05.08.2019 - 20:17 Uhr
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Bayern: Mehr Hilfe für Alleinerziehende

Wer ein Kind alleine erziehen muss, hat es ohnehin schon schwer. Der Freistaat plant eine Offensive für "Ein-Eltern-Familien" - mit steuerlichen Entlastungen.

Kerstin Schreyer. Foto: Peter Kneffel/Archivbild
von Jürgen UmlauftProfil

Sozialministerin Kerstin Schreyer (CSU) will die Lebenssituation von Alleinerziehenden und ihren Kindern verbessern. Sie kündigte dazu einen weiteren Ausbau der Angebote zur Kinderbetreuung an, um Familie und Beruf besser miteinander vereinbaren zu können.

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Außerdem will Schreyer die Beratungsangebote für Alleinerziehende erweitern und die Interessen der Kinder in familiengerichtlichen Verfahren stärken. Es sei ihr Ziel, in Scheidungs- oder Sorgerechtsverfahren verpflichtend "Kinderanwälte" beizuordnen, sagte Schreyer am Montag in München. Auf Bundesebene will sich die Ministerin für eine finanzielle Entlastung von "Ein-Eltern-Familien" einsetzen. So fordert sie, den steuerlichen Entlastungsbetrag für Alleinerziehende vor allem für Geringverdiener aufzustocken. Diese müssten künftig stärker entlastet werden als Alleinerziehende mit hohem Einkommen. Wenn der Staat für säumige Unterhaltszahler Vorschuss leistet, soll das Kind auch in diesen Fällen das volle Kindergeld erhalten und nicht nur die Hälfte. Pro Jahr könnten beide Maßnahmen im Einzelfall eine Entlastung von bis zu 2400 Euro je Kind bedeuten. Schreyer verlangt auch die Entbürokratisierung der Regelungen zur Berechnung von Unterhaltsleistungen.

Der Landesvorsitzende der Arbeiterwohlfahrt (AWO), Thomas Beyer, begrüßte die Pläne Schreyers. "Es ist gut und bitter nötig, dass die Staatsregierung endlich erwacht", erklärte er. Ein-Eltern-Familien sind seit langem die "Stiefkinder der Politik in Bayern". Dies zeige sich gerade im hohen Armutsrisiko. Nach einer Studie der AWO ist in Bayern gut ein Drittel der Ein-Eltern-Familien armutsgefährdet. Nach Angaben Schreyers haben in Bayern 23 Prozent der Alleinerziehende Anspruch auf Sozialleistungen nach Hartz IV.

Auch die Bundesagentur für Arbeit will die Situation von Alleinerziehenden verbessern. Arbeitslosen den Weg in eine Anstellung zu ermöglichen, sei ein besonderer Fokus der Arbeitsagenturen und Jobcenter, sagte eine Sprecherin. Allerdings sind 2019 in Bayern bis März mit 6525 weniger Betroffene in Fördermaßnahmen einbezogen gewesen als im Vergleichszeitraum des Vorjahres - damals waren es 7036.

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