürfen.
von Jürgen UmlauftProfil

In Bayern dürfen künftig "digitale Kleinstsupermärkte" werktags rund um die Uhr öffnen. Sonn- und Feiertage sind ausgenommen. Das beschloss die Staatsregierung auf ihrer letzten Sitzung vor der Sommerpause. Von der Neuerung sollen Vollsortimentmärkte profitieren, die nicht mehr als 100 Quadratmeter Verkaufsfläche haben und ohne Personal betrieben werden. Kunden kaufen dort normal ein, scannen und bezahlen ihre Ware dann selbst.

Nach Auskunft des bayerischen Wirtschaftsministeriums gibt es im Freistaat noch keine derartigen Märkte mit Vollsortiment. Es sei lediglich bekannt, dass entsprechende Konzepte "verstärkt diskutiert" werden. Man rechne mit einer ersten Realisierung in Altenthann im Landkreis Regensburg. Das innovative Konzept soll, so die Hoffnung der Staatsregierung, die Versorgung der Menschen im ländlichen Raum verbessern, wo die Zahl der Ladengeschäfte immer kleiner wird. Außerdem verspricht man sich davon mehr Wettbewerbsfähigkeit des stationären Handels gegenüber Internetanbietern.

SPD: Kein Ersatz für Dorfladen

Der Hofer SPD-Abgeordnete Klaus Adelt, der sich seit Jahren für eine Verbesserung der Versorgungsstrukturen im ländlichen Raum einsetzt, lehnt das neue Konzept nicht grundsätzlich ab. "Das ist durchaus eine Möglichkeit, für mich aber die schlechteste", urteilte er auf Nachfrage. "Den realen Dorfladen ersetzt das nicht." Adelt verwies darauf, dass personenbetriebene Läden wichtige soziale Treffpunkte auf dem Land seien. Zudem sei die wenig mobile ältere Bevölkerung auch nicht so "digitalaffin".

Seine Erfahrung mit einer kleinen Verkaufsstelle ohne Personal in der Hofer Innenstadt sei, dass diese vorwiegend von jüngeren Menschen in den Abendstunden nach der Arbeit genutzt werde oder am Wochenende als Notlösung, "wenn man vergessen hat, fürs Grillen einzukaufen". Digitale Läden bräuchten aber einen großen Warenumsatz, um zum einen rentabel zu sein, und zum anderen, damit verderbliche Ware nicht über Tage liegen bleibe. "Ich fürchte, dass digitale Läden auf dem Land das Problem der Lebensmittelverschwendung verschärfen", erklärte Adelt.

Handelsverband: Nur für Großstädte

Ähnliche Bedenken äußerte Bernd Ohlmann, Sprecher des Handelsverbandes Bayern. Das Konzept der digitale Kleinstläden ist aus seiner Sicht nur in "hochfrequentierten Lagen" profitabel, also an Orten mit einer hohen Kundendichte. Hinter dem Konzept stecke schließlich ein hoher und damit teurer Logistikaufwand. "Das funktioniert nur in Großstädten, auf dem Land kann ich mir das nicht vorstellen", erläuterte Ohlmann. Versorgungslücken im ländlichen Raum ließen sich so kaum schließen. Ohlmann sieht hinter dem Konzept vielmehr einen ersten und aus Verbandssicht überfälligen Schritt, dass starre bayerische Ladenschlussregiment aufzubrechen.

Bislang hat Bayern eines der strengsten Ladenschlussgesetze in Deutschland. Während im benachbarten Baden-Württemberg Supermärkte beispielsweise montags bis samstags bis 22 Uhr geöffnet haben dürfen, ist im Freistaat ab spätestens 20 Uhr Schluss.

Strategie zur Stärkung des Ländlichen Raumes

München

Das ist durchaus eine Möglichkeit, für mich aber die schlechteste. Den realen Dorfladen ersetzt das nicht.

Klaus Adelt (SPD), Landtagsabgeordneter aus Hof

Klaus Adelt (SPD), Landtagsabgeordneter aus Hof

 

 

Kommentare

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Tanja Härtl

Das wird voraussichtlich daran scheitern, dass findige Mitmenschen die Bezahlung umgehen, oder falls es ein Automat ist, diesen aufbrechen und Ware sowie Geld stehlen. So geschehen bei uns im Nachbardorf bei einem Fleisch-und Wurst-Automat.
Schade.

04.08.2021