26.07.2020 - 16:47 Uhr
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Kommentar: Die politischen Vorbilder sterben aus

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Wieder verschwindet ein großer Sozialdemokrat von der Bildfläche. Ein Nachruf von Jürgen Herda auf das politische Vorbild Hans-Jochen Vogel.

Als Kanzlerkandidat der SPD: Hans-Jochen Vogel auf einer Wahlkampfveranstaltung in Hessen. Der frühere SPD-Chef starb am Sonntag im Alter von 94 Jahren in München nach langer Krankheit.
von Jürgen Herda Kontakt Profil
Kommentar

Das bleibt in Erinnerung: Bei einem SPD-Landesparteitag in Regensburg während der heißen WAA-Phase konnte man Hans-Jochen Vogel durch geschlossene Türen bis in den Saal brüllen hören.

Er war nicht nur der Doktor mit den Klarsichthüllen, sondern auch ein temperamentvoller Volkstribun. Dass die Staatsregierung friedlich protestierende Landwirte, Hausfrauen und Kinder mit Tränengas beschoss, empörte den Schutzpatron der einfachen Leute.

Ganz ohne Affären

Nachruf auf einen tadellosen Politiker

Bayern

Mehr als seine klugen Reden wirkt Vogels affärenfreies Handeln nach. Altkanzler Gerhard Schröder war ein famoser Wahlkämpfer, aber unvergessen bleiben wird sein instinktloser Gasprom-Posten von Putins Gnaden. Sigmar Gabriel ist ein talentierter Rhetoriker, haften bleiben jedoch werden sein Beratungsjob für Tönnies und sein Aufsichtsratsposten bei der Deutschen Bank.

Hans-Jochen Vogel war anders. Der frühere SPD-Vorsitzende hätte sich nicht einmal auf ein stilles Wasser einladen lassen. Politik verstand der bescheidene Wahlbayer noch als Dienst am Volk. Dass Vorbilder wie der Gerechtigkeitskämpfer aus Göttingen aussterben, ist auch ein Grund für den Niedergang der SPD.

Hans-Jochen Vogel ist im Alter von 94 Jahren gestorben

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